Aufgabenstellung und Berechnungsziel
Das Modul CAV berechnet Regelventile für Flüssigkeiten und Gase. Kernaufgabe ist die Ermittlung des erforderlichen Durchflusskoeffizienten Kv aus Durchfluss, Druckgefälle und Stoffdaten des Mediums – die Grundlage, um aus Herstellerreihen ein Ventil mit passendem Kvs-Wert auszuwählen. Wer ein Regelventil auslegen bzw. den Kv-Wert berechnen will, muss dabei den tatsächlichen Strömungszustand treffen: Das Modul unterscheidet unterkritische und kritische Durchflussverhältnisse, laminare Strömung sowie flüssigen und gasförmigen Zulauf.
Bei Flüssigkeiten wird zusätzlich die Kavitations- und Flashinggefahr bewertet: Sinkt der statische Druck in der Vena contracta unter den Dampfdruck der Flüssigkeit, begrenzt der kritische Durchflussfaktor des Herstellers den erreichbaren Durchfluss – mehr Druckgefälle bringt dann keinen Mehrdurchfluss, sondern nur Lärm und Verschleiß. Bei Gasen begrenzt das kritische Druckverhältnis den Durchfluss. Auch Rohrreduzierungen unmittelbar vor und hinter der Armatur werden mit Korrekturfaktoren erfasst.
Kenngrößen der Ventile verschiedener Hersteller lassen sich über Dateien einbinden oder extern ansprechen, sodass Auslegung und Ventilauswahl in einem Arbeitsgang erfolgen. Die Systematik entspricht der etablierten Regelarmaturen-Auslegung nach der Durchflusskoeffizienten-Methode (IEC 60534-Familie).
So läuft die Berechnung ab
- Medium und Betriebsfälle definieren: Für Flüssigkeit oder Gas werden Durchfluss, Vor- und Nachdruck sowie Temperatur für die maßgebenden Betriebsfälle (minimaler, normaler, maximaler Durchfluss) erfasst. Bei Flüssigkeiten kommen Dichte, Viskosität und Dampfdruck hinzu, bei Gasen Dichte bzw. Molmasse, Kompressibilität und Isentropenexponent.
- Strömungszustand prüfen: Das Modul stellt fest, ob unterkritische oder kritische Durchflussverhältnisse vorliegen: Bei Flüssigkeiten wird das anliegende Druckgefälle mit dem kavitationsbegrenzten Druckgefälle aus kritischem Durchflussfaktor, kritischem Druck und Dampfdruck verglichen, bei Gasen das Druckverhältnis mit dem kritischen Wert. Bei zähen Medien oder kleinen Durchflüssen wird zusätzlich laminare Strömung mit Viskositätskorrektur erkannt.
- Kv-Wert berechnen: Mit der für den Zustand gültigen Beziehung wird der erforderliche Kv-Wert je Betriebsfall berechnet. Reduzierungen vor bzw. hinter der Armatur mindern die wirksame Durchflusskapazität und werden über Geometriekorrekturen berücksichtigt.
- Ventil auswählen: Aus eingebundenen Herstellerdaten wird ein Ventil gewählt, dessen Kvs-Wert über dem größten erforderlichen Kv liegt und dessen Stellverhältnis auch den kleinsten Betriebsfall noch im regelbaren Hubbereich abdeckt.
- Betriebsverhalten kontrollieren: Abschließend wird geprüft, dass alle Betriebsfälle in einem günstigen Öffnungsbereich der Kennlinie liegen und dass Kavitation, Flashing oder kritische Entspannung im Dauerbetrieb vermieden bzw. konstruktiv beherrscht werden (z. B. durch Mehrstufen-Garnituren).
Eingabegrößen
| Größe | Symbol | Einheit |
|---|---|---|
| Volumenstrom | V | m³/s |
| Dichte | ρ | kg/m³ |
| Druckdifferenz | ΔP | Pa |
| Kritischer Durchflussfaktor (lt. Hersteller) | Cf | - |
| Vordruck (abs.) | P1 | Pa |
| Kritischer Druck | Pc | Pa |
| Dampfdruck der Flüssigkeit | PS | Pa |
| Ventildurchmesser | DV | m |
| Rohrleitungsdurchmesser | di | m |
| Dynamische Viskosität | η | mPa·s |
| Norm-Volumenstrom | VN | Nm³/h |
| Normdichte des Gases bezogen auf die Normdichte von Luft | ρN/1.293 | - |
| Temperatur | ϑ | °C |
| Massenstrom | m | kg/s |
| Normdichte des Gases | ρN | kg/m³ |
| Reduzierung | Reduzierung | - |
| Medium | Gas | - |
| Strömung | Strömung | - |
| Nachdruck (abs.) | P2 | Pa |
Berechnungsergebnisse
| Größe | Symbol | Einheit |
|---|---|---|
| Durchflusskoeffizient | Cv | gpm |
| Kritische Druckdifferenz (volle Kavitation) | ΔPK | Pa |
| Durchflusskoeffizient | Kv | m³/s |
| Widerstandsbeiwert des Ventils | ζ | - |
| Durchflusskoeffizient (unterkrit. Durchfluss) | Strömung | gpm |
| Durchflusskoeffizient (kritischer Durchfluss) | Strömung | gpm |
| Durchmesser des Ventilaustritts, der Schallgeschwindigkeit ergeben würde | Dv,a | m |
Gelöstes Beispiel
Für eine Kühlwasserleitung ist der erforderliche Kv-Wert eines Regelventils zu bestimmen und ein Kvs-Wert vorzuschlagen. Kavitation ist bei dem geringen Druckgefälle und niedriger Wassertemperatur nicht zu erwarten (Dampfdruck ≈ 0,023 bar bei 20 °C).
