Stoffwerte von Gasgemischen berechnen – Modul N2H2

Das Modul Gasmix berechnet die thermophysikalischen Stoffwerte von Gasgemischen aus den acht Komponenten Stickstoff (N 2 ), Sauerstoff (O 2 ), Wasserstoff (H 2 ), Kohlenmonoxid (CO), Kohlendioxid (CO 2 ), Wasserdampf (H 2 O), Schwefeldioxid (SO 2 ) und Schwefeltrioxid (SO 3 ).

Modul N2H2Regelwerk Poling Bruce E., Prausnitz John M., O'Connell John P. "The Properties of Gases & Liquids", McGraw Hill, 5. AuflageLesedauer 6 minDE / EN

Aufgabenstellung und Berechnungsziel

Das Modul Gasmix berechnet die thermophysikalischen Stoffwerte von Gasgemischen aus den acht Komponenten Stickstoff (N2), Sauerstoff (O2), Wasserstoff (H2), Kohlenmonoxid (CO), Kohlendioxid (CO2), Wasserdampf (H2O), Schwefeldioxid (SO2) und Schwefeltrioxid (SO3). Aus der vorgegebenen Zusammensetzung ermittelt es unter anderem Molmasse, Gaskonstante, Dichte, Realgasfaktor, spezifische Wärmekapazität, Enthalpie, Isentropenexponent, Wärmeleitfähigkeit, Viskosität und Prandtl-Zahl des Gemischs. Grundlage sind die anerkannten Mischungs- und Korrelationsmethoden aus Poling, Prausnitz, O'Connell: "The Properties of Gases & Liquids" (McGraw-Hill, 5. Auflage).

Wer Stoffwerte von Gasgemischen berechnen muss, braucht sie in der Praxis vor allem für Wärmeübertrager-Auslegung, Verdichter- und Ventilatorberechnungen, Druckverlustrechnungen und Sicherheitsventil-Abblaseleistungen: Ohne konsistente Werte für Dichte, cp, Isentropenexponent und Viskosität ist keine dieser Rechnungen belastbar. Typische Anwendungsfälle sind Rauchgase, Synthesegase, Prozessabgase aus der Schwefelsäureherstellung oder inertisierte Atmosphären im Anlagenbau.

Das Modul setzt voraus, dass alle Komponenten vollständig gasförmig vorliegen. Eine mögliche Teilkondensation von Wasser, Schwefelsäure oder schwefliger Säure unterhalb des Taupunkts wird nicht abgebildet und muss separat geprüft werden.

Regelwerk und Berechnungsbasis: Poling Bruce E., Prausnitz John M., O'Connell John P. "The Properties of Gases & Liquids", McGraw Hill, 5. Auflage

So läuft die Berechnung ab

  1. Zusammensetzung vorgeben: Die Anteile der Komponenten Stickstoff, Sauerstoff, Wasserstoff, Kohlenmonoxid, Kohlendioxid, Wasserdampf, Schwefeldioxid und Schwefeltrioxid werden eingegeben. Das Modul prüft die Summe der Anteile — sie muss 100 % ergeben, damit die Mischung konsistent definiert ist.
  2. Molmasse und Gaskonstante der Mischung: Aus den Stoffmengenanteilen und den Molmassen der Reinstoffe wird die mittlere Molmasse des Gasgemischs gebildet; daraus folgt unmittelbar die spezifische Gaskonstante der Mischung.
  3. Kalorische Stoffwerte: Spezifische Wärmekapazität, Enthalpie und Isentropenexponent werden aus den temperaturabhängigen Reinstoffwerten anteilig gemischt. Der Realgasfaktor korrigiert die Abweichung vom idealen Gasverhalten bei höheren Drücken.
  4. Transportgrößen ermitteln: Viskosität und Wärmeleitfähigkeit des Gemischs werden mit Mischungsregeln nach Poling/Prausnitz/O'Connell berechnet, die die unterschiedlichen Molmassen der Komponenten berücksichtigen — eine einfache lineare Mischung wäre hier besonders bei Wasserstoffanteilen deutlich falsch.
  5. Abgeleitete Kennzahlen: Aus den Grundgrößen folgen Dichte, Temperaturleitfähigkeit, thermischer Ausdehnungskoeffizient und Prandtl-Zahl beim gewünschten Druck- und Temperaturzustand. Die Werte können direkt in Wärmeübergangs- und Druckverlustmodule übernommen werden.
Eingabegrößen24 / 51 Größen
GrößeSymbolEinheit
Gasgemisch_Stoffname
Temperaturϑ1 ϑ2°C
Temperaturϑ1 ϑ2°C
Druckp1 p2Pa
Druckp1 p2Pa
Dichteρ1 ρ2kg/m³
Dichteρ1 ρ2kg/m³
Spezifische Wärmekapazitätcp1 cp2J/(kg·K)
Spezifische Wärmekapazitätcp1 cp2J/(kg·K)
Dynamische Viskositätη1 η2mPa·s
Dynamische Viskositätη1 η2mPa·s
Kinematische Viskositätν1 ν2m²/s
Kinematische Viskositätν1 ν2m²/s
Wärmeleitfähigkeitλ1 λ2W/(m·K)
Wärmeleitfähigkeitλ1 λ2W/(m·K)
Prandtl-ZahlPr1 Pr2-
Prandtl-ZahlPr1 Pr2-
Spezifische Enthalpieh1 h2J/kg
Spezifische Enthalpieh1 h2J/kg
StickstoffN2mol-%
WasserstoffH2mol-%
StickstoffN2Ma-%
WasserstoffH2Ma-%
KohlenmonoxidCOmol-%

