Allgemeine Schnittstelle Comsol LV berechnen – Modul FELV

Das Modul FELV ist die allgemeine Schnittstelle zwischen der LV-Berechnungsumgebung und dem FEM-System COMSOL Multiphysics.

Modul FELVRegelwerk ModulspezifischLesedauer 6 minDE / EN

Aufgabenstellung und Berechnungsziel

Das Modul FELV ist die allgemeine Schnittstelle zwischen der LV-Berechnungsumgebung und dem FEM-System COMSOL Multiphysics. Es überträgt die in den analytischen Modulen erfasste Geometrie eines Druckbehälters – Mantel, gewölbte oder ebene Böden, Stutzen, Pratzen und weitere Tragelemente – automatisiert in ein parametrisches Finite-Elemente-Modell, das anschließend in COMSOL vernetzt und berechnet wird.

In der Praxis braucht man diesen Weg immer dann, wenn die regelbasierte Auslegung nach AD 2000 oder EN 13445 an ihre Grenzen stößt: bei nicht katalogisierten Geometrien, eng benachbarten Ausschnitten, örtlichen Lasteinleitungen über Pratzen oder wenn eine Spannungsbewertung nach dem Konzept „Design by Analysis“ erforderlich ist. Statt das FE-Modell von Hand aufzubauen, wählt der Anwender Berechnungsmodell, Bodentyp, Stutzenkonfiguration und Elementgröße direkt in der gewohnten Eingabemaske.

Damit lässt sich eine Finite-Elemente-Berechnung für Druckbehälter durchführen, ohne die Berechnungsumgebung zu verlassen; Isolierung, Anzahl der Schraubenlöcher und Ausführung der Pratzen werden als Modellparameter berücksichtigt.

So läuft die Berechnung ab

  1. Berechnungsmodell wählen: Über die Auswahl des Berechnungsmodells wird festgelegt, welche Baugruppe untersucht werden soll – etwa Behälter mit Böden, ebener Boden mit Stutzen oder eine Pratzenanbindung. Die Auswahl steuert, welche Geometrieparameter anschließend abgefragt werden.
  2. Geometrie parametrieren: Bodentyp (oben und unten getrennt wählbar), Typ des ebenen Bodens, Nenngröße, Pratzenausführung sowie die Option „Stutzen vorhanden“ definieren die Modellgeometrie. Zusatzoptionen wie „mit/ohne Isolierung“ und die Anzahl der Schraubenlöcher vervollständigen das Modell.
  3. Vernetzung festlegen: Mit der Elementgröße wird die Netzfeinheit vorgegeben. Eine feinere Vernetzung erhöht die Genauigkeit an Störstellen (Ausschnittsränder, Übergänge Boden/Mantel), verlängert aber die Rechenzeit.
  4. Übergabe an COMSOL: FELV erzeugt aus den Parametern das FE-Modell und übergibt es an COMSOL Multiphysics. Dort werden Randbedingungen und Lasten aufgebracht und das Gleichungssystem gelöst.
  5. Ergebnisrückgabe und Bewertung: Die berechneten Spannungen werden an die LV-Umgebung zurückgegeben und können dort nach den einschlägigen Bewertungskonzepten (z. B. Spannungskategorisierung nach ASME VIII-2 bzw. EN 13445-3 Anhang C) beurteilt werden.
Eingabegrößen24 / 235 Größen
GrößeSymbolEinheit
Auswahl BerechnungsmodellBerechnungsmodell
AußendurchmesserDamm
Länge ZylinderschaleLmm
Berechnungswanddickeemm
Außendurchmesser Stutzendamm
Länge einzel Stutzenlmm
Berechnungswanddickeemm
Schweißnahtdickeamm
Radialer Versatzarmm
Axialer Versatzbmm
Neigung einzel Stutzenθ°
Drehung Stutzen zur Achse Bodenϕ°
Durchmesser Verstärkungdamm
Berechnungsdicke Verstärkungemm
ElementgrößeElmm
Elastizitätsmodul bei 20°CE20N/mm²
Elastizitätsmodul bei 20°CE20N/mm²
BerechnungstemperaturT°C
BerechnungsdruckpMPa(p)
Kraft in X-Richtung FxFxN
Kraft in Y-Richtung FyFyN
Kraft in Z-Richtung FzFzN
Moment um X-Achse MxMxN·m
Moment um Y-Achse MyMyN·m
Berechnungsergebnisse24 / 148 Größen
GrößeSymbolEinheit
Zulässige SpannungfN/mm²
Zulässige SpannungfN/mm²
Zulässige SpannungfN/mm²
Zulässige SpannungfN/mm²
Zulässige SpannungfN/mm²
Zulässige SpannungfN/mm²
_1,5 * Zulässige Spannung der Schale fSchale loklokN/mm²
_1,5 * Zulässige Spannung des Stutzens fStut loklokN/mm²
_1,5 * Zulässige Spannung der Verstärkung fVerst loklokN/mm²
_1,5 * Zulässige Spannung des Behälters fBeh loklokN/mm²
_1,5 * Zulässige Spannung des Standfußes fFu\u00df loklokN/mm²
_1,5 * Zulässige Spannung der Fussplatte fF.P. loklokN/mm²
Zulässige SpannungfN/mm²
_1,5 * Zulässige Spannung der Sattel fSattel loklokN/mm²
Zulässige SpannungfN/mm²
_1,5 * Zulässige Spannung PratzePratzeN/mm²
_3 * Zulässige Spannung der Grundkörper fSchale SekSekN/mm²
_3 * Zulässige Spannung des Stutzens fStut SekSekN/mm²
_3 * Zulässige Spannung der Verstärkung fVerst SekSekN/mm²
_Membranspannung PratzePmN/mm²
_Biegespannung PratzePbN/mm²
_Membran- + Biegespannung PratzePm+PbN/mm²
_Auslastung Membranspannung PratzePratze%
_Auslastung Biegespannung PratzePratze%

Berechnungsoptionen

Auswahl Berechnungsmodell

Gewölbter Boden mit Stutzen · Zylinder mit Stutzen · Ebener Boden mit Stutzen · Behälter auf Standfüßen · Behälter auf Sätteln · Verstärkter Rechteckbehälter · Boden mit Mannloch · Behälter auf Pratzen

Auswahl Verstärkung

Keine Verstärkung · Mit Verstärkung

Auswahl Bodentyp

Klöpperboden · Korbbogenboden · Halbkugelboden

Auswahl Typ ebener Boden

Verschraubter Ebener Boden · Ebener Boden ohne Randmoment

Profil Standfuß

Rundes Fußprofil · Quadratisches Fußprofil

Ausführung Verstärkung ab Krempenbereich

Ab Krempe verrundete Verstärkung · Ab Krempe rechteckige Verstärkung

Typ Fußplatte

Runde Fußplatte · Quadratische Fußplatte

Ausführung

Eingesteckter Stutzen · Durchgesteckter Stutzen · Aufgesetzter Stutzen

Häufige Fragen

Wann ist eine FEM-Berechnung statt der Formelauslegung nach AD 2000 oder EN 13445 erforderlich?

Die Formelwerke decken katalogisierte Standardgeometrien mit definierten Gültigkeitsgrenzen ab. Sobald diese Grenzen verletzt werden – etwa bei sehr großen Ausschnitten, eng benachbarten Stutzen, unsymmetrischen Lasteinleitungen über Pratzen oder ungewöhnlichen Bodenformen – verlangt das Regelwerk selbst den Nachweis über eine Analyse, typischerweise „Design by Analysis“ nach EN 13445-3 Anhang B/C oder ASME VIII Division 2 Part 5.

Muss der Anwender COMSOL bedienen können?

Nein. FELV baut das Modell aus den Maskeneingaben parametrisch auf, startet die Berechnung und liest die Ergebnisse zurück. COMSOL arbeitet dabei als Rechenkern im Hintergrund; eine COMSOL-Lizenz bzw. ein entsprechender Berechnungsdienst muss allerdings verfügbar sein.

Welchen Einfluss hat die gewählte Elementgröße auf das Ergebnis?

Die Elementgröße bestimmt, wie gut Spannungsgradienten an Kerben und Störstellen aufgelöst werden. Zu grobe Netze unterschätzen örtliche Spannungsspitzen, zu feine Netze liefern an scharfen Kerben theoretisch unbegrenzt wachsende Spitzenwerte, die nur über Linearisierung (Membran-/Biegespannung) sinnvoll bewertet werden können. Eine Netzstudie mit mindestens zwei Verfeinerungsstufen ist gute Praxis.

Werden die FEM-Ergebnisse automatisch zulässigkeitsbewertet?

Die Rohergebnisse der FEM sind Spannungsfelder, keine Zulässigkeitsaussagen. Die Bewertung erfolgt über die Spannungskategorisierung (primäre Membran-, Biege- und Sekundärspannungen) mit den zulässigen Vergleichswerten des gewählten Regelwerks. Der Anwender bleibt für die Plausibilitätsprüfung von Randbedingungen und Lastannahmen verantwortlich.

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