Einzelausschnitte in Kugel- und Zylinderschalen berechnen – Modul NOIS

Stutzen, Mannlöcher und Instrumentenanschlüsse unterbrechen den Kraftfluss in der drucktragenden Wand – jeder Ausschnitt muss deshalb verstärkt und nachgewiesen werden.

Modul NOISRegelwerk DIN EN 13445-3/9 & DIN EN 14025Lesedauer 7 minDE / EN

Aufgabenstellung und Berechnungsziel

Stutzen, Mannlöcher und Instrumentenanschlüsse unterbrechen den Kraftfluss in der drucktragenden Wand – jeder Ausschnitt muss deshalb verstärkt und nachgewiesen werden. Dieses Modul berechnet Ausschnitte und Ausschnittverstärkungen nach DIN EN 13445-3, Abschnitt 9, ergänzt um die Anforderungen der DIN EN 14025 für Tanks für gefährliche Güter. Abgedeckt sind kreisrunde, elliptische und länglich runde Ausschnitte in Zylinder-, Kegel- und Kugelschalen sowie in gewölbten Böden, jeweils unter Innen- und Außendruck.

Grundlage ist das Druckflächenverfahren der EN 13445: Die vom Druck belasteten Flächen werden den spannungstragenden Querschnittsflächen von Schale, Stutzen und Verstärkung innerhalb der mittragenden Längen gegenübergestellt. Als Verstärkungsvarianten stehen aufgesetzte (set-on), eingesetzte (set-in) und durchgesteckte (set-through) Stutzen, Verstärkungsscheiben, ausgehalste Ausschnitte und Blockflansche zur Verfügung. Für Stutzen im Krempenbereich gewölbter Böden – einer Zone mit ohnehin erhöhter Beanspruchung – bietet das Modul eine spezielle Berechnungsoption.

Neben Einzelausschnitten werden auch Mehrfachausschnitte behandelt: Liegen Öffnungen so dicht beieinander, dass sich ihre Verstärkungsbereiche überschneiden, wird der Steg zwischen ihnen in einem gemeinsamen Nachweis bewertet. Wer eine Stutzenverstärkung nach EN 13445 berechnen will, findet hier den vollständigen Ausschnittsnachweis.

Regelwerk und Berechnungsbasis: DIN EN 13445-3/9: 2021-12 & DIN EN 14025: 2018-09

Berechnungsumfang

So läuft die Berechnung ab

  1. Grundschale definieren: Zunächst wird die tragende Schale beschrieben: Zylinder-, Kegel- oder Kugelschale bzw. gewölbter Boden (Klöpper- oder Korbbogenform), mit Durchmesser, Wanddicke abzüglich Zuschlägen, Werkstoff und Berechnungsdruck – wahlweise Innen- oder Außendruck. Die Lage des Ausschnitts (Kalotte oder Krempenbereich) entscheidet über das anzuwendende Verfahren.
  2. Ausschnitt und Stutzen festlegen: Erfasst werden Form und Größe des Ausschnitts (kreisrund, elliptisch, länglich rund), die Stutzenausführung (aufgesetzt, eingesetzt oder durchgesteckt), Stutzendurchmesser und -wanddicke, Überstände nach außen und innen sowie eine eventuelle Verstärkungsscheibe oder ein Blockflansch mit ihren Abmessungen.
  3. Mittragende Längen bestimmen: Die Norm begrenzt, wie viel Material von Schale und Stutzen als Verstärkung wirken darf: Die mittragenden Längen entlang der Schale und entlang des Stutzens werden aus Durchmesser und Wanddicke berechnet. Nur Querschnittsflächen innerhalb dieser Längen gehen als tragende Flächen in den Nachweis ein.
  4. Druckflächenvergleich führen: Für jeden maßgebenden Schnitt werden die druckbelasteten Flächen Ap und die tragenden Querschnittsflächen Af von Schale, Stutzen und Verstärkung mit ihren jeweiligen zulässigen Spannungen bilanziert. Die Festigkeitsbedingung ist erfüllt, wenn die tragenden Flächen die Druckbelastung mit den geforderten Sicherheiten aufnehmen; bei unterschiedlichen Werkstoffen wird die geringere Festigkeit des Anbauteils berücksichtigt.
  5. Mehrfachausschnitte und Abstände prüfen: Bei mehreren Öffnungen prüft das Modul das Abstandskriterium: Überschneiden sich die Verstärkungsbereiche, wird der Ligamentnachweis für den Steg zwischen den Ausschnitten geführt. Zusätzlich werden Mindestabstände zu Schweißnähten und zu Störstellen wie der Krempe kontrolliert.
  6. Ergebnis bewerten: Ausgewiesen werden die Ausnutzungsgrade aller Schnitte sowie – bei Bedarf – der maximal zulässige Druck des verstärkten Ausschnitts. Reicht die Verstärkung nicht aus, lassen sich Stutzenwanddicke, Scheibenabmessungen oder die Ausschnittlage variieren und der Nachweis sofort erneut führen.
Eingabegrößen24 / 214 Größen
GrößeSymbolEinheit
LastfallLastfall
Berechnungstemperaturt°C
BerechnungsdruckPMPa
BezeichnungSchale
Dickenzuschlagδemm
Korrosionszuschlagcmm
Umformzuschlagδmmm
Summe Zuschläge∑(δ)mm
Kennwert SchalenwerkstoffSchalenwerkstoffMPa
safety factorfactor
Die Festigkeitsbedingung wird Auslastung≤1
KennwertRe, Rp, Rm KMPa
SicherheitsbeiwertS
KennwertRe, Rp, Rm KMPa
SicherheitsbeiwertS
Stutzenformnozzle
Schalen ohne Stutzen oder mit Verstärkungsscheibe9.4.5 d/(2 · ris) = ≤ 1
Zylinder / Kegel mit Stutzen9.4.5 dib/(2 · ris) = ≤ 1
Berechnungsnennspannungf=Min[Rm20/2,Rpe · 3/4]=MPa
Außendurchmesser (Kugelbereich, Kegel) der Schale beim größeren Ausschnitt 1De1mm
Außendurchmesser Öffnung, Stutzen oder Ringd1,deb1mm
Innendurchmesser des Stutzens (oder Ring: dir)dib1mm
Kugeln+gewölbte Böden9.4.5 d/De = ≤ 0.6
Kugeln+gewölbte Böden9.4.5 dib/De = ≤ 0.6
Berechnungsergebnisse24 / 52 Größen
GrößeSymbolEinheit
BerechnungsdruckPMPa
Die Festigkeitsbedingung wird Auslastung≤1
Berechnungsnennspannungf=Min[Rm20/2,Rpe · 3/4]=MPa
mit einem VerbindungsdurchmesserDcmm
Innendurchmesser des Stutzens (oder Ring: dir)dib1mm
und einer Dicke e1 (bzw. e2 nach Fig. 9.7-10)junctionmm
Berechnungswanddickeeab1mm
Berechnungsdickeeap1mm
Anrechenbare Dicke Min. (eap1, eas)ep1mm
Berechnungsnennspannungf=Min[Rm20/2,Rpe · 3/4]=MPa
Berechnungsnennspannungf=Min[Rm20/2,Rpe · 3/4]=MPa
Anrechenbarer äußerer ÜberstandMin(lb;lbo) l'b1mm
Anrechenbarer innerer ÜberstandMin(lbi;lbo/2) l'bi1mm
max. anrechenbarer äußerer Überstandlbo1mm
max. anrechenbarer innerer Überstandlbo1/2mm
Mittragende Länge (Zylinder-Verbindung)lcylmm
Anrechenbare mittragende LängeMin(ls;lso) l'smm
Anrechenbare Breite Min. (lp1, k · lso1)l'p1mm
Maximal mittragende Längelso1mm
(und z.B. w= ≤0)mm
Querschnittsfläche Stutzen (Ring: Afr)Afb1mm²
QuerschnittsflächeAfpmm²
Querschnittsfläche SchaleAfsmm²
Querschnittsfläche SchweißnahtAfwmm²

