Aufgabenstellung und Berechnungsziel
Das Modul SPAR berechnet Spannringverbindungen (Klammer- bzw. Spannringverschlüsse), mit denen Behälterteile, Deckel oder Rohrbunde über Bördel und einen umlaufenden, geteilten Spannring kraftschlüssig verbunden werden. Solche Verbindungen ersetzen im Apparatebau vielfach geschraubte Flansche, wenn schnelles Öffnen gefordert ist – etwa an Filtergehäusen, Schaugläsern, Mannlöchern oder in Anlagen mit häufigem Produktwechsel.
Die Berechnung folgt dem für Flanschverbindungen üblichen Kraft- und Spannungskonzept: Aus Berechnungsdruck, Prüfdruck und Berechnungstemperatur sowie den Dichtungsdaten – mittlerer Dichtungsdurchmesser, Dichtungsbreite, Dichtungskennwerte für Einbau- und Betriebszustand und Sicherheitsfaktor gegen Undichtigkeit – werden die erforderlichen Schraubenkräfte für Einbau, Betrieb und Prüfung ermittelt. Diese Kräfte belasten den Spannringquerschnitt über die geneigten Bördelflanken; das Modul berechnet daraus Biegemomente, Widerstandsmomente sowie Biege-, Zug- und Schubspannungen und weist für jeden Lastfall die Vergleichsspannung mit der zugehörigen Nachweisbedingung aus.
Damit lässt sich eine Spannringverbindung berechnen und dimensionieren, bevor Dichtheit oder Tragfähigkeit im Betrieb zum Problem werden – einschließlich des oft übersehenen Einbauzustands, in dem die volle Schraubenkraft ohne entlastenden Innendruck wirkt.

So läuft die Berechnung ab
- Lastfälle definieren: Berechnungsdruck, Prüfdruck und Berechnungstemperatur legen die drei Nachweiszustände Einbau, Betrieb und Prüfung fest; die Festigkeitskennwerte des Spannringwerkstoffs werden temperaturabhängig angesetzt.
- Dichtungskräfte ermitteln: Aus mittlerem Dichtungsdurchmesser, Dichtungsbreite und den Dichtungskennwerten für Einbau- und Betriebszustand folgen die Mindest-Dichtungspressungen; der Sicherheitsfaktor gegen Undichtigkeit stellt die erforderliche Restpressung unter Betriebsdruck sicher.
- Schraubenkräfte der Lastfälle berechnen: Für Einbau, Betrieb und Prüfung werden die Schraubenkräfte aus Druckkraft auf die Dichtfläche und erforderlicher Dichtungskraft bestimmt; maßgebend für die Verschlussdimensionierung ist jeweils der größte Wert.
- Schnittgrößen im Spannring bestimmen: Die über die Bördelflanken eingeleiteten Kräfte erzeugen im Ringquerschnitt Biegemomente und Querkräfte; mit dem Widerstandsmoment des Profils werden für jeden Lastfall Biegespannung, Zugspannung und Schubspannung berechnet.
- Vergleichsspannungsnachweis führen: Aus den Spannungskomponenten wird je Lastfall die Vergleichsspannung gebildet und der zulässigen Spannung gegenübergestellt; die ausgewiesenen Bedingungen zeigen für Einbau, Betrieb und Prüfung, ob der Spannring ausreichend dimensioniert ist.
