10 Böden und Kugelschalen berechnen – Modul WA10

Das Modul WA10 behandelt Abschnitt 10 der DIN EN 12952-3 und damit die Konstruktion und Bemessung von Kugelschalen und gewölbten Böden für Wasserrohrkessel und deren Anbauteile.

Modul WA10Regelwerk DIN EN 12952-3Lesedauer 6 minDE / EN

Aufgabenstellung und Berechnungsziel

Das Modul WA10 behandelt Abschnitt 10 der DIN EN 12952-3 und damit die Konstruktion und Bemessung von Kugelschalen und gewölbten Böden für Wasserrohrkessel und deren Anbauteile. Erfasst werden Klöpperböden, Korbbogenböden und elliptische Böden — auch mit Ausschnitten für Mannlöcher, Stutzen oder Besichtigungsöffnungen. Äußere Kräfte und Momente (z. B. aus angeschlossenen Rohrleitungen) sind nicht Gegenstand des Abschnitts und müssen bei Bedarf gesondert berücksichtigt werden.

Gebraucht wird die Berechnung überall dort, wo Kesseltrommeln, Sammler oder Abscheider von Wasserrohrkesseln mit gewölbten Böden verschlossen werden: Wer einen Kesselboden nach EN 12952-3 berechnen muss, ermittelt aus Berechnungsdruck, Berechnungstemperatur, Werkstoffkennwert und Bodengeometrie die erforderliche Wanddicke und weist die Schwächung durch Ausschnitte nach. Die EN 12952-3 ist als harmonisierte Norm der maßgebende Auslegungsstandard für Wasserrohrkessel im Geltungsbereich der Druckgeräterichtlinie und hat in diesem Bereich die TRD-Regelwerke abgelöst.

Charakteristisch für die Kesselbaunorm sind die gegenüber dem Behälterbau abweichenden Sicherheitsbeiwerte, die Zeitstandfestigkeit als Auslegungskriterium bei hohen Temperaturen und die Formbeiwerte für Boden und Ausschnitt.

Regelwerk und Berechnungsbasis: DIN EN 12952-3: 2023-01

So läuft die Berechnung ab

  1. Bodenform und Geometrie festlegen: Gewählt werden Bodentyp (Kugelschale, Klöpper-, Korbbogen- oder elliptischer Boden), Außendurchmesser, Kalotten- und Krempenradius sowie Lage und Durchmesser vorhandener Ausschnitte. Die Geometriegrenzen des Abschnitts 10 (Radienverhältnisse, Bordhöhe) sind einzuhalten.
  2. Berechnungskennwerte bestimmen: Aus Berechnungsdruck und Berechnungstemperatur wird der Festigkeitskennwert des Werkstoffs bestimmt — bei hohen Temperaturen die Zeitstandfestigkeit für die geplante Betriebsdauer — und mit dem Sicherheitsbeiwert der Norm die zulässige Spannung gebildet.
  3. Erforderliche Wanddicke des ungeschwächten Bodens: Über die Formeln des Abschnitts 10 mit dem geometrieabhängigen Formbeiwert wird die erforderliche Wanddicke der Kalotte und der Krempe berechnet; maßgebend ist der größere Wert. Bei Außendruck (z. B. Vakuumfall) kommt der Stabilitätsnachweis gegen Einbeulen hinzu.
  4. Ausschnittsnachweis führen: Für Mannloch- und Stutzenausschnitte wird die Schwächung über den Ausschnittsbeiwert erfasst; die Verstärkung erfolgt über erhöhte Bodenwanddicke oder mittragende Stutzenwanddicke. Ausschnitte in der Krempe sind nur eingeschränkt zulässig.
  5. Zuschläge und ausgeführte Wanddicke festlegen: Wanddickenunterschreitung des Halbzeugs, Abnutzungs- bzw. Korrosionszuschlag und fertigungsbedingte Ausdünnung beim Bördeln werden addiert; die gewählte Nennwanddicke muss die Summe für alle Lastfälle abdecken.
Eingabegrößen24 / 209 Größen
GrößeSymbolEinheit
TemperaturT°C
BerechnungsdruckpcMPa(p)
Verhältnis Durchmesser der abgesetzten Bohrung zu innerer Radius Boden d2/risd2/ris-
Verschwächungsbeiwert Boden bezogen auf Abzweig einsv1-
Verschwächungsbeiwert Boden bezogen auf Abzweig zweiv2-
Vorhandene mittlere Spannung Boden bezogen auf Abzweig einsfa1N/mm²
Vorhandene mittlere Spannung Boden bezogen auf Abzweig zweifa2N/mm²
Wirksame Länge des Abzweigs zwei lrb2lrbmm
Vorhandene Wanddicke des Abzweiges zwei ohne Zuschläge erb2erbmm
Innerer Durchmesser des Abzweiges zwei ohne Zuschläge dib2dibmm
Äußerer Durchmesser des Abzweiges zwei ohne Zuschläge dob2dobmm
Bestellte Wanddicke Abzweig zwei eb2ebmm
_Prüfe: Winkel zwischen zwei benachbarten AbzweigenAbzweigen
Winkel zwischen zwei benachbarten AbzweigenΦb°
Bogenmass von Φbrad(Φb)-
Werkstoff Abzweig zweizwei
Zuschlag zur Berücksichtigung der Wanddickenunterschreitung Abzweig zwei c1, b2c1, bmm
Korrosions- und Abnutzungszuschlag Abzweig zwei c2, b2c2, bmm
Zulässige Spannung Abzweig zwei fb2fbN/mm²
Festigkeitskennwert Abzweig zwei kb2kbN/mm²
Sicherheitsbeiwert Abzweig zwei sb2sb-
Vergleichsspannung in der KrempefkN/mm²
Abzweige Y-förmigY-förmig
Prüfe: Spannung in der KrempeKrempe