Berechnungsoptionen

Stutzenform

kein Stutzen · eingesetzt · aufgesetzt · Verstärkungsring · ausgehalst · 6

Schnittrichtung

axial · 2

Schalentyp

Zylinder · Kugel+Halbkugel+torisphärisch · elliptisch · Kegel

Anwendungsfall

Dauerfestigkeit und Bewertung nach Kap. 17 · Zeitstandsbereich · Sonstige

Regelwerk

EN 13445-3: Unbefeuerte Druckbehälter · EN 14025: Tanks für die Beförderung gefährlicher Güter

Schalentyp

Klöpperboden · Korbbogenboden · Halbkugelboden

Option

Einzelausschnitte in Kugel- und Zylinderschalen · Mehrfachausschnitte in Kugel- und Zylinderschalen

Häufige Fragen

Was bedeuten aufgesetzter, eingesetzter und durchgesteckter Stutzen für den Nachweis?

Beim aufgesetzten Stutzen (set-on) sitzt das Stutzenrohr auf der Schalenaußenseite, nur der äußere Überstand trägt mit. Beim eingesetzten Stutzen (set-in) ist das Rohr in den Ausschnitt eingeschweißt; beim durchgesteckten Stutzen (set-through) ragt es zusätzlich nach innen, sodass auch der innere Überstand innerhalb seiner mittragenden Länge als Verstärkungsfläche angerechnet werden darf. Die Ausführung beeinflusst außerdem Nahtform, Prüfbarkeit und Ermüdungsverhalten.

Warum ist der Krempenbereich gewölbter Böden für Stutzen kritisch?

In der Krempe überlagern sich bereits ohne Ausschnitt hohe Biegespannungen aus der Krümmungsänderung zwischen Kalotte und zylindrischem Bord. Ein Stutzen in dieser Zone schwächt genau den höchstbeanspruchten Bereich. Die Norm stellt dafür verschärfte Regeln bereit; das Modul bietet eine eigene Berechnungsoption für Stutzen im Krempenbereich. Konstruktiv sollte man Ausschnitte nach Möglichkeit in die Kalotte legen.

Verstärkungsscheibe oder dickwandiger Stutzen – welche Verstärkung ist besser?

Ein dickwandiger oder ausgehalster Stutzen verstärkt direkt am Ort der höchsten Beanspruchung, ist ermüdungsgünstiger und vollständig prüfbar. Verstärkungsscheiben sind fertigungstechnisch einfach und wirtschaftlich, haben aber Grenzen: Sie wirken nur über Schubübertragung der Kehlnähte, sind bei hohen Temperaturen und schroffen Temperaturwechseln ungünstig (Spalt zwischen Scheibe und Schale) und werden von der EN 13445 in Dicke und Breite begrenzt. Bei zyklischer Beanspruchung ist die integrale Verstärkung vorzuziehen.

Wann greift zusätzlich die DIN EN 14025?

Die EN 14025 gilt für Tanks zur Beförderung gefährlicher Güter (Straßen- und Eisenbahnkesselwagen, Tankcontainer). Sie verweist für die Ausschnittsberechnung weitgehend auf die EN 13445-3, setzt aber eigene Mindestwanddicken, Werkstoffanforderungen und dynamische Lastannahmen aus dem Transport an. Das Modul berücksichtigt diese Zusatzanforderungen, wenn ein Tank nach ADR/RID nachzuweisen ist.

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