Flachdichtungen aus nicht-metallischem Werkstoff berechnen – Modul 151N

Das Modul kombiniert die Maßnorm DIN EN 1514-1 für Flachdichtungen aus nicht-metallischem Werkstoff mit Herstellerangaben zu konkreten Dichtungsprodukten.

Modul 151NRegelwerk DIN EN 1514-1 & HerstellerangabenLesedauer 5 minDE / EN

Aufgabenstellung und Berechnungsziel

Das Modul kombiniert die Maßnorm DIN EN 1514-1 für Flachdichtungen aus nicht-metallischem Werkstoff mit Herstellerangaben zu konkreten Dichtungsprodukten. Neben den genormten Abmessungen – Innen- und Außendurchmesser, Dicke, mittlerer Dichtungsdurchmesser und wirksame Dichtungsbreite – werden herstellerspezifische Kennwerte wie Dichtungsbeiwert und die Änderungsrate des E-Moduls hinterlegt und die vorhandene Flächenpressung sowie die zu erwartende Leckage bewertet.

Der Unterschied zur reinen Normauswahl liegt im Dichtheitsaspekt: Während die Maßtabelle nur Geometrie liefert, hängt die tatsächliche Dichtheit einer Verbindung vom realen Kraft-Verformungs- und Leckageverhalten des Dichtungswerkstoffs ab, das die Hersteller in Kennwertblättern (z. B. nach EN 13555 gemessen) dokumentieren. Das Modul führt beide Datenquellen zusammen und macht so eine leckageorientierte Dichtungsauswahl möglich.

In der Praxis nutzt man das Modul, um für eine Flanschverbindung mit gegebenem Betriebsdruck und Betriebstemperatur eine geeignete Weichstoffdichtung zu finden und zu prüfen, ob die vorhandene Pressung für die geforderte Dichtheitsklasse ausreicht – etwa bei Anforderungen aus der TA Luft oder bei kritischen Medien.

Regelwerk und Berechnungsbasis: DIN EN 1514-1: 1997-08 & Herstellerangaben

So läuft die Berechnung ab

  1. Verbindung und Dichtungsgröße festlegen: Aus Nenndurchmesser DN und Nenndruck PN wird die Dichtungsgröße nach DIN EN 1514-1 bestimmt; Innen- und Außendurchmesser, Dicke sowie mittlerer Dichtungsdurchmesser und wirksame Dichtungsbreite stehen damit fest.
  2. Dichtungsprodukt mit Herstellerkennwerten wählen: Für das konkrete Produkt werden die Herstellerangaben geladen: zulässige Flächenpressungen, Dichtungsbeiwert, temperaturabhängige Änderungsrate des E-Moduls und Leckagekennwerte.
  3. Betriebsbedingungen eingeben: Betriebsdruck und Betriebstemperatur der Verbindung werden erfasst; sie bestimmen sowohl die erforderliche Mindestpressung für Dichtheit als auch die zulässigen Grenzwerte des Werkstoffs bei Temperatur.
  4. Vorhandene Pressung und Leckage bewerten: Aus der wirksamen Dichtungsfläche und der eingeleiteten Kraft ergibt sich die vorhandene Pressung; sie wird mit den Herstellerkennwerten verglichen und daraus die zu erwartende Leckagerate bzw. Dichtheitsklasse abgeleitet.
  5. Dichtung freigeben oder anpassen: Liegt die Pressung außerhalb des zulässigen Fensters oder die Leckage über der Anforderung, werden Dichtungswerkstoff, Dicke oder Schraubenkraft angepasst und der Nachweis wiederholt.
Eingabegrößen24 / 25 Größen
GrößeSymbolEinheit
_Auswahl_Auswahl-
NenndurchmesserDN-
Innendurchmesserd1mm
Außendurchmesserd2mm
Dickebmm
KriechfaktorPQRi
ElastizitätsmodulEGMPa
Änderungsrate E-ModulK1
maximale DruckbelastungQSmax QmaxMPa
MindestpressungQSminL QminLMPa
DichtungsbeiwertQ1/P
BetriebstemperaturBerechnungstemperatur°C
Betriebsdruckpbar
NenndruckPN-
Mittlerer DichtungsdurchmesserdDmm
Wirksame DichtungsbreitebDmm
E-Modul der DichtungEGMPa
Dicke der DichtungeGImm
MindestpressungQSminL QminLMPa
Max. zulässige DruckbelastungQSmax QmaxMPa
Dicke der DichtungeGImm
zusätzliche Durchbiegung der DichtungΔeGcmm
Dichtungsbeiwert für Qmax G.7.3, (Vorgabe=0.05)c1
Vorhandene PressungFlächenpressungMPa

Gelöstes Beispiel

Für eine Flachdichtung DN 100, PN 16 nach DIN EN 1514-1 soll die vorhandene Flächenpressung im Montagezustand bestimmt werden, wenn die Schrauben der Verbindung eine Gesamtkraft von 150 kN auf die Dichtung aufbringen.

Gegebene Werte

Innendurchmesser di115 mm
Außendurchmesser da162 mm
Dichtungskraft FG150 kN

Lösungsweg

1

Wirksame Dichtungsgeometrie

dG = (115 mm + 162 mm) / 2 = 138,5 mm
bG = (162 mm − 115 mm) / 2 = 23,5 mm

2

Verpresste Dichtungsfläche

AG = π · dG · bG = π · 138,5 mm · 23,5 mm ≈ 10 225 mm²

3

Vorhandene Flächenpressung

σG = FG / AG = 150 000 N / 10 225 mm² ≈ 14,7 N/mm²

Dieser Wert wird mit der vom Hersteller angegebenen Mindestpressung für die geforderte Leckageklasse und mit der maximal zulässigen Pressung des Werkstoffs verglichen.

Ergebnis

Dichtungsfläche AG≈ 10 225 mm²
Vorhandene Pressung σG≈ 14,7 N/mm²

Alle Werte sind beispielhaft. Maßgeblich sind das jeweils gültige Regelwerk und die projektspezifischen Randbedingungen.

Häufige Fragen

Warum reichen die Normwerte der DIN EN 1514-1 für einen Dichtheitsnachweis nicht aus?

DIN EN 1514-1 ist eine Maßnorm – sie legt Abmessungen fest, aber keine Leckageraten. Das Dichtverhalten hängt vom konkreten Werkstoff und Fabrikat ab und streut zwischen Herstellern erheblich. Für einen belastbaren Dichtheitsnachweis braucht man gemessene Kennwerte des eingesetzten Produkts, wie sie Hersteller nach EN 13555 veröffentlichen.

Was sagt die Leckageklasse aus?

Die Leckagerate beschreibt den auf den Dichtungsumfang bezogenen Massenstrom des Prüfmediums (üblich Helium oder Stickstoff) bei definierter Pressung und definiertem Innendruck. Je höher die eingestellte Flächenpressung, desto niedriger die Leckage. Anforderungen wie die TA Luft geben Grenzwerte vor, aus denen sich die erforderliche Mindestpressung ableitet.

Welche typischen Fehler führen zu undichten Weichstoffdichtungen?

Häufigste Ursachen sind zu geringe oder ungleichmäßige Schraubenkraft bei der Montage, zu dicke Dichtungen (mehr Setz- und Kriechverlust), Überpressung schmaler Dichtflächen sowie die Vernachlässigung des Pressungsverlusts durch Temperatur und Relaxation im Betrieb. Ein Nachweis über alle Lastfälle – Montage, Prüfung, Betrieb – deckt diese Effekte auf.

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