Mollier H-X Diagramm: Stoffwerte von feuchter Luft berechnen – Modul HX

Das Modul HX berechnet die Zustandsgrößen feuchter Gase nach dem Mollier-h-x-Diagramm.

Modul HXRegelwerk ModulspezifischLesedauer 6 minDE / EN

Aufgabenstellung und Berechnungsziel

Das Modul HX berechnet die Zustandsgrößen feuchter Gase nach dem Mollier-h-x-Diagramm. Ein Zustand ist durch Temperatur, Druck und Feuchte definiert; daraus ermittelt das Modul die absolute Feuchte (Wasserbeladung x), die spezifische Enthalpie, Taupunkt, Sättigungs- und Partialdrücke, Dichten sowie weitere Stoffdaten. Neben Luft lassen sich auch andere Trägergase wie Stickstoff, Biogas, Erdgas oder CO2-haltige Gemische als feuchtes Gas behandeln.

Zwei Rechenarten stehen zur Verfügung: die Zustandsänderung eines feuchten Gasstroms – Erwärmen, Kühlen mit und ohne Kondensatausfall, Be- und Entfeuchten – mit Ausgabe von Enthalpiedifferenz, Temperaturdifferenz, Feuchtedifferenz, Kondensat-Massenstrom und Wärmestrom, sowie die Mischung zweier feuchter Gasströme mit dem resultierenden Mischungszustand.

Gebraucht wird die Berechnung feuchter Luft in der Trocknungstechnik, bei Kühltürmen und Luftkondensatoren, in der Klima- und Prozesslufttechnik sowie bei der Abgas- und Brüdenkondensation: Überall dort entscheidet die Wasserbeladung darüber, wie viel Wärme sensibel und wie viel latent übertragen wird und ab welcher Temperatur Kondensat ausfällt.

So läuft die Berechnung ab

  1. Zustand definieren: Temperatur, Gesamtdruck und relative Feuchte (oder eine gleichwertige Feuchtegröße) des feuchten Gases werden vorgegeben; bei anderen Trägergasen als Luft zusätzlich die Gaszusammensetzung mit Molmasse und Gaskonstante.
  2. Sättigungs- und Partialdruck bestimmen: Beim Zustandspunkt wird der Sättigungsdruck des Wasserdampfs ausgewertet; aus relativer Feuchte und Gesamtdruck folgen Wasserdampf-Partialdruck, absolute Feuchte x und der Taupunkt.
  3. Enthalpie und Dichten berechnen: Die spezifische Enthalpie des feuchten Gases wird – bezogen auf 1 kg trockenes Gas – aus sensiblem Anteil des Trägergases, Verdampfungsenthalpie und Überhitzung des Dampfanteils gebildet; ergänzend werden Dichte und weitere Stoffdaten ausgegeben.
  4. Zustandsänderung oder Mischung rechnen: Für eine Zustandsänderung werden Enthalpiedifferenz, Temperaturdifferenz und Feuchtedifferenz zwischen Anfangs- und Endzustand bilanziert; unterschreitet der Endzustand den Taupunkt, weist das Modul den Massenstrom des ausfallenden Kondensats aus. Bei der Mischung zweier Ströme folgt der Mischpunkt aus der Massen- und Enthalpiebilanz.
  5. Wärmestrom ausweisen: Mit dem Massenstrom des trockenen Gases ergibt sich aus der Enthalpiedifferenz der Wärmestrom, der dem Prozess zu- oder abzuführen ist – die Schnittstelle zur Auslegung von Erhitzern, Kühlern und Kondensatoren.
Eingabegrößen24 / 69 Größen
GrößeSymbolEinheit
MolmasseMGkg/kmol
MolmasseMVkg/kmol
Verdampfungsenthalpie bei ϑ0ΔhvJ/kg
Spezifische GaskonstanteRGJ/(kg·K)
Spezifische GaskonstanteRVJ/(kg·K)
Temperaturϑ1 ϑ2°C
Temperaturϑ1 ϑ2°C
Gesamtdruckpg1 pg2Pa
Gesamtdruckpg1 pg2Pa
Relative Feuchteφ1 φ2%
Relative Feuchteφ1 φ2%
InertgascpG cpGJ/(kg·K)
InertgascpG cpGJ/(kg·K)
DampfcpV cpVJ/(kg·K)
DampfcpV cpVJ/(kg·K)
FlüssigkeitcpL cpLJ/(kg·K)
FlüssigkeitcpL cpLJ/(kg·K)
Sättigungsdruckps1 ps2Pa
Sättigungsdruckps1 ps2Pa
Partialdruckpi1 pi2Pa
Partialdruckpi1 pi2Pa
Feuchtegradx1 x2kg/kg
Feuchtegradx1 x2kg/kg
Feuchtegrad bei Sättigungxs1 xs2kg/kg

Gelöstes Beispiel

Für feuchte Luft bei 30 °C, 1,013 25 bar Gesamtdruck und 50 % relativer Feuchte sind die Wasserbeladung x, die spezifische Enthalpie h1+x und der Taupunkt zu bestimmen.

