8 Ausschnitte und Abzweige in zylindrischen Mänteln -- DIN EN 12953-3: 2016 berechnen – Modul KAP8

Das Modul KAP8 berechnet Ausschnitte und Abzweige in zylindrischen Mänteln nach Kapitel 8 der DIN EN 12953-3:2016, der Berechnungsnorm für die drucktragenden Teile von Großwasserraumkesseln.

Modul KAP8Regelwerk ModulspezifischLesedauer 5 minDE / EN

Aufgabenstellung und Berechnungsziel

Das Modul KAP8 berechnet Ausschnitte und Abzweige in zylindrischen Mänteln nach Kapitel 8 der DIN EN 12953-3:2016, der Berechnungsnorm für die drucktragenden Teile von Großwasserraumkesseln. Jeder Stutzen, jedes Mannloch und jede sonstige Öffnung unterbricht den tragenden Querschnitt des innendruckbelasteten Kesselmantels; die dadurch fehlende Tragfähigkeit muss durch mitwirkende Wandbereiche, verstärkte Stutzen oder Verstärkungsscheiben ausgeglichen werden.

Der Nachweis erfolgt nach dem in den europäischen Kesselnormen üblichen Druckflächenverfahren: Der vom Druck belasteten Fläche wird die spannungstragende Querschnittsfläche von Mantel, Stutzen und Verstärkung gegenübergestellt, jeweils begrenzt auf die mittragenden Längen beiderseits des Ausschnitts. So lässt sich ein Stutzen im Kesselmantel berechnen, ob er unverstärkt zulässig ist oder wie viel Verstärkungsquerschnitt fehlt.

Gebraucht wird das Modul bei jeder Neuauslegung und bei Änderungen an Bestandskesseln, etwa wenn ein zusätzlicher Abzweig in einen vorhandenen Mantel geschnitten werden soll: Es liefert den vollständigen Ausschnittsnachweis nach DIN EN 12953-3 einschließlich der Prüfung benachbarter Öffnungen auf gegenseitige Beeinflussung.

So läuft die Berechnung ab

  1. Manteldaten erfassen: Zunächst werden Durchmesser und ausgeführte Wanddicke des zylindrischen Mantels sowie Berechnungsdruck und Berechnungstemperatur eingegeben. Aus dem Mantelwerkstoff folgt die zulässige Berechnungsspannung; die über die erforderliche Grundwanddicke hinausgehende Wanddicke steht als Verstärkung zur Verfügung.
  2. Ausschnitt und Abzweig definieren: Der Ausschnitt wird nach Durchmesser, Lage und Ausführung beschrieben: unverstärkte Öffnung, durchgesteckter oder aufgesetzter Stutzen mit Wanddicke und überstehenden Längen oder eine Verstärkungsscheibe mit Breite und Dicke. Bei abweichenden Werkstoffen von Stutzen und Scheibe wird deren geringere zulässige Spannung berücksichtigt.
  3. Mittragende Längen bestimmen: Die Norm begrenzt die Bereiche von Mantel und Stutzen, die zur Kompensation des Ausschnitts herangezogen werden dürfen, über mittragende Längen, die aus Durchmesser und Wanddicke folgen. Nur der Werkstoff innerhalb dieser Grenzen zählt als tragender Querschnitt.
  4. Druckflächenvergleich auswerten: Der Nachweis vergleicht die vom Druck belastete Fläche mit den spannungstragenden Querschnittsflächen von Mantel, Stutzen und Verstärkung. Ist die Bedingung nicht erfüllt, wird der fehlende Verstärkungsquerschnitt ausgewiesen und die Ausführung angepasst, etwa durch dickeren Stutzen oder eine Verstärkungsscheibe.
  5. Nachbarausschnitte und Grenzen prüfen: Liegen mehrere Öffnungen nahe beieinander, wird geprüft, ob sich ihre Störbereiche überlappen; dann ist der Steg zwischen den Ausschnitten gesondert nachzuweisen. Abschließend werden die geometrischen Anwendungsgrenzen des Kapitels kontrolliert, etwa zulässige Durchmesserverhältnisse von Abzweig zu Mantel.
Eingabegrößen24 / 175 Größen
GrößeSymbolEinheit
Load CaseCase
Subjected to heat transfertransfer
Gas entery temperaturetG
Nominal shell thicknessemm
Heating byby
Calculation pressurepcMPa(p)
Saturation temperaturets°C
Additional temperaturetz°C
Calculation temperaturetc°C
Type of ReinforcementReinforcement
Number of NozzleNozzle
Branch inclinationinclination
Branch inclinationinclination
Cut methodmethod
With additional ReinforcementReinforcement
Reinforcement for nozzlenozzle
Methods of ReinforcementReinforcement
Type of Nozzle 11
Full weldedwelded
Type of Nozzle 22
Full weldedwelded
ShellShell
Material StrengthKsN/mm²
Material strength shellRp0.2N/mm²

Berechnungsoptionen

Load Case

operation · test

Subjected to heat transfer

Yes · NO

Gas entery temperature

≤ 400 · 400-800 · > 800

Heating by

radiation · convection

Type of Reinforcement

Block Flange · Nozzle

Number of Nozzle

one · two

Branch inclination

radial · non radial · oblique

Branch inclination

radial · non radial

Häufige Fragen

Wann ist ein Ausschnitt im Kesselmantel ohne Verstärkung zulässig?

Wenn die vorhandene Mantelwanddicke deutlich über der rechnerisch erforderlichen liegt, kann der Wanddickenüberschuss innerhalb der mittragenden Länge kleine Öffnungen allein kompensieren. Ob das reicht, zeigt der Druckflächenvergleich; feste Grenzdurchmesser ohne Nachweis gibt es nur für sehr kleine Öffnungen. Je größer der Ausschnitt und je knapper die Mantelauslegung, desto eher ist ein verstärkter Stutzen oder eine Scheibe nötig.

Was ist der Unterschied zwischen Verstärkung durch Stutzen und durch Verstärkungsscheibe?

Ein dickwandiger, eingeschweißter Stutzen wirkt mit seinem Querschnitt innerhalb der mittragenden Länge direkt an der Störstelle und ist thermisch robust. Eine aufgeschweißte Scheibe verstärkt nur die Mantelaußenseite; sie ist fertigungstechnisch einfach, aber bei schroffen Temperaturwechseln und bei Spaltkorrosion ungünstiger. Die Norm begrenzt zudem die anrechenbare Breite und Dicke der Scheibe.

Wie werden zwei nahe beieinanderliegende Stutzen behandelt?

Unterschreitet der Abstand zweier Öffnungen die Summe ihrer Störbereiche, dürfen sie nicht mehr als Einzelausschnitte gerechnet werden. Dann ist der Steg zwischen den Ausschnitten maßgebend: Für ihn wird ein gemeinsamer Druckflächenvergleich in der ungünstigsten Schnittrichtung geführt, wobei die Orientierung des Stegs zur Mantelachse eingeht, weil die Umfangsspannung doppelt so groß ist wie die Längsspannung.

Gilt Kapitel 8 auch für Öffnungen in Böden?

Nein. Kapitel 8 der DIN EN 12953-3 behandelt Ausschnitte und Abzweige im zylindrischen Mantel. Öffnungen in gewölbten Böden werden nach den Bodenregeln, Einzelausschnitte in ebenen Kesselböden nach Kapitel 11 der Norm nachgewiesen.

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