Berechnungsoptionen

Abzweige Y-förmig

Nein · Ja

Ausschnitte im Boden

ohne Abzweig · Einzelabzweig · benachbarte Abzweige

Art des Bodens

Klöpperboden · Korbbogenboden · Elliptischer Boden · Halbkugelboden

Wanddickenübergang gemäß Abbildung

Ausführung a · Ausführung b

Berechnung nach Abschnitt

10.2 Kugelschalen und gewölbte Böden · 10.3 Unverankerte ebene Böden · 10.4 Ebene unverankerte Verschlüsse

Ausführung des ersten Ausschnitts nach Bild 10.2-6

1 · 2 · 3 · 4 · 5 · 6 · 7

Ausführung des zweiten Ausschnitts nach Bild 10.2-6

1 · 2 · 3 · 4 · 5 · 6 · 7

Ausführung des ebenen Bodens nach Bild 10.3-1

1 · 2 · 3 · 4 · 5 · 6 · 7

Häufige Fragen

Worin unterscheidet sich die Bodenberechnung nach EN 12952-3 von der nach EN 13445-3?

Beide Normen behandeln gewölbte Böden, aber die EN 12952-3 ist auf Wasserrohrkessel zugeschnitten: Sie arbeitet mit eigenen Sicherheitsbeiwerten, stellt die Zeitstandfestigkeit für die Auslegung im Kriechbereich in den Vordergrund und regelt die kesselspezifischen Ausschnitte (Mannlöcher, Rohrnippel). Für unbefeuerte Druckbehälter ist EN 13445-3 anzuwenden; die Wanddicken beider Normen können sich bei gleicher Geometrie spürbar unterscheiden.

Warum ist die Krempe oft die maßgebende Stelle des Bodens?

In der Krempe überlagern sich Meridian-Membrankraft und Biegung aus der Krümmungsänderung zwischen Kalotte und Bord; zusätzlich wird das Blech beim Bördeln gerade dort ausgedünnt. Deshalb liefert der Krempennachweis bei Klöpperböden mit ihrem kleinen Krempenradius häufig die größere erforderliche Wanddicke, und Ausschnitte im Krempenbereich sind besonders kritisch.

Wann muss ich mit der Zeitstandfestigkeit statt der Warmstreckgrenze rechnen?

Sobald die Berechnungstemperatur im Kriechbereich des Werkstoffs liegt (bei ferritischen Kesselbaustählen grob oberhalb von etwa 400–500 °C), wird die auf die geplante Lebensdauer bezogene Zeitstandfestigkeit maßgebend. Die EN 12952-3 verlangt dann den Vergleich beider Kriterien; das kleinere Ergebnis der zulässigen Spannung bestimmt die Wanddicke. Für lange Betriebszeiten kann zusätzlich eine Erschöpfungsüberwachung nach EN 12952-4 sinnvoll sein.

Deckt das Modul auch Kräfte und Momente aus angeschlossenen Rohrleitungen ab?

Nein. Abschnitt 10 der EN 12952-3 bemisst die Böden ausdrücklich nur für Innen- bzw. Außendruck. Äußere Lasten aus Rohrleitungen, Stutzenlasten oder Auflagerkräfte sind zusätzlich zu untersuchen, etwa über lokale Lastnachweise oder eine FE-Analyse.

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