Druckverlust bei der Strömung durch Rohre mit Kreisquerschnitt berechnen – Modul LB

Das Modul L1.2 berechnet den Druckverlust einphasig durchströmter Rohre nach dem VDI-Wärmeatlas, 12.

Modul LBRegelwerk VDI-Wärmeatlas, 12. Auflage 2019Lesedauer 6 minDE / EN

Aufgabenstellung und Berechnungsziel

Das Modul L1.2 berechnet den Druckverlust einphasig durchströmter Rohre nach dem VDI-Wärmeatlas, 12. Auflage 2019. Erfasst werden Rohre mit Kreisquerschnitt ebenso wie nicht kreisförmige Querschnitte (über den hydraulischen Durchmesser), Ringspalte und Rohrwendeln, bei denen die Zentrifugalkraft Sekundärströmungen erzeugt und den Reibungsbeiwert gegenüber dem geraden Rohr erhöht.

Den Rohrreibungsdruckverlust berechnen zu können ist Grundlage jeder hydraulischen Auslegung im Anlagenbau: Pumpen- und Gebläseauslegung, Dimensionierung von Rohrleitungen und Wärmeübertrager-Rohrbündeln, Kontrolle zulässiger Strömungsgeschwindigkeiten und die Aufteilung von Volumenströmen in parallelen Strängen. Maßgebend ist die Rohrreibungszahl λ, die von der Reynolds-Zahl und im turbulenten Bereich zusätzlich von der relativen Wandrauheit abhängt.

Die Berechnung folgt den bewährten Gesetzen: Hagen-Poiseuille für laminare Strömung, Blasius bzw. Konakov für hydraulisch glatte turbulente Rohre und die Colebrook-Beziehung für den Übergangs- und rauen Bereich. Der Druckverlust ergibt sich daraus über den Ansatz Δp = λ·(L/d)·ρ·w²/2 mit Rohrlänge, Durchmesser, Dichte und Strömungsgeschwindigkeit.

Regelwerk und Berechnungsbasis: VDI-Wärmeatlas, 12. Auflage 2019

Berechnungsumfang

So läuft die Berechnung ab

  1. Geometrie und Rohrform festlegen: Gewählt wird die Rohrform: gerades Kreisrohr, nicht kreisförmiger Querschnitt, Ringspalt oder Rohrwendel. Bei Nichtkreisquerschnitten wird der hydraulische Durchmesser aus dem Vierfachen des Querschnitts geteilt durch den benetzten Umfang gebildet; bei Wendeln gehen zusätzlich Wendel- und Rohrdurchmesser ein.
  2. Strömungszustand bestimmen: Aus Geschwindigkeit bzw. Massenstrom, Durchmesser und kinematischer Viskosität wird die Reynolds-Zahl berechnet. Sie entscheidet über das Strömungsregime: laminar unterhalb von etwa Re = 2 300, turbulent darüber; bei Rohrwendeln verschiebt die stabilisierende Krümmung die kritische Reynolds-Zahl zu höheren Werten.
  3. Rohrreibungszahl auswerten: Im laminaren Bereich gilt λ = 64/Re (Kreisrohr; für andere Querschnitte mit geometrieabhängiger Konstante). Im turbulenten Bereich wird λ für glatte Rohre nach Blasius oder Konakov, für raue Rohre nach Colebrook aus Reynolds-Zahl und relativer Rauheit k/d bestimmt; bei vollrauer Strömung hängt λ nur noch von k/d ab.
  4. Zusatzeinflüsse berücksichtigen: Bei Rohrwendeln wird die Erhöhung der Reibungszahl durch die Sekundärströmung über das Verhältnis von Rohr- zu Wendeldurchmesser korrigiert; bei Ringspalten geht das Radienverhältnis ein. Nicht isotherme Strömung lässt sich über Stoffwertkorrekturen (Viskositätsverhältnis Wand/Kern) erfassen.
  5. Druckverlust berechnen: Der Reibungsdruckverlust folgt aus Δp = λ·(L/d)·ρ·w²/2. Bei geodätischen Höhenunterschieden oder Dichteänderungen kommen die entsprechenden Anteile der erweiterten Bernoulli-Gleichung hinzu; Einbauten und Formstücke werden über gesonderte Widerstandsbeiwerte (Modul L1.3) ergänzt.
Eingabegrößen24 / 28 Größen
GrößeSymbolEinheit
Rohrlängelm
Rohrinnendurchmesserdim
Freier Strömungsquerschnittf
Benetzter Umfangum
Absolute Rauigkeitkm
Dichteρkg/m³
Geschwindigkeitwm/s
Dynamische ViskositätηmPa·s
Faktor für die Querschnittsformφ-
Reynolds-ZahlRe-
Laminare StrömungRecrit-
WendeldurchmesserDCm
Wendelsteigunghm
Volumenstrom pro RohrVRm³/s
Gesamter Massenstrommgkg/s
Anzahl parallel durchströmter RohreNR-
Massenstrom pro RohrmRkg/s
Hydraulischer Durchmesser (Di-da)dhm
Gesamter Massenstrommgkg/s
Innendurchmesser des AußenrohrsDim
Außendurchmesser des Innenrohrsdam
Hydraulischer Durchmesserdhm
Kinematische Viskositätνm²/s
QuerschnittsformRechteckrohr
Berechnungsergebnisse6 Größen
GrößeSymbolEinheit
Widerstandsbeiwertξ-
Widerstandsbeiwertξ-
DruckverlustΔpPa
Reynolds-ZahlRe-
Laminare StrömungRecrit-
Strömungsformturbulent-