Gegebene Werte

Temperatur t30 °C
Gesamtdruck p1 013,25 hPa
Relative Feuchte φ50 %

Lösungsweg

1

Sättigungs- und Partialdruck des Wasserdampfs

Sättigungsdruck nach der Magnus-Formel:

ps = 6,112 · exp[17,62 · t / (243,12 + t)] = 6,112 · exp(528,6/273,12) = 42,34 hPa

Partialdruck: pD = φ · ps = 0,5 · 42,34 = 21,17 hPa

2

Wasserbeladung

x = 0,622 · pD / (p − pD) = 0,622 · 21,17 / (1 013,25 − 21,17) = 0,013 3 kg/kg (13,3 g Wasser je kg trockener Luft)

Der Faktor 0,622 ist das Molmassenverhältnis Wasser/Luft (18,015/28,963).

3

Spezifische Enthalpie

h1+x = 1,006 · t + x · (2 501 + 1,86 · t)
= 1,006 · 30 + 0,013 27 · (2 501 + 1,86 · 30)
= 30,2 + 33,9 = 64,1 kJ/kg trockene Luft

Gut die Hälfte der Enthalpie steckt als latente Wärme im Dampfanteil.

4

Taupunkt

Der Taupunkt ist die Temperatur, bei der ps(td) = pD = 21,17 hPa gilt. Auflösen der Magnus-Formel liefert:

td = 243,12 · ln(pD/6,112) / [17,62 − ln(pD/6,112)] = 18,4 °C

Kühlflächen unter 18,4 °C schlagen bei diesem Luftzustand Kondensat nieder.

Ergebnis

Wasserdampf-Partialdruck21,17 hPa
Wasserbeladung x13,3 g/kg
Spezifische Enthalpie h1+x64,1 kJ/kg tr. Luft
Taupunkt18,4 °C

Alle Werte sind beispielhaft. Maßgeblich sind das jeweils gültige Regelwerk und die projektspezifischen Randbedingungen.

Häufige Fragen

Warum wird die Enthalpie auf 1 kg trockenes Gas bezogen und nicht auf das feuchte Gemisch?

Bei Zustandsänderungen bleibt der trockene Gasanteil erhalten, während Wasser durch Kondensation oder Befeuchtung zu- oder abgeführt wird. Mit dem Bezug auf 1 kg trockenes Gas bleiben die Bilanzgrößen h und x entlang des Prozesses additiv – genau deshalb lassen sich Zustandsänderungen und Mischungen im h-x-Diagramm als einfache Strecken und Hebelgesetze darstellen.

Was passiert bei Abkühlung unter den Taupunkt?

Der Wasserdampf-Partialdruck erreicht den Sättigungsdruck, überschüssiger Dampf kondensiert aus. Das Gas folgt dann der Sättigungslinie: Die Beladung x sinkt, und die abgeführte Wärme setzt sich aus sensiblem Anteil und der Kondensationsenthalpie zusammen. Das Modul weist den ausfallenden Kondensat-Massenstrom separat aus – wichtig für Kondensatableitung und Materialwahl (Korrosion durch saures Kondensat bei Abgasen).

Welchen Einfluss hat der Gesamtdruck auf die Feuchtegrößen?

Der Sättigungsdruck hängt nur von der Temperatur ab, die Beladung x jedoch vom Verhältnis Partialdruck zu (Gesamtdruck minus Partialdruck). Bei höherem Gesamtdruck nimmt das Gas bei gleicher Temperatur weniger Wasser auf – deshalb fällt in Druckluftsystemen nach dem Verdichter Kondensat aus, obwohl die angesaugte Luft ungesättigt war. Rechnungen mit dem 1-bar-h-x-Diagramm gelten nur für Atmosphärendruck.

Kann die Mischung zweier ungesättigter Ströme Nebel erzeugen?

Ja. Die Mischgerade zweier Zustandspunkte im h-x-Diagramm kann unterhalb der Sättigungslinie verlaufen, obwohl beide Ausgangsströme ungesättigt sind – dann fällt im Mischpunkt Nebel bzw. Kondensat aus. Typisch ist das beim Mischen von warmem, feuchtem Abgas mit kalter Außenluft (sichtbare Schwaden am Kamin).

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