Rechteckige Druckbehälter berechnen – Modul EN15

Das Modul EN15 berechnet rechteckige Druckbehälter nach DIN EN 13445-3 Abschnitt 15.

Modul EN15Regelwerk DIN EN 13445-3/15Lesedauer 7 minDE / EN

Aufgabenstellung und Berechnungsziel

Das Modul EN15 berechnet rechteckige Druckbehälter nach DIN EN 13445-3 Abschnitt 15. Anders als zylindrische Behälter tragen rechteckige Kästen den Innendruck überwiegend über Plattenbiegung ab; die Wände wirken als Rahmen aus miteinander verbundenen Platten. Das Modul ermittelt für unverstärkte und verstärkte Bauformen die vorhandenen Membran- und Biegespannungen an den maßgebenden Stellen, prüft die geometrischen Anwendungsgrenzen der Norm und vergleicht die Ergebnisse mit den zulässigen Spannungen.

Rechteckige Druckbehälter berechnen zu müssen ist typisch für Luftbehälter von Nutzfahrzeugen, Gehäuse von Wärmeübertragern und Filtern, Kanäle, Sterilisatoren und Autoklaven mit rechteckigem Nutzraum. Weil ebene Wände unter Druck ungünstig tragen, sieht die Norm neben der unverstärkten Bauweise auch Verstärkungen durch aufgeschweißte Profile oder Rippen sowie durch Zuganker und Trennwände (Partition Plates) vor, die die Stützweiten der Platten verkürzen und so wirtschaftliche Wanddicken ermöglichen.

Die Berechnung nach EN 13445-3 Abschnitt 15 erfasst ausschließlich Beanspruchungen aus innerem Überdruck. Zusatzlasten wie Stutzenkräfte, Auflagerreaktionen oder Unterdruck sind gesondert zu bewerten.

Regelwerk und Berechnungsbasis: DIN EN 13445-3/15: 2021-12

So läuft die Berechnung ab

  1. Bauform wählen und Geometrie erfassen: Zunächst wird festgelegt, ob der Behälter unverstärkt, mit Verstärkungsprofilen oder mit Zugankern bzw. Trennwänden ausgeführt ist. Anschließend werden die Querschnittsabmessungen, Wanddicken, Eckradien und gegebenenfalls die Profilquerschnitte und Verstärkungsabstände eingegeben.
  2. Anwendungsgrenzen prüfen: Die Norm knüpft ihre Formeln an geometrische Bedingungen, etwa an Grenzen für Seitenverhältnisse und die Ausführung der Ecken. Das Modul prüft diese Voraussetzungen, bevor die Spannungsberechnung erfolgt.
  3. Membran- und Biegespannungen berechnen: Für den durch Innendruck belasteten Rahmenquerschnitt werden an den maßgebenden Stellen, insbesondere in Wandmitte und in den Ecken, die Membranspannungen aus der Umfangszugkraft und die Biegespannungen aus der Plattenbiegung ermittelt. Bei verstärkten Behältern trägt der Verbundquerschnitt aus Wand und Profil.
  4. Ausschnitte und Schweißnähte berücksichtigen: Öffnungen in den Wänden schwächen den tragenden Querschnitt und werden über Verschwächungsbeiwerte erfasst; Schweißnahtfaktoren gehen in die zulässigen Spannungen ein.
  5. Spannungsnachweis führen: Die berechneten Spannungen werden mit den zulässigen Werten verglichen: Membranspannungen mit der zulässigen Berechnungsspannung, kombinierte Membran- plus Biegespannungen mit dem 1,5-fachen Wert. Ist der Nachweis nicht erfüllt, werden Wanddicke oder Verstärkung angepasst und die Rechnung wiederholt.
Eingabegrößen24 / 121 Größen
GrößeSymbolEinheit
Eckeninnenradiusamm
Typ des Behälters: 1=ohne Verstärkung 2=2=
Nettobreite aller Schweißnähte zwischen Verstärkung und Behälterbcw1mm
Lichte Breite der Verstärkung (Stegabstand)bf1mm
Abstand zwischen den Mittellinien der VerstärkungenbR1mm
Herstellungszuschlagc1mm
Korrosionszuschlagc2mm
Lochdurchmesser (0=ungelocht) oder Innendurchmesser einer durchgeschweißten Verbindung an der kurzen Seited1mm
Nennwanddickeev1mm
E-Modul bei BetriebEMPa
Lichte Weite der langen Behälterseitehmm
Lichte Weite der kurzen BehälterseiteHmm
Radiale Höhe der Verstärkunghr1mm
Materialkennwert BetriebKMPa
Materialkennwert PrüfungK20CMPa
Halbe Länge der kurzen Seite bis zur Rundung D-Cl1mm
Gesamtlänge eines SchweißnahtsegmentslwSmm
Abstand zwischen Lochmitte und Behältermitte für D-Clxmm
Halbe Länge der langen Seite bis zur Rundung A-BLmm
Abstand zwischen Lochmitte und Behältermitte für A-BLymm
Teilung der Öffnungen in Längsrichtung Bild (15.5-2)pmm
Teilung der Öffnungen diagonal Bild (15.5-2)pSmm
Sicherheitsfaktor BetriebS-
Sicherheitsfaktor PrüfungS20-
Berechnungsergebnisse24 / 50 Größen
GrößeSymbolEinheit
Verstärkungsquerschnitt an der kurzen BehälterseiteA1'mm²
Verstärkungsquerschnitt an der langen BehälterseiteA2'mm²
Breite der kurzen Behälterfläche zwischeg1 b1 g1/b1mm
Schublast im Abschnitt nahe der EckeQ2N
Abstand außenliegende zur neutralen Faser pos+ innenc1mm
Plattenabmessungen g1, b1 für Tabelle 15.6-2C1mm
Berechnungswanddickee1mm
Länge der kurzen Behälterfläche zwischeng1 b1 g1/b1mm
Schwerpunktsabstand der VerstärkungenH+2·jA2+ev2 h1mm
Schwerpunktsabstand der VerstärkungenH+2·jA1+ev1 H1mm
Flachenträgheitsmoment Streifen der Dicke e1I1mm^4/mm
Flachenträgheitsmoment Streifen der Dicke e2I2mm^4/mm
Flachenträgheitsmoment Verstärkung und Platte kurze SeiteI11mm^4/mm
Flachenträgheitsmoment Verst.+Platte lange SeiteI21mm^4/mm
Schwerpunktsabstand der Fläche A1' zur neutralen Achsej1mm
Beiwert nach Gl. (15.5.2-3)= I2/I1·α k-
Beiwert nach(15.5.1.2-12) K3-
Biegemoment/Längeneinheit lange Seite außen (-)=ZugMAN
Innendruck für LastfallP PbMPa
Innendruck für LastfallP Pbbar
Schublast im Abschnitt nahe der EckeQ1N
Beiwert nach Gl. (15.5.2-5)α-
Beiwert nach Gl. (15.5.1.2-13)α1-
Beiwert L/l1(15.5.1.2-14) α3-

Berechnungsoptionen

Typ des Behälters: 1=ohne Verstärkung 2=

unverschwächt oder gelocht · mit zentraler Ankerplatte · Verstärkung mit durchgehenden Schweißnähten · Verstärkung mit unterbrochenen Schweißnähten

Typ der Verstärkung: 1=U-Profil(a1) 2=(a

U-Profil (a1) · U-Profil (a2) · U-Profil (a3) · L-Profil (b1) · L-Profil (b2) · T-Profil (b3) · rechteckiges Vollprofil (c1) · L-Profil (c2) · benutzerdefiniert

Typ der Verstärkung: 1=U-Profil(a1) 2=(a

U-Profil (a1) · U-Profil (a2) · U-Profil (a3) · L-Profil (b1) · L-Profil (b2) · T-Profil (b3) · rechteckiges Vollprofil (c1) · L-Profil (c2) · benutzerdefiniert

Erzeugnisform

geschweißt · gewalzt+gerollt

Erzeugnisform

geschweißt · gewalzt+gerollt

Häufige Fragen

Warum sind rechteckige Druckbehälter so viel schwerer als zylindrische?

Ein Zylinder trägt Innendruck fast vollständig über Membranzugspannungen, eine ebene Wand dagegen über Biegung. Die Biegespannung wächst mit dem Quadrat der Stützweite im Verhältnis zur Wanddicke, sodass unverstärkte rechteckige Behälter schnell unwirtschaftlich dicke Wände benötigen. Verstärkungsprofile, Zuganker oder Trennwände verkürzen die Stützweiten und machen die Bauweise konkurrenzfähig, wenn die Prozessführung einen rechteckigen Querschnitt verlangt.

Deckt die Berechnung nach Abschnitt 15 auch Unterdruck oder äußere Lasten ab?

Nein. Die Regeln des Abschnitts 15 behandeln ausschließlich Beanspruchungen aus innerem Überdruck. Bei Vakuumbetrieb ist zusätzlich die Stabilität der ebenen Wände und Verstärkungen zu bewerten, und äußere Lasten aus Stutzen, Auflagern oder Rohrleitungen erfordern gesonderte Nachweise, etwa nach Abschnitt 16 oder über eine Analyse nach Anhang C.

Wo liegen die höchstbeanspruchten Stellen eines rechteckigen Behälters?

Maßgebend sind in der Regel die Eckbereiche des Rahmens, wo große Biegemomente auftreten, und die Mitte der längeren Wand, wo sich das Feldmoment mit der Membranzugspannung überlagert. Bei verstärkten Behältern kommen die Anschlüsse der Verstärkungsprofile und die Felder zwischen den Verstärkungen hinzu. Das Modul wertet alle diese Stellen aus.

Was ist bei Zugankern und Trennwänden zu beachten?

Zuganker und durchgehende Trennwände wirken als Zwischenstützen und reduzieren die Momente in den Außenwänden erheblich. Sie müssen dafür die anteilige Druckkraft sicher aufnehmen und dauerhaft mit den Wänden verbunden sein. Ihre Anschlussnähte sind entsprechend nachzuweisen; ein Ausfall eines Ankers verändert das statische System und ist konstruktiv auszuschließen.

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