Berechnungsoptionen

Querschnittsform

beliebig · rechteckig

Rohrform

Gerade Rohre · Rohrwendeln · Gerade Rohre mit nicht kreisförmigem Querschnitt · Ringspalt

Gelöstes Beispiel

Wasser von 20 °C strömt mit 1,5 m/s durch ein hydraulisch glattes Rohr mit 50 mm Innendurchmesser und 25 m Länge. Gesucht ist der Reibungsdruckverlust.

Gegebene Werte

Innendurchmesser d50 mm
Rohrlänge L25 m
Strömungsgeschwindigkeit w1,5 m/s
Dichte Wasser (20 °C) ρ998 kg/m³
Kinematische Viskosität ν1,004·10⁻⁶ m²/s

Lösungsweg

1

Reynolds-Zahl bestimmen

Re = w·d/ν = 1,5 m/s · 0,05 m / 1,004·10⁻⁶ m²/s = 74 700

Die Strömung ist turbulent (Re > 2 300) und liegt im Gültigkeitsbereich der Blasius-Gleichung (Re < 10⁵).

2

Rohrreibungszahl nach Blasius

λ = 0,3164/Re0,25 = 0,3164/74 7000,25 = 0,0191

3

Druckverlust berechnen

Δp = λ · (L/d) · ρ · w²/2
Δp = 0,0191 · (25/0,05) · 998 kg/m³ · (1,5 m/s)²/2
Δp = 0,0191 · 500 · 1 122,75 Pa ≈ 10 700 Pa ≈ 0,107 bar

Ergebnis

Reynolds-Zahl Re74 700 (turbulent)
Rohrreibungszahl λ0,0191
Reibungsdruckverlust Δpca. 10 700 Pa ≈ 0,107 bar

Alle Werte sind beispielhaft. Maßgeblich sind das jeweils gültige Regelwerk und die projektspezifischen Randbedingungen.

Häufige Fragen

Ab welcher Reynolds-Zahl ist die Strömung turbulent?

Im geraden Rohr liegt die kritische Reynolds-Zahl bei etwa 2 300; darunter ist die Strömung stabil laminar. Zwischen etwa 2 300 und 10 000 liegt ein Übergangsbereich mit erhöhter Unsicherheit der Reibungszahl – für die Auslegung sollte man diesen Bereich meiden oder konservativ rechnen. In Rohrwendeln wirkt die Krümmung stabilisierend, sodass der Umschlag erst bei deutlich höheren Reynolds-Zahlen erfolgt.

Wann darf ich mit 'hydraulisch glattem' Rohr rechnen?

Wenn die Wandrauheiten vollständig in der viskosen Unterschicht liegen, beeinflussen sie die Reibung nicht – das Rohr verhält sich glatt. Ob das zutrifft, hängt vom Verhältnis der Rauheitshöhe zur Dicke der viskosen Unterschicht ab, also von k/d und Re. Gezogene Edelstahl- und Kunststoffrohre sind meist hydraulisch glatt; verzunderte, verkrustete oder gusseiserne Leitungen müssen mit Rauheit nach Colebrook gerechnet werden. Im Zweifel liefert die raue Rechnung den konservativen Druckverlust.

Wie genau ist der Ansatz mit dem hydraulischen Durchmesser bei Nichtkreisquerschnitten?

Für turbulente Strömung liefert der hydraulische Durchmesser gute Ergebnisse mit Fehlern von typischerweise wenigen Prozent. Im laminaren Bereich versagt er dagegen: Dort hängt das Produkt λ·Re von der Querschnittsform ab (Kreisrohr 64, ebener Spalt 96, Quadrat 57). Der VDI-Wärmeatlas gibt hierfür formspezifische Konstanten an, die das Modul verwendet.

Warum hat eine Rohrwendel bei gleicher Länge einen höheren Druckverlust als ein gerades Rohr?

Die Zentrifugalkraft treibt das schnellere Kernfluid nach außen und erzeugt eine Doppelwirbel-Sekundärströmung (Dean-Wirbel). Diese erhöht die Wandschubspannung und damit die Reibungszahl, umso stärker, je größer das Verhältnis von Rohrdurchmesser zu Wendeldurchmesser ist. Gleichzeitig verbessert die Sekundärströmung den Wärmeübergang – Rohrwendeln erkaufen sich also bessere Wärmeübertragung mit höherem Druckverlust.

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