Stoffwerte von Natronlauge berechnen – Modul NAOH

Das Modul NaOH liefert die Stoffwerte wässriger Natriumhydroxid-Lösungen (Natronlauge) als Funktion von Temperatur und Konzentration.

Modul NAOHRegelwerk ModulspezifischLesedauer 4 minDE / EN

Aufgabenstellung und Berechnungsziel

Das Modul NaOH liefert die Stoffwerte wässriger Natriumhydroxid-Lösungen (Natronlauge) als Funktion von Temperatur und Konzentration. Der Gültigkeitsbereich umfasst 20 °C bis 100 °C und 0 bis 50 Massen-% NaOH – damit ist der Bereich abgedeckt, in dem Natronlauge in der Chemie-, Zellstoff-, Lebensmittel- und Wasseraufbereitungsindustrie üblicherweise gehandhabt, gelagert und aufkonzentriert wird.

Berechnet werden Dichte, Sättigungsdruck, spezifische Wärmekapazität, Wärmeleitfähigkeit, dynamische und kinematische Viskosität sowie die abgeleiteten Größen Prandtl-Zahl, thermischer Ausdehnungskoeffizient und Temperaturleitfähigkeit. Wer die Dichte von Natronlauge berechnen, die Viskosität einer 50-%-Lauge für die Pumpenauslegung bestimmen oder den Wärmeübergang in einem Laugenkühler auslegen will, findet hier alle benötigten Eingangsgrößen konsistent aus einem Datensatz.

Die starke Konzentrationsabhängigkeit ist dabei entscheidend: Konzentrierte Natronlauge ist erheblich dichter und zäher als Wasser, ihr Dampfdruck ist deutlich abgesenkt (Siedepunkterhöhung) und die Wärmekapazität reduziert. Rechnungen mit Wasser-Stoffwerten führen bei Lauge deshalb zu groben Fehlern in Druckverlust, Wärmeübergang und Verdampferauslegung.

So läuft die Berechnung ab

  1. Zustand festlegen: Eingegeben werden Temperatur (20 °C bis 100 °C) und NaOH-Konzentration (0 bis 50 Ma-%). Das Modul prüft, ob der Zustand im Gültigkeitsbereich der hinterlegten Korrelationen liegt.
  2. Basisstoffwerte auswerten: Aus den Korrelationen werden Dichte, spezifische Wärmekapazität, Wärmeleitfähigkeit und dynamische Viskosität der Lösung als Funktion beider Zustandsgrößen berechnet; zusätzlich wird der Sättigungsdruck der Lösung bestimmt, der gegenüber reinem Wasser konzentrationsabhängig abgesenkt ist.
  3. Abgeleitete Größen bilden: Aus den Basiswerten folgen kinematische Viskosität (η/ρ), Prandtl-Zahl (η·cp/λ), Temperaturleitfähigkeit (λ/(ρ·cp)) und der thermische Ausdehnungskoeffizient aus der Temperaturabhängigkeit der Dichte.
  4. Werte in die Prozessrechnung übernehmen: Die Stoffwerte gehen in nachgelagerte Auslegungen ein: Reynolds-Zahl und Druckverlust von Rohrleitungen und Pumpen, Nusselt-Korrelationen für Wärmeübertrager sowie Siede- und Verdampfungsrechnungen über den Sättigungsdruck.
Eingabegrößen24 / 26 Größen
GrößeSymbolEinheit
Temperaturϑ1 ϑ2°C
Temperaturϑ1 ϑ2°C
Konzentrationc1 c2Ma-%
Konzentrationc1 c2Ma-%
Konzentration 1(20 °C) c1 c2g/l
Konzentration 2(20 °C) c1 c2g/l
Konzentration 1c1 c2mol/l
Konzentration 2c1 c2mol/l
Dichteρ1 ρ2kg/m³
Dichteρ1 ρ2kg/m³
Spezifische Wärmekapazitätcp1 cp2J/(kg·K)
Spezifische Wärmekapazitätcp1 cp2J/(kg·K)
Dynamische Viskositätη1 η2mPa·s
Dynamische Viskositätη1 η2mPa·s
SättigungsdruckpS,1 pS,2Pa
SättigungsdruckpS,1 pS,2Pa
Wärmeleitfähigkeitλ1 λ2W/(m·K)
Wärmeleitfähigkeitλ1 λ2W/(m·K)
Kinematische Viskositätν1 ν2m²/s
Kinematische Viskositätν1 ν2m²/s
Prandtl-ZahlPr1 Pr2-
Prandtl-ZahlPr1 Pr2-
Therm. Ausdehnungskoeffizientβ1 β21/K
Therm. Ausdehnungskoeffizientβ1 β21/K

Häufige Fragen

Warum ist der Sättigungsdruck der Lauge niedriger als der von reinem Wasser?

Gelöstes NaOH senkt die Wasseraktivität der Lösung; der Dampfdruck sinkt mit steigender Konzentration deutlich unter den Reinwasserwert. Praktisch bedeutet das eine Siedepunkterhöhung: Eine 50-%-Lauge siedet bei Atmosphärendruck erst weit oberhalb von 100 °C. Für Verdampfer heißt das, dass die nutzbare Temperaturdifferenz um die Siedepunkterhöhung schrumpft.

Wie stark ändert sich die Viskosität mit der Konzentration?

Sehr stark und nichtlinear: Während verdünnte Lauge nahezu wasserähnlich fließt, ist konzentrierte Natronlauge bei Raumtemperatur um ein Vielfaches zäher als Wasser. Da die Viskosität zugleich stark mit der Temperatur fällt, müssen Pumpen- und Wärmeübergangs-Rechnungen zwingend mit den Stoffwerten bei tatsächlicher Betriebstemperatur und -konzentration geführt werden.

Was ist außerhalb des Gültigkeitsbereichs zu beachten?

Unterhalb von 20 °C nähert man sich bei hohen Konzentrationen der Kristallisationsgrenze: Konzentrierte Natronlauge kann bereits bei Temperaturen deutlich über 0 °C auskristallisieren und Leitungen zusetzen – Lagertanks und Leitungen für 50-%-Lauge werden deshalb beheizt. Oberhalb von 100 °C und über 50 Ma-% sind die Korrelationen des Moduls nicht validiert; hier sind gesonderte Daten erforderlich.

Auf welche Konzentrationsangabe beziehen sich die Stoffwerte?

Auf den Massenanteil NaOH in der Lösung (Ma-%). Verwechslungen mit Molarität (mol/l) oder Massenkonzentration (g/l) sind eine typische Fehlerquelle, da bei Lauge wegen der hohen Dichte große Unterschiede entstehen: Eine 50-Ma-%-Lauge enthält rund 763 g NaOH pro Liter Lösung.

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