Aufhängeösen berechnen – Modul LUG

Beim Transport und bei der Montage von Druckbehältern werden erhebliche Lasten über Aufhängeösen (Hebeösen) direkt in den Behältermantel eingeleitet.

Modul LUGRegelwerk DIN EN 13445-3/16.7Lesedauer 6 minDE / EN

Aufgabenstellung und Berechnungsziel

Beim Transport und bei der Montage von Druckbehältern werden erhebliche Lasten über Aufhängeösen (Hebeösen) direkt in den Behältermantel eingeleitet. Dieses Modul berechnet Hebeösen an Druckbehältern nach DIN EN 13445-3, Abschnitt 16.7 – in longitudinaler Anordnung oder in Umfangsrichtung, jeweils mit oder ohne Verstärkungsblech. Der Festigkeitsnachweis für die Lasche selbst und für die Schweißnaht erfolgt ergänzend nach dem Richtlinienkatalog Festigkeit (RKF), Blatt BR A 62.

Der kritische Punkt ist selten die Öse: Maßgebend sind meist die lokalen Membran- und Biegespannungen, die die exzentrisch angreifende Hebelast in der dünnwandigen Behälterschale erzeugt. Die Norm begrenzt diese örtlichen Beanspruchungen in Abhängigkeit von Schalengeometrie, Lastrichtung und Anordnung der Öse; ein Verstärkungsblech vergrößert die Lasteinleitungsfläche und senkt die Schalenbeanspruchung.

Gebraucht wird der Nachweis bei jeder Behälterkonstruktion, die werksmontiert gehoben, gedreht oder aufgerichtet wird – vom Kleinapparat bis zur Kolonne. Wer Hebeösen nach EN 13445 berechnen will, weist mit diesem Modul Schale, Verstärkungsblech, Lasche und Schweißnaht in einem Durchgang nach.

Regelwerk und Berechnungsbasis: DIN EN 13445-3/16.7: 2018-12

So läuft die Berechnung ab

  1. Bauform und Anordnung wählen: Festgelegt werden die Ausrichtung der Öse (längs zur Behälterachse oder in Umfangsrichtung), die Laschengeometrie und ob ein Verstärkungsblech vorgesehen ist. Für das Verstärkungsblech werden Breite, Länge, Dicke und Werkstoff erfasst.
  2. Lasten aus dem Hebevorgang bestimmen: Angesetzt wird die auf die Öse entfallende Hebelast einschließlich Lastrichtung (Seilwinkel) und dynamischer Erhöhung beim Anheben. Bei mehrsträngigem Anschlagen ist die ungünstigste Lastverteilung auf die einzelnen Ösen zu berücksichtigen; die Nachweise werden für die Kennwerte und Sicherheiten von Prüf- und Betriebszustand getrennt geführt.
  3. Lokale Schalenbeanspruchung nachweisen: Aus Hebelast und Hebelarm ergeben sich Kraft und Moment an der Anschweißstelle. Das Modul ermittelt die lokalen Spannungen im Behältermantel nach den Regeln für örtliche Lasteinleitungen des Abschnitts 16 und vergleicht sie mit der zulässigen Spannung – mit Verstärkungsblech unter Ansatz der vergrößerten wirksamen Fläche.
  4. Lasche und Schweißnaht nach RKF nachweisen: Der Festigkeitsnachweis der Lasche (Querschnitt am Ösenauge, Lochleibung) und der Anschlussnaht erfolgt nach RKF BR A 62. Damit sind neben der Schale auch das Anschlagmittel-Interface und die Verbindung vollständig abgedeckt.
  5. Ergebnis bewerten und Konstruktion anpassen: Das Modul weist die Ausnutzungsgrade aller Nachweisstellen aus. Bei Überschreitung kann ein Verstärkungsblech ergänzt oder vergrößert, die Öse versetzt oder die Anschlagkonfiguration (Seilwinkel, Traversen) geändert und der Nachweis unmittelbar wiederholt werden.
Eingabegrößen24 / 39 Größen
GrößeSymbolEinheit
BerechnungstemperaturTemp°C
Werkstoff der SchaleSchale-
Werkstoff der LascheHebeöse-
Exzentrizität des Lastangriffesa1mm
Abstand Lastangriff - Schalea2mm
Höhe der Laschehmm
Dicke der Lascheslmm
Länge der Lascheb1mm
Winkel zwischen der resultierenden Hebekraft und der Normalen zur Schaleβ°
Walzzuschlag für Schalenblechc1Smm
Korrosionszuschlag für Schalenblechc2Smm
Nennwanddicke der Schaleenmm
Außendurchmesser der SchaleDemm
Gesamte Gewichtskraft des BehältersWN
Lokale Kraft an der SchaleFRN
BerechnungsdruckPMPa(p)
Zulässige SpannungfN/mm²
BeiwertK2-
Zulässige lokale Kraft an der SchaleFR = ≤ FR,max =N
Kennwert Prüfung BetriebKL' KLN/mm²
Sicherheit Prüfung BetriebSL' SL-
Berechnungsoption(Betrieb/Prüfung)
Bauform MantelBauform-
_BedingungFR = ≤ FR,max =-
Berechnungsergebnisse24 / 66 Größen
GrößeSymbolEinheit
BerechnungstemperaturTemp°C
Werkstoff der SchaleSchale-
Werkstoff der VerstärkungVerstärkung-
Werkstoff der LascheHebeöse-
Exzentrizität des Lastangriffesa1mm
Abstand Lastangriff - Schalea2mm
Höhe der Laschehmm
Dicke der Lascheslmm
Länge der Lascheb1mm
Breite des Verstärkungsblechesb2mm
Länge des Verstärkungsblechesb3mm
Winkel zwischen der resultierenden Hebekraft und der Normalen zur Schaleβ°
Walzzuschlag für Schalenblechc1Smm
Korrosionszuschlag für Schalenblechc2Smm
Nennwanddicke der Schaleenmm
Dicke des Verstärkungsblechese2mm
Berechnungswanddicke der Schaleeamm
Außendurchmesser der SchaleDemm
Äquivalenter DurchmesserDeqmm
Gesamte Gewichtskraft des BehältersWN
Gültigkeitsbereich (en/Deq)0.001 ≤ en/Deq = ≤ 0.05-
Lokale Kraft an der SchaleFRN
Beiwertλ1-
Lokale Membran/Biegespannungν1-

Berechnungsoptionen

Berechnungsoption

Betrieb · Prüfung

Bauform Mantel

Zylinder · Kugel

Bauform

Hebeösen in longitudinaler Anordnung mit Verstärkungsblech · Hebeösen in longitudinaler Anordnung ohne Verstärkungsblech · Hebeösen in Umfangsrichtung mit Verstärkungsblech · Hebeösen in Umfangsrichtung ohne Verstärkungsblech

Häufige Fragen

Wann ist ein Verstärkungsblech unter der Hebeöse erforderlich?

Immer dann, wenn die lokalen Spannungen in der Behälterwand die zulässigen Werte überschreiten – typisch bei dünnwandigen Mänteln, großen Hebelasten oder ungünstigen Seilwinkeln mit hoher Momentenbeanspruchung. Das Blech verteilt die Last auf eine größere Schalenfläche. Zu beachten: Es muss vollflächig anliegen, sein Werkstoff muss zum Mantel passen, und es verändert die Lage der maßgebenden Nachweisschnitte an seinem Rand.

Welche Lastannahmen sind für den Hebevorgang anzusetzen?

Neben dem Eigengewicht des transportfertigen Apparats (mit Einbauten, gegebenenfalls Isolierung und Anbauteilen) ist eine dynamische Erhöhung für das Anheben und Umsetzen zu berücksichtigen. Beim Aufrichten einer Kolonne ändern sich Lastrichtung und Lastaufteilung kontinuierlich – maßgebend ist die ungünstigste Zwischenlage. Schräge Seilzüge erzeugen zusätzliche Querkräfte und Momente an der Öse und dürfen nicht vernachlässigt werden.

Warum wird die Lasche nach RKF und nicht nach EN 13445 nachgewiesen?

Die EN 13445-3 regelt in Abschnitt 16 die Beanspruchung der Behälterschale durch örtliche Lasten, enthält aber keine vollständigen Nachweisregeln für das Anschlagelement selbst (Augenstab, Lochleibung, Schweißnaht unter kombinierter Beanspruchung). Der Richtlinienkatalog Festigkeit BR A 62 schließt diese Lücke mit erprobten Nachweisformeln für Lasche und Naht – die Kombination beider Regelwerke deckt den Lastpfad vollständig ab.

Longitudinale oder umfangsgerichtete Anordnung – was ist günstiger?

Das hängt von der Lastrichtung im Hebezustand ab. Die Schale reagiert auf Momente um die Umfangsrichtung anders als auf Momente um die Längsachse; eine Öse, deren Hauptlast in der steiferen Schalenrichtung wirkt, erzeugt geringere lokale Biegespannungen. Bei liegend transportierten und stehend montierten Apparaten müssen beide Belastungssituationen – Anheben aus der Horizontalen und Hängen in der Vertikalen – geprüft werden.

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