Elliptische Böden unter Innendruck berechnen – Modul ER07

Rohrleitungsenden, Sammlerböden und Verteilerabschlüsse müssen ebenso sicher ausgelegt werden wie die Rohre selbst.

Modul ER07Regelwerk DIN EN 13480-3/7Lesedauer 8 minDE / EN

Aufgabenstellung und Berechnungsziel

Rohrleitungsenden, Sammlerböden und Verteilerabschlüsse müssen ebenso sicher ausgelegt werden wie die Rohre selbst. Dieses Modul berechnet Böden für metallische industrielle Rohrleitungen nach DIN EN 13480-3, Abschnitt 7: halbkugelförmige Böden, torisphärische Böden (Klöpperboden und Korbbogenboden), elliptische Böden sowie ebene runde Böden – geschweißt oder verschraubt – jeweils unter Innendruck. Auch die Verstärkung von Ausschnitten in unverankerten ebenen Böden ist abgedeckt.

In der Praxis braucht man diese Berechnung immer dann, wenn ein Rohrleitungssystem, ein Sammler oder ein Verteiler mit einem Boden abgeschlossen wird und die erforderliche Wanddicke bzw. der zulässige Druck nach der europäischen Rohrleitungsnorm nachzuweisen ist. Die Bauform wird über einen Typenschalter gewählt; das Modul wendet dann die jeweils maßgebenden Gleichungen des Abschnitts 7 an – bei gewölbten Böden getrennt für Kalotte und Krempe, bei ebenen Böden mit den bauformabhängigen Berechnungsbeiwerten.

Wer einen Klöpperboden oder Korbbogenboden berechnen will, erhält damit die Mindestwanddicke aller Bodenbereiche und kann die gewählte Nennwanddicke inklusive Zuschlägen direkt gegen die Anforderungen der DIN EN 13480-3 prüfen.