Gegebene Werte
| Durchfluss Q (Maximalfall) | 25 m³/h |
| Medium | Wasser, 20 °C, ρ = 998 kg/m³ |
| Druckgefälle über das Ventil Δp | 1,6 bar |
Lösungsweg
Erforderlicher Kv-Wert (Flüssigkeit, unterkritisch, turbulent)
Kv = Q · √( (ρ/ρ0) / Δp ) mit ρ0 = 1 000 kg/m³, Δp in bar
Kv = 25 m³/h · √( 0,998 / 1,6 ) = 25 · 0,7898 ≈ 19,7 m³/h
Kvs-Wert wählen
Mit einem Auslegungszuschlag von rund 30 % auf den Maximalfall ergibt sich ein Bedarf von etwa 25,7 m³/h. Aus der Herstellerreihe wird die nächstliegende Stufe gewählt, z. B. Kvs = 25 (Ventil dann im Maximalfall zu ca. 79 % der Kapazität ausgenutzt) oder konservativ die nächstgrößere Stufe.
Zu prüfen bleibt, dass auch der kleinste Betriebsfall noch im regelbaren Hubbereich der Kennlinie liegt.
Ergebnis
| Erforderlicher Kv-Wert | ≈ 19,7 m³/h |
| Vorgeschlagener Kvs-Wert | 25 (Herstellerreihe, ggf. nächstgrößere Stufe) |
Alle Werte sind beispielhaft. Maßgeblich sind das jeweils gültige Regelwerk und die projektspezifischen Randbedingungen.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Kv, Kvs und Cv?
Der Kv-Wert ist der Durchfluss in m³/h Wasser bei 1 bar Druckverlust über die Armatur im betrachteten Hub; der Kvs-Wert ist der Kv-Wert bei Nennhub (voll geöffnet) und damit die Katalog-Kenngröße des Ventils. Cv ist das angelsächsische Pendant in US-gal/min bei 1 psi; es gilt Cv ≈ 1,17 · Kv. Ausgelegt wird so, dass der größte erforderliche Kv deutlich unter dem Kvs liegt – üblich sind etwa 70–80 % Öffnung im Maximalfall.
Wann begrenzt Kavitation den Durchfluss einer Flüssigkeitsarmatur?
Im engsten Querschnitt (Vena contracta) sinkt der statische Druck deutlich unter den Nachdruck. Unterschreitet er den Dampfdruck der Flüssigkeit, bilden sich Dampfblasen, die beim Druckrückgewinn implodieren – Kavitation. Ab einem bestimmten Druckgefälle, das der Hersteller über den kritischen Durchflussfaktor (FL bzw. Cf) angibt, steigt der Durchfluss trotz größerem Druckgefälle nicht mehr (choked flow). Bleibt der Nachdruck unter dem Dampfdruck, verdampft das Medium dauerhaft (Flashing) – dann helfen nur erosionsfeste Garnituren.
Warum ist eine überdimensionierte Regelarmatur ein Problem?
Ein zu großes Ventil arbeitet im unteren Hubbereich, wo die Kennlinie steil und die relative Stellgenauigkeit schlecht ist: Kleine Hubänderungen bewirken große Durchflussänderungen, der Regelkreis neigt zum Schwingen, und Sitz und Kegel verschleißen durch Drosselung nahe der Schließstellung. Deshalb wird der Kv-Bedarf für alle Betriebsfälle berechnet und das Stellverhältnis Kvs/Kv,min mit der Herstellerangabe verglichen.
Wie wirken Reduzierstücke direkt vor und hinter dem Ventil?
Wird eine Armatur kleinerer Nennweite in eine größere Rohrleitung eingebaut, erzeugen die Übergangsstücke zusätzliche Druckverluste und verändern das Druckrückgewinnverhalten. Die wirksame Durchflusskapazität der Kombination ist kleiner als der Katalog-Kvs des Ventils; die Berechnung erfasst das über einen Rohrgeometriefaktor. Wird dieser Effekt ignoriert, ist die Armatur im Feld zu klein.