Gelöstes Beispiel

Für ein trockenes, SO2-freies Rauchgas mit 76 Vol.-% N2, 4 Vol.-% O2, 12 Vol.-% CO2 und 8 Vol.-% H2O sind Molmasse, spezifische Gaskonstante und Dichte bei 250 °C und 1,013 bar (abs.) zu bestimmen.

Gegebene Werte

Stickstoff N276 Vol.-%
Sauerstoff O24 Vol.-%
Kohlendioxid CO212 Vol.-%
Wasserdampf H2O8 Vol.-%
Temperatur T250 °C = 523,15 K
Druck p (abs.)1,013 bar

Lösungsweg

1

Mittlere Molmasse des Gemischs

Bei idealem Gasverhalten entsprechen Volumenanteile den Stoffmengenanteilen yi. Mit den Molmassen M(N2) = 28,013, M(O2) = 31,999, M(CO2) = 44,010 und M(H2O) = 18,015 kg/kmol:

M = Σ yi · Mi = 0,76 · 28,013 + 0,04 · 31,999 + 0,12 · 44,010 + 0,08 · 18,015
M = 29,29 kg/kmol

2

Spezifische Gaskonstante

R = Ru / M = 8 314,46 / 29,29 J/(kg·K)

R = 283,8 J/(kg·K)

3

Dichte aus der idealen Gasgleichung

ρ = p / (R · T) = 101 300 / (283,8 · 523,15) kg/m³

ρ = 0,682 kg/m³

Ergebnis

Molmasse M29,29 kg/kmol
Spez. Gaskonstante R283,8 J/(kg·K)
Dichte ρ (250 °C; 1,013 bar)0,682 kg/m³

Alle Werte sind beispielhaft. Maßgeblich sind das jeweils gültige Regelwerk und die projektspezifischen Randbedingungen.

Häufige Fragen

Warum darf ich die Viskosität eines Gasgemischs nicht einfach linear aus den Reinstoffwerten mitteln?

Die Viskosität von Gasgemischen hängt stark von den Molmassenverhältnissen der Komponenten ab. Bei Gemischen mit leichten Komponenten wie Wasserstoff neben schweren wie SO2 oder CO2 liefert eine lineare Mittelung nach Stoffmengenanteilen erhebliche Fehler. Deshalb verwenden die Methoden nach Poling/Prausnitz/O'Connell Wechselwirkungsterme (z. B. nach Wilke), die diese Effekte korrekt abbilden.

Was passiert, wenn das Gemisch Wasserdampf enthält und die Temperatur unter den Taupunkt fällt?

Das Modul rechnet grundsätzlich einphasig gasförmig. Teilkondensation von Wasser oder — bei SO3-haltigen Gasen besonders kritisch — von Schwefelsäure wird nicht berücksichtigt. Unterhalb des Wasser- bzw. Säuretaupunkts sind die berechneten Stoffwerte daher nicht mehr repräsentativ; der Taupunkt muss separat geprüft werden, etwa bei Rauchgaskondensation oder in Abgaswärmeübertragern.

Wofür brauche ich den Isentropenexponenten des Gemischs?

Der Isentropenexponent κ geht in Verdichtungsarbeit, Düsen- und Sicherheitsventilrechnungen sowie in die Ermittlung kritischer Druckverhältnisse ein. Da κ = cp/cv temperatur- und zusammensetzungsabhängig ist, sollte er für den tatsächlichen Betriebszustand berechnet und nicht pauschal mit 1,4 (Luft) angesetzt werden — CO2- oder SO2-reiche Gase haben deutlich kleinere Werte.

Gilt die Berechnung auch bei hohen Drücken?

Der Realgasfaktor Z korrigiert moderate Abweichungen vom idealen Gasverhalten. In der Nähe des kritischen Punkts einzelner Komponenten oder bei sehr hohen Drücken stoßen generalisierte Korrelationen jedoch an Grenzen; dort sind komponentenspezifische Zustandsgleichungen oder Referenzstoffdaten vorzuziehen.

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