Regelwerk und Berechnungsbasis: DIN EN 13480-3/7: 2017-12

Berechnungsumfang

So läuft die Berechnung ab

  1. Bauform festlegen: Über die Bauform-Variable wird der Bodentyp gewählt: Halbkugelboden, Klöpperboden, Korbbogenboden, elliptischer Boden oder ebener runder Boden (angeschweißt oder verschraubt, mit oder ohne Ausschnitt). Die Bauform bestimmt, welche Gleichungen des Abschnitts 7 der DIN EN 13480-3 angewendet werden.
  2. Berechnungsdaten und Werkstoffkennwerte erfassen: Eingegeben werden Berechnungsdruck und Berechnungstemperatur, die Bodengeometrie (Durchmesser, bei gewölbten Böden Kalotten- und Krempenradius) sowie der Werkstoff. Daraus ermittelt das Modul die zulässige Spannung f aus Dehngrenze und Zugfestigkeit mit den Sicherheitsbeiwerten der Norm; der Schweißnahtfaktor z geht bei geschweißten Böden ein.
  3. Mindestwanddicke der maßgebenden Bereiche berechnen: Bei gewölbten Böden werden die erforderlichen Wanddicken getrennt ermittelt: für die Kalotte aus der Membranspannung und für die Krempe, wo wegen der Krümmungsänderung erhöhte Biegespannungen auftreten und häufig die größte Wanddicke erforderlich wird. Bei ebenen Böden wird die Dicke aus der Plattenbiegung mit dem bauform- und einspannungsabhängigen Beiwert C berechnet.
  4. Ausschnitte bewerten: Enthält ein ebener Boden einen Ausschnitt, prüft das Modul dessen Verstärkung über einen Erhöhungsfaktor auf die Bodendicke bzw. über die Ausschnittsregeln des Abschnitts 7. Bei gewölbten Böden verweist die Norm für Stutzen und Ausschnitte auf die Ausschnittverstärkung nach Abschnitt 8.
  5. Nennwanddicke mit Zuschlägen prüfen: Die errechnete Mindestwanddicke wird um Korrosionszuschlag und Fertigungstoleranzen (bei gewölbten Böden zusätzlich Ausdünnung beim Umformen) ergänzt und mit der gewählten Nennwanddicke verglichen. Das Ergebnis weist aus, ob die Festigkeitsbedingung für alle Bodenbereiche erfüllt ist.
Eingabegrößen24 / 92 Größen
GrößeSymbolEinheit
Lastfall3=Sonderfall)
Berechnungstemperaturtc°C
BerechnungsdruckpcMPa
Eingesetzter WerkstoffWerkstoffbezeichnung
Wanddickenunterschreitungδemm
Korrosionszuschlagcmm
Wanddickenverlust bei Umformungδmmm
Summe der ZuschlägeΣ(δ)mm
Kennwert(Re, Rp, Rm) KMPa
SicherheitsbeiwertS
Zulässige SpannungfMPa
InnendurchmesserDimm
Vorhandene Wanddicke nach Zeichnungenmm
PrüfkennwertKtestMPa
Sicherheitsbeiwert (Prüfung)Stest
Kennwert (Betrieb, Rp, Rm)KMPa
Sicherheitsbeiwert (Betrieb)S
Schweißnahtfaktorz
und nicht zulässigeamm
AußendurchmesserDomm
Berechnungsbeiwertβ
Parameterβ0.06 = , β0.1 = , β0.2 =
Parameterβ0.06 = , β0.1 = , β0.2 =
Parameterβ0.06 = , β0.1 = , β0.2 =
Berechnungsergebnisse24 / 33 Größen
GrößeSymbolEinheit
Lastfall3=Sonderfall)
InnendurchmesserDimm
Erforderliche WanddickeMax(es, ey, eb) emm
und nicht zulässigeamm
Mittlerer DurchmesserDmmm
Zulässiger BerechnungsüberdruckMin(ps,py,pb) PSMPa
Innerer Krempenradiusrimm
Innerer KalottenradiusRimm
Berechnungsbeiwertβ
Erforderliche Wanddicke Kalotteesmm
Erforderliche Wanddicke Krempe iterativeymm
Erforderliche Wanddicke Krempeebmm
Geometrisches VerhältnisRi/Do
Geometrisches Verhältnisri/Do
Formfaktor für elliptischen BodenDi/(2·hi) K
Erf. Wanddicke mit Zuschlägenmm
Abstand√(R·e) lmm
Bordhöhe0.2*√(Di·e) hmm
Formfaktor C1 aus 7.2.3-2C1
Formfaktor C2 für Typ 2,3 aus 7.2.3-4(0 ... 1) C2
Äquivalenter Durchmesser eines Bodens mit AnsatzDeqmm
vorhandene Bodendicke ohne Zuschlägeeafmm
Restwanddicke der Entlastungsnutergmm
vorhandene Zylinderwanddicke ohne Zuschlägeesmm

Berechnungsoptionen

Art des Bodens

Klöpperboden · Korbbogenboden

Typ

Zylinder mit angeschweißtem Flachboden · Zylinder mit angeschraubtem Flachboden

Art der Öffnung

Öffnung ohne Stutzen · Öffnung mit aufgesetztem Stutzen nach Bild 7.2.5-3 · Öffnung mit eingesetztem Stutzen nach Bild 7.2.5-4

Bauform

Halbkugelförmige Böden unter innerem Überdruck · Torisphärische Böden unter innerem Überdruck · Elliptische Böden unter innerem Überdruck · Mit Zylinderschalen oder -rohren verschweißte ebene runde Böden, nicht verankert · Unverankerte, verschraubte ebene runde Böden · Verstärkung von Ausschnitten in unverankerten ebenen Böden

Gelöstes Beispiel

Für einen Sammler DN 1000 soll ein halbkugelförmiger Boden nach DIN EN 13480-3, Abschnitt 7, ausgelegt werden. Berechnungsdruck 16 bar (1,6 MPa) bei 200 °C, Werkstoff P265GH, nahtlos angeformter Boden mit Schweißnahtfaktor z = 1,0. Gesucht ist die erforderliche Mindestwanddicke.

Gegebene Werte

Innendurchmesser Di1 000 mm
Berechnungsdruck p1,6 MPa (16 bar)
Berechnungstemperatur200 °C
WerkstoffP265GH
Schweißnahtfaktor z1,0

Lösungsweg

1

Zulässige Spannung ermitteln

Für P265GH gilt bei 200 °C eine Mindest-Dehngrenze Rp0,2/200 °C = 192 MPa, die Zugfestigkeit bei Raumtemperatur beträgt Rm = 410 MPa. Die zulässige Spannung ist der kleinere Wert aus Rp0,2/T/1,5 und Rm/2,4:

f = min(192/1,5; 410/2,4) = min(128,0; 170,8) = 128 MPa

2

Mindestwanddicke der Halbkugel berechnen

Für kugelförmige Schalen und halbkugelförmige Böden gilt mit dem Innendurchmesser:

e = p · Di / (4 · f · z − p)

e = 1,6 · 1 000 / (4 · 128 · 1,0 − 1,6) = 1 600 / 510,4 = 3,13 mm

3

Nennwanddicke festlegen

Zur Mindestwanddicke kommen Korrosionszuschlag (z. B. c = 1 mm) und die Minustoleranz der Fertigung hinzu. Mit einer gewählten Nennwanddicke von 5 mm und 12,5 % Minustoleranz verbleiben 5 · 0,875 − 1,0 = 3,38 mm ≥ 3,13 mm – die Festigkeitsbedingung ist erfüllt. Zum Vergleich: Eine Zylinderschale gleichen Durchmessers benötigt etwa die doppelte Wanddicke.

Ergebnis

Zulässige Spannung f128 MPa
Erforderliche Mindestwanddicke e3,13 mm
Gewählte Nennwanddicke5 mm

Alle Werte sind beispielhaft. Maßgeblich sind das jeweils gültige Regelwerk und die projektspezifischen Randbedingungen.

Häufige Fragen

Worin unterscheiden sich Klöpperboden und Korbbogenboden?

Beide sind torisphärische Böden aus Kalotte und Krempe. Beim Klöpperboden (DIN 28011) beträgt der Kalottenradius R = Da und der Krempenradius r = 0,1·Da, beim Korbbogenboden (DIN 28013) R = 0,8·Da und r = 0,154·Da. Der Korbbogenboden ist tiefer gewölbt, hat dadurch geringere Krempenspannungen und kommt bei gleichem Druck oft mit einer geringeren Wanddicke aus – er ist aber aufwendiger umzuformen und baut höher.

Warum ist bei gewölbten Böden meist die Krempe und nicht die Kalotte maßgebend?

In der Krempe wechselt die Krümmung vom kleinen Krempenradius zum großen Kalottenradius. Dort entstehen neben den Membranspannungen erhebliche Biegespannungen, und bei dünnwandigen Böden droht zusätzlich elastisch-plastisches Einbeulen der Krempe unter Innendruck. Die Norm verlangt deshalb getrennte Nachweise, und die Krempenbedingung liefert bei üblichen Geometrien die größte erforderliche Wanddicke.

Wann ist ein ebener Boden gegenüber einem gewölbten Boden sinnvoll?

Ebene Böden tragen den Druck über Plattenbiegung statt über Membranwirkung und benötigen daher deutlich größere Wanddicken – als Faustregel ein Mehrfaches eines gewölbten Bodens gleichen Durchmessers. Sie lohnen sich bei kleinen Durchmessern, niedrigen Drücken, als verschraubte, lösbare Abschlüsse oder wenn die Bauhöhe begrenzt ist. Bei größeren Durchmessern und höheren Drücken ist der gewölbte Boden fast immer wirtschaftlicher.

Gilt Abschnitt 7 der DIN EN 13480-3 auch für Böden unter Außendruck?

Nein. Abschnitt 7 behandelt Böden unter Innendruck. Für gewölbte Böden unter Außendruck – etwa bei Vakuumbetrieb oder ummantelten Leitungen – ist der Stabilitätsnachweis nach Abschnitt 9 der DIN EN 13480-3 zu führen, der im Modul ER09 abgebildet ist.

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