Strömung durch Querschnittsverengungen und -erweiterungen berechnen – Modul LC

Das Modul L1.3 berechnet Druckverluste von Einbauten und Formstücken in Rohrleitungen nach dem VDI-Wärmeatlas, 12.

Modul LCRegelwerk VDI-Wärmeatlas, 12. Auflage 2019Lesedauer 7 minDE / EN

Aufgabenstellung und Berechnungsziel

Das Modul L1.3 berechnet Druckverluste von Einbauten und Formstücken in Rohrleitungen nach dem VDI-Wärmeatlas, 12. Auflage 2019: Querschnittsverengungen und -erweiterungen, Normblenden, Normdüsen und Normventuridüsen, recht- und schiefwinklige T-Stücke, Umlenkungen (Krümmer, Bögen) sowie Ventile und Schieber. Solche Einzelwiderstände werden über dimensionslose Widerstandsbeiwerte ζ erfasst, die den Druckverlust auf den Staudruck einer Bezugsgeschwindigkeit beziehen.

In realen Rohrnetzen dominieren die Einzelwiderstände häufig den Gesamtdruckverlust – gerade bei kurzen Leitungen mit vielen Armaturen und Richtungsänderungen. Wer den Druckverlust einer Rohrleitung berechnen will, muss deshalb neben der Rohrreibung (Modul L1.2) jeden Krümmer, jedes T-Stück und jede Armatur mit seinem Widerstandsbeiwert ansetzen. Bei Normblenden und Normdüsen kommt eine zweite Anwendung hinzu: Sie dienen als genormte Drosselgeräte zur Durchflussmessung, wobei der bleibende Druckverlust vom Wirkdruck zu unterscheiden ist.

Die Widerstandsbeiwerte gelten für Gase und Flüssigkeiten gleichermaßen, solange die Strömung als inkompressibel behandelt werden darf. Sie hängen von der Geometrie – Durchmesserverhältnis, Kantenform, Umlenkwinkel, Krümmungsradius – und teilweise von der Reynolds-Zahl ab; das Modul wertet die entsprechenden Beziehungen und Kennwerte des VDI-Wärmeatlas aus.

Regelwerk und Berechnungsbasis: VDI-Wärmeatlas, 12. Auflage 2019

Berechnungsumfang

So läuft die Berechnung ab

  1. Einbauelement wählen: Zuerst wird der Widerstandstyp festgelegt: stetige oder plötzliche Verengung/Erweiterung, Normblende, Normdüse oder Venturidüse, T-Stück (trennend oder vereinigend, recht- oder schiefwinklig), Umlenkung oder Armatur (Ventil, Schieber).
  2. Geometrie und Bezugsquerschnitt festlegen: Eingegeben werden die maßgebenden Geometriegrößen wie Durchmesser vor und hinter dem Element, Öffnungsverhältnis, Umlenkwinkel oder Krümmungsradius. Wichtig ist der Bezugsquerschnitt: Der Widerstandsbeiwert bezieht sich stets auf den Staudruck einer definierten Geschwindigkeit, meist der im engeren oder im Zulaufquerschnitt.
  3. Strömungsdaten bereitstellen: Aus Volumen- bzw. Massenstrom, Dichte und Viskosität des Fluids werden Geschwindigkeit und Reynolds-Zahl im Bezugsquerschnitt gebildet; bei Reynolds-abhängigen Beiwerten (z. B. Blenden bei kleinen Re, Armaturen) geht diese in die Auswertung ein.
  4. Widerstandsbeiwert auswerten: Für das gewählte Element wird der Widerstandsbeiwert nach den Beziehungen des VDI-Wärmeatlas bestimmt – bei der plötzlichen Erweiterung etwa aus dem Flächenverhältnis (Borda-Carnot), bei Blenden aus dem Öffnungsverhältnis, bei Krümmern aus Winkel, Krümmungsradius und Rauheit.
  5. Druckverlust berechnen und aufsummieren: Der Druckverlust des Elements folgt aus Δp = ζ·ρ·w²/2. Für einen Leitungsstrang werden die ζ-Werte aller Einbauten – korrekt auