Be- und Entfeuchtung von Luft berechnen – Modul MK

Das Modul berechnet Zustandsänderungen feuchter Luft beim Befeuchten und Entfeuchten nach dem VDI-Wärmeatlas (12.

Modul MKRegelwerk VDI-Wärmeatlas, 12. Auflage 2019Lesedauer 6 minDE / EN

Aufgabenstellung und Berechnungsziel

Das Modul berechnet Zustandsänderungen feuchter Luft beim Befeuchten und Entfeuchten nach dem VDI-Wärmeatlas (12. Auflage 2019). Feuchte Luft wird dabei als Gemisch aus trockener Luft und Wasserdampf bilanziert; zentrale Größen sind der Wassergehalt (Beladung in kg Wasser je kg trockener Luft), die relative Feuchte, die spezifische Enthalpie sowie Tau- und Feuchtkugeltemperatur. Die Zustandsänderungen entsprechen den bekannten Wegen im Mollier-h,x-Diagramm.

Gebraucht wird die Berechnung feuchter Luft in der Klima- und Lüftungstechnik, bei Trocknungsprozessen, Kühltürmen und Sprühbefeuchtern sowie bei der Auslegung von Kühlern, an denen Wasserdampf auskondensiert. Wer Luft befeuchten oder entfeuchten will, muss Wasser- und Energiebilanz konsistent führen: Beim Erwärmen bleibt der Wassergehalt konstant und die relative Feuchte sinkt, beim Kühlen unter den Taupunkt fällt Kondensat aus, bei der Verdunstungsbefeuchtung verläuft die Zustandsänderung nahezu entlang einer Linie konstanter Enthalpie.

Das Modul liefert die Zustandsgrößen vor und nach der Zustandsänderung sowie die übertragenen Wasser- und Wärmemengen und ersetzt damit das grafische Arbeiten im h,x-Diagramm durch eine reproduzierbare Rechnung.

Regelwerk und Berechnungsbasis: VDI-Wärmeatlas, 12. Auflage 2019

So läuft die Berechnung ab

  1. Ausgangszustand der feuchten Luft bestimmen: Aus Temperatur, Gesamtdruck und relativer Feuchte (oder alternativ Feucht- bzw. Taupunkttemperatur) werden Wasserdampfpartialdruck, Wassergehalt und spezifische Enthalpie des Eintrittszustands berechnet. Grundlage ist der Sättigungsdampfdruck des Wassers bei der jeweiligen Temperatur.
  2. Zustandsänderung festlegen: Gewählt wird der Prozess: Erwärmen oder Kühlen bei konstantem Wassergehalt, Kühlen mit Entfeuchtung unter den Taupunkt, adiabate Verdunstungsbefeuchtung, Dampfbefeuchtung oder Mischung zweier Luftströme.
  3. Wasserbilanz führen: Alle Beladungen werden auf die unveränderliche Masse trockener Luft bezogen. Die Differenz der Wassergehalte vor und nach der Zustandsänderung ergibt die zu- oder abgeführte Wassermenge, beim Entfeuchten die anfallende Kondensatmenge.
  4. Energiebilanz führen: Über die spezifischen Enthalpien der feuchten Luft (Anteile trockener Luft, Wasserdampf und ggf. flüssiges Wasser) wird die erforderliche Heiz- oder Kühlleistung bestimmt. Bei der Verdunstungsbefeuchtung liefert die Verdampfungsenthalpie des Wassers die Abkühlung des Luftstroms.
  5. Endzustand und Grenzen prüfen: Der Endzustand wird auf physikalische Konsistenz geprüft: relative Feuchte höchstens 100 %, Unterschreiten des Taupunkts bedeutet Nebel- bzw. Kondensatbildung. Tau- und Feuchtkugeltemperatur des Endzustands dienen als Kontrollgrößen für die Apparateauslegung.
Eingabegrößen24 / 91 Größen
GrößeSymbolEinheit
Gesamtdruckpbar
Dichte im TrockenlufteintrittρLEkg/m³
TrockenluftstromMLkg/s
DampfstromMDkg/s
Feuchtebeladung im LufteintrittYEkg/kg
Feuchtebeladung im LuftaustrittYAkg/kg
Änderung der FeuchtebeladungΔYkg/kg
Länge der BefeuchtungsstreckeLBm
Länge der AusgleichsstreckeLAusm
Höhe des BefeuchterkanalsHm
Breite des BefeuchterkanalsBm
Fläche des BefeuchterkanalsA
Temperatur des LufteintrittsϑLE°C
Temperatur des Luftaustrittsϑla°C
Luftgeschwindigkeit vor dem BefeuchteruLEm/s
Eintrittstemperatur des WasserdampfesϑD°C
Erforderliche Zahl DampfverteilrohrenR
Echte Anzahl der DampfverteilrohreDampfverteilrohre
Korrigierte Zahl DampfverteilrohreDampfverteilrohre
Länge eines DampfverteilrohresLRm
Zulässiger bezogener DampfmassenstromMDmaxkg/h m
Reduzierter bezogener DampfmassenstromMDmax,redkg/h m
Wandabstand aamm
Wandabstand bbmm
Berechnungsergebnisse7 Größen
GrößeSymbolEinheit
Wärmeübertragungsleistung gesamtQkW
Wärmeübertragungsleistung (trocken)QtrkW
Wärmeübertragungsleistung (feucht)QfekW
Übertragungsfläche im trockenen TeilAtr
Übertragungsfläche im feuchten TeilAfe
Übertragungsfläche gesamtAtotal
Anzahl Rohrreihenn

Berechnungsoptionen

Option

Befeuchten durch Zumischen von Dampf · Befeuchten durch Verdunstung · Entfeuchten - Bestimmung der Kühlerfläche · Entfeuchten - Bestimmung des Austrittszustandes

Gelöstes Beispiel

Außenluft von 30 °C und 50 % relativer Feuchte bei 1 013,25 mbar Gesamtdruck soll für eine Trocknungsanlage bewertet werden. Gesucht sind Wassergehalt, spezifische Enthalpie und Taupunkttemperatur des Zustands.

Gegebene Werte

Lufttemperatur t30 °C
Relative Feuchte φ50 %
Gesamtdruck p1 013,25 mbar = 101,325 kPa
Sättigungsdampfdruck ps(30 °C)4,247 kPa

Lösungsweg

1

Wasserdampfpartialdruck

pD = φ · ps = 0,5 · 4,247 = 2,124 kPa

2

Wassergehalt (Beladung)

x = 0,622 · pD / (p − pD) = 0,622 · 2,124 / (101,325 − 2,124)

x = 0,01331 kg/kg ≈ 13,3 g Wasser je kg trockener Luft

Der Faktor 0,622 ist das Verhältnis der molaren Massen von Wasser (18,015 g/mol) und trockener Luft (28,96 g/mol).

3

Spezifische Enthalpie

h1+x = cp,L · t + x · (ΔhV + cp,D · t) = 1,005 · 30 + 0,01331 · (2 500 + 1,86 · 30)

h1+x = 30,15 + 34,03 = 64,2 kJ/kg trockener Luft

4

Taupunkttemperatur

Gesucht ist die Temperatur, bei der ps = 2,124 kPa gilt. Aus der Dampfdrucktafel (ps(18 °C) = 2,064 kPa, ps(19 °C) = 2,197 kPa) folgt durch Interpolation:

tTau18,4 °C

Kühlflächen, die kälter als 18,4 °C sind, entfeuchten diese Luft.

Ergebnis

Wassergehalt x0,01331 kg/kg (13,3 g/kg)
Spezifische Enthalpie h1+x≈ 64,2 kJ/kg tr. Luft
Taupunkttemperatur≈ 18,4 °C

Alle Werte sind beispielhaft. Maßgeblich sind das jeweils gültige Regelwerk und die projektspezifischen Randbedingungen.

Häufige Fragen

Warum wird der Wassergehalt auf die trockene Luft bezogen und nicht auf die feuchte Gesamtmasse?

Weil die Masse trockener Luft bei allen Be- und Entfeuchtungsvorgängen konstant bleibt, während die Gesamtmasse sich mit dem Wasseraustausch ändert. Mit der Beladung x in kg Wasser je kg trockener Luft werden Wasser- und Energiebilanz linear und Mischungen zweier Luftströme lassen sich als einfache Streckenteilung im h,x-Diagramm darstellen.

Was ist der Unterschied zwischen Taupunkt- und Feuchtkugeltemperatur?

Der Taupunkt ist die Temperatur, bei der die Luft beim Abkühlen bei konstantem Wassergehalt gerade gesättigt ist – dort beginnt Kondensation. Die Feuchtkugeltemperatur (Kühlgrenztemperatur) stellt sich bei adiabater Verdunstung von Wasser in den Luftstrom ein; sie liegt zwischen Taupunkt und Trockentemperatur. Verdunstungskühler können die Luft höchstens bis zur Kühlgrenze abkühlen, Oberflächenkühler entfeuchten erst unterhalb des Taupunkts.

Welchen Einfluss hat der Gesamtdruck auf die Rechnung?

Der Wassergehalt hängt über das Verhältnis von Dampfpartialdruck zu Gesamtdruck von diesem ab: Bei gleichem Zustand (Temperatur, relative Feuchte) trägt Luft auf 2 000 m Höhe oder in Unterdrucksystemen mehr Wasser je kg trockener Luft als bei Normdruck. h,x-Diagramme gelten daher immer nur für einen Bezugsdruck; das Modul rechnet mit dem tatsächlichen Anlagendruck.

Warum sinkt die Lufttemperatur bei der Verdunstungsbefeuchtung?

Die für die Verdampfung des Wassers erforderliche Enthalpie (rund 2 500 kJ je kg Wasser) wird dem Luftstrom entzogen. Da dem System von außen keine Wärme zugeführt wird, verläuft die Zustandsänderung im h,x-Diagramm nahezu entlang einer Isenthalpen: Der Wassergehalt steigt, die Temperatur fällt bis maximal zur Kühlgrenztemperatur.

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