Eingabegrößen
| Größe | Symbol | Einheit |
|---|---|---|
| Berechnungsdruck | P | MPa(p) |
| Prüfdruck | PPr | MPa(p) |
| Berechnungstemperatur | T | °C |
| Festigkeitskennwert bei Betriebstemperatur | KT,R | N/mm² |
| Festigkeitskennwert bei Betriebstemperatur | KT,Fl | N/mm² |
| Festigkeitskennwert bei Prüftemperatur | KPT,Fl | N/mm² |
| Festigkeitskennwert bei Prüftemperatur | KPT,R | N/mm² |
| Sicherheitsbeiwert Betrieb | SFB | - |
| Sicherheitsbeiwert Prüfung | SFP | - |
| Zulässige Spannung bei Betriebstemperatur | σzul0,2T,R | N/mm² |
| Zulässige Spannung bei Prüftemperatur | σzul0,2PT;R | N/mm² |
| Zulässige Spannung bei Betriebstemperatur | σzul0,2T;Fl | N/mm² |
| Zulässige Spannung bei Prüftemperatur | σzul0,2PT;Fl | N/mm² |
| Min. zulässige Spannung Betrieb | Pzul;T | N/mm² |
| Min. zulässige Spannung Prüfung | Pzul;PT | N/mm² |
| Neigungswinkel Lasche | φ | ° |
| Spalt an der Schraube vor Anzug | SP | mm |
| Außendurchmesser Ring | DRa | mm |
| Innendurchmesser Ring | DRF | mm |
| Innendurchmesser Lasche | DRi | mm |
| Wanddicke Ring | h1 | mm |
| Abstand mittlerer Radius Ring - Laschenende | l1 | mm |
| Klemmringlaschenlänge | l2 | mm |
| Fase/Radius Flansch | rR | mm |
Berechnungsergebnisse
| Größe | Symbol | Einheit |
|---|---|---|
| Maximale horizontale Klemmkraft / Spannschraubenkraft | FKl,H | N |
| Maximale vertikale Klemmkraft | FKl,V | N |
| Biegemoment Betrieb | MSB;AA | N/mm |
| Biegemoment Prüfung | MSP;A-A | N/mm |
| Biegemoment Einbau | MDV;A-A | N/mm |
| Widerstandsmoment | WA-A | m³ |
| Biegespannung Betrieb | σbsB,A-A | N/mm² |
| Biegespannung Prüfung | σbsP,A-A | N/mm² |
| Biegespannung Einbau | σbDV,A-A | N/mm² |
| Schubspannung Betrieb | τSB | N/mm² |
| Schubspannung Prüfung | τSP | N/mm² |
| Schubspannung Einbau | τDV | N/mm² |
| Vergleichsspannung Betrieb | σVSB,A-A | N/mm² |
| Vergleichsspannung Prüfung | σVSP,A-A | N/mm² |
| Vergleichsspannung Einbau | σVDV,A-A | N/mm² |
| Bedingung | B1 | – |
| Bedingung | B2 | – |
| Bedingung | B3 | – |
| Biegemoment Betrieb | MSB,B-B | N/mm |
| Biegemoment Prüfung | MSP,B-B | N/mm |
| Biegemoment Einbau | MDV,B-B | N/mm |
| Widerstandsmoment | WB-B | m³ |
| Biegespannung Betrieb | σbsB,B-B | N/mm² |
| Biegespannung Prüfung | σbsP,B-B | N/mm² |
Häufige Fragen
Warum ist der Einbauzustand bei Spannringverbindungen häufig maßgebend?
Beim Anziehen wirkt die volle Schraubenkraft zum Verpressen der Dichtung, ohne dass ein Innendruck die Verbindung entlastet oder die Dichtung teilweise trägt. Bei weichen Dichtungen mit hohem Einbau-Dichtungskennwert kann die Einbau-Schraubenkraft die Betriebskraft deutlich übersteigen – dann bestimmen Biege- und Vergleichsspannung im Einbauzustand die Ringdimensionierung, nicht der Betriebsdruck.
Worin unterscheidet sich der Kraftfluss vom geschraubten Flansch?
Beim Flansch verlaufen viele Schraubenkräfte parallel zur Behälterachse über den Lochkreis. Beim Spannring werden Axialkraft und Dichtungskraft über die geneigten Flanken der Bördel als Radial- und Umfangsbelastung in den geteilten Ring umgeleitet, der von wenigen Spannschrauben zusammengehalten wird. Der Ring wird dadurch vorwiegend auf Biegung um seine Profilachse beansprucht, und die Flankenneigung bestimmt über die Keilwirkung das Verhältnis von Schraubenkraft zu erzeugter Axialkraft.
Welche Rolle spielen die Dichtungskennwerte in der Berechnung?
Der Einbau-Kennwert beschreibt die Flächenpressung, die die Dichtung beim Montieren zum ersten Abdichten benötigt; der Betriebs-Kennwert die unter Innendruck erforderliche Restpressung, multipliziert mit dem Sicherheitsfaktor gegen Undichtigkeit. Falsche oder für den Dichtungstyp unpassende Kennwerte führen entweder zu undichten Verbindungen oder zu unnötig hohen Schraubenkräften und damit überbeanspruchten Ringen – die Werte sollten vom Dichtungshersteller für Werkstoff und Betriebstemperatur bestätigt sein.
Sind Spannringverschlüsse für alle Drücke und Nennweiten geeignet?
Nein. Mit wachsendem Durchmesser und Druck steigen die im Ring umzuleitenden Kräfte stark an, sodass Spannringverbindungen vor allem im Bereich kleiner bis mittlerer Nennweiten und moderater Drücke wirtschaftlich sind. Bei zyklischer Belastung ist zusätzlich das Setzen der Dichtung und das mögliche Aufweiten des Rings zu beachten; für Schnellverschlüsse an Druckbehältern gelten außerdem besondere sicherheitstechnische Anforderungen gegen unbeabsichtigtes Öffnen unter Druck.