Lokale Lasten an Stutzen in Kugelschalen berechnen – Modul E164

Das Modul EN16.04 weist Stutzen in Kugelschalen und gewölbten Böden unter lokalen Lasten nach DIN EN 13445-3, Abschnitt 16.4 nach.

Modul E164Regelwerk DIN EN 13445-3/16.4Lesedauer 6 minDE / EN

Aufgabenstellung und Berechnungsziel

Das Modul EN16.04 weist Stutzen in Kugelschalen und gewölbten Böden unter lokalen Lasten nach DIN EN 13445-3, Abschnitt 16.4 nach. Neben dem Innendruck übertragen angeschlossene Rohrleitungen Kräfte und Momente auf den Stutzen: Axialkräfte aus Rohrleitungsdehnung, Scherkräfte, Biegemomente in Umfangs- und Längsrichtung sowie Torsionsmomente. Diese Stutzenlasten erzeugen lokale Membran- und Biegespannungen im Schalenausschnitt, die der reine Ausschnittsnachweis nicht erfasst.

Wer Stutzenlasten an einer Kugelschale berechnen will, benötigt neben der Geometrie die Berechnungsnennspannung der Schale, die sich aus Festigkeitskennwert und Sicherheitsbeiwert ergibt, sowie die wirksame Wanddicke nach Abzug von Korrosions- und Wanddickenzuschlag. Das Modul ermittelt daraus die zulässigen Einzellasten (Druck, Axialkraft, Biegemoment) und führt den Interaktionsnachweis für die kombinierte Beanspruchung. Eine Verstärkungsscheibe kann berücksichtigt werden.

Zusätzlich prüft das Modul die Längsspannung im Stutzenrohr selbst einschließlich des Stabilitätsfaktors gegen lokales Beulen sowie die Schwingbreiten von Druck, Axialkraft und Momenten für die Einstufung nach dem vereinfachten Ermüdungsnachweis. Die Verknüpfung zum zulässigen Berechnungsdruck aus dem Ausschnittsnachweis (Modul EN09) und zu den globalen Grenzlasten nach Abschnitt 16.14 ist integriert.

Regelwerk und Berechnungsbasis: DIN EN 13445-3/16.4: 2021-12

So läuft die Berechnung ab

  1. Wirksame Wanddicke und Berechnungsnennspannung bestimmen: Von der ausgeführten Wanddicke werden Korrosionszuschlag und Wanddickenzuschlag abgezogen. Aus dem Festigkeitskennwert der Schale und dem Sicherheitsbeiwert ergibt sich die Berechnungsnennspannung f, die Bezugsgröße aller Zulässigkeitsnachweise.
  2. Lasten am Stutzen zusammenstellen: Erfasst werden Druck, Axialkraft (Zug positiv), Scherkraft, Umfangs- und Längsmoment sowie das Torsionsmoment. Aus den beiden Biegemomenten wird das resultierende Biegemoment gebildet, das zusammen mit Axialkraft und Druck die maßgebende lokale Beanspruchung bestimmt.
  3. Zulässige Einzellasten ermitteln: Nach Abschnitt 16.4 werden der zulässige Druck (in Verbindung mit dem Ausschnittsnachweis nach Modul EN09), die zulässige Axialkraft und das zulässige Biegemoment für den Stutzen in der Kugelschale berechnet – abhängig vom Verhältnis Stutzendurchmesser zu Schalendurchmesser, der Wanddicke und einer eventuellen Verstärkungsscheibe.
  4. Interaktionsnachweis für kombinierte Belastung führen: Die gleichzeitig wirkenden Lasten werden auf ihre zulässigen Einzelwerte bezogen und über die Interaktionsbeziehung der Norm kombiniert. Der Nachweis gilt als erfüllt, wenn die Interaktionssumme den Grenzwert nicht überschreitet.
  5. Stutzenlängsspannung und Stabilität prüfen: Im Stutzenrohr wird die Längsspannung aus Druck, Axialkraft und resultierendem Biegemoment berechnet und mit der zulässigen Spannung verglichen. Bei Druckbeanspruchung wird zusätzlich der Stabilitätsfaktor gegen lokales Beulen des Stutzens nachgewiesen.
  6. Schwingbreiten bewerten: Für wechselnde Lasten werden die Schwingbreiten von Druck, axialer Stutzenkraft und Momenten ausgewertet. Sie dienen als Eingang für den vereinfachten Ermüdungsnachweis nach DIN EN 13445-3 und begrenzen die zulässige Lastspielzahl.
Eingabegrößen24 / 131 Größen
GrößeSymbolEinheit
Lastfallcase
Verstärkungplate
Berechnungstemperaturt°C
BerechnungsdruckPMPa(p)
Außendurchmesser der SchaleDemm
Nennwanddicke der Schaleenmm
Außendurchmesser des Stutzensdemm
Nennwanddicke des Stutzensenbmm
Außendurchmesser der Verstärkungd2mm
Nennwanddicke Verstärkungsblechen2mm
Art des StutzensNozzle
Shell MaterialMaterial
Wanddickenzuschlagc1mm
Korrosionszuschlagc2mm
Festigkeitskennwert der SchaleKsN/mm²
Sicherheitsbeiwert der SchaleSs-
BerechnungsnennspannungfN/mm²
Nozzle MaterialMaterial
Wanddickenzuschlagc1STmm
Korrosionszuschlagc2STmm
Festigkeitskennwert der SchaleKNN/mm²
Sicherheitsbeiwert der SchaleSN-
BerechnungsnennspannungfbN/mm²
Reinforcement MaterialMaterial
Berechnungsergebnisse24 / 57 Größen
GrößeSymbolEinheit
Zulässiger Berechungsdruck (Modul EN09)PmaxMPa(p)
Zulässiges globales Moment (Module EN 16.14)MmaxN·mm
Zulässige globale Stutzenkraft (Module EN 16.14)FmaxN
Dicke der Kugelschaleeamm
Innendurchmesser der SchaleDimm
Mittlerer Durchmesser der SchaleDmm
Mittlerer Schalenradius am StutzenRmm
Berechnungswanddicke des Stutzenebmm
Stutzeninnendurchmesserdimm
Mittlerer Stutzendurchmesserdmm
Dicke der Verstärkungsplattee2mm
Breite der VerstärkungsplatteLmm
Bedingungen der Längelength
Kombinierte Dicke von Schale und Verstärkungecmm
Äquivalente Schalendickeeeqmm
Verhältnisea/eb-
VerhältnisD/ec-
Verhältniseb/ec-
Faktor der Verstärkungsratek-
Stutzenparameterλs-
Zulässige AxialkraftFzmaxN
Zulässiges BiegemomentMBmaxN·mm
Schubspannung in der Schale durch ScherkraftτFN/mm²
Schubspannung verursacht durch TorsionsmomentτZN/mm²

Berechnungsoptionen

Lastfall

Betrieb · Prüfung

Verstärkung

Ja · Nein

Art des Stutzens

Aufgesetzt · Eingesteckt

Gibt es weitere lokale Lasten?

Ja · Nein

Häufige Fragen

Wann reicht der Ausschnittsnachweis nach EN 13445-3 Kapitel 9, und wann brauche ich Abschnitt 16.4?

Kapitel 9 weist die Verstärkung des Ausschnitts nur für die Druckbelastung nach. Sobald die angeschlossene Rohrleitung nennenswerte Kräfte oder Momente auf den Stutzen überträgt – etwa aus Wärmedehnung, Eigengewicht oder Reaktionskräften – müssen die daraus entstehenden lokalen Spannungen zusätzlich nach Abschnitt 16.4 (Kugelschalen) bzw. 16.5 (Zylinderschalen) nachgewiesen werden. Beide Nachweise gehören zusammen: Der zulässige Berechnungsdruck aus dem Ausschnittsnachweis geht in den Interaktionsnachweis ein.

Wie wirkt eine Verstärkungsscheibe auf die zulässigen Stutzenlasten?

Eine mit der Schale verschweißte Verstärkungsscheibe vergrößert die wirksame Wanddicke im lasteinleitenden Bereich und erhöht damit die zulässigen Einzellasten aus Druck, Kraft und Moment. Die Norm knüpft die Anrechnung an Bedingungen zur Breite und Dicke der Scheibe sowie zur Schweißverbindung; außerhalb dieser Grenzen darf die Scheibe nicht voll angesetzt werden.

Welche Vorzeichenkonvention gilt für die Axialkraft?

Im Modul ist die Axialkraft bei Zug positiv definiert, d. h. eine Kraft, die den Stutzen von der Schale weg nach außen zieht. Druckkräfte (negativ) wirken zusammen mit dem Innendruck ungünstig auf die Stabilität des Stutzenrohres, weshalb dann zusätzlich der Stabilitätsfaktor gegen Beulen geprüft wird.

Woher bekomme ich realistische Stutzenlasten für den Nachweis?

Maßgebend sind die Schnittlasten aus der Rohrleitungsberechnung (Rohrstatik) am Stutzenanschluss, ersatzweise Herstellerangaben oder projektspezifische Standardlasttabellen. Zu konservativ angesetzte Pauschallasten führen häufig zu unnötig dicken Schalen oder großen Verstärkungen – eine abgestimmte Rohrstatik zahlt sich hier unmittelbar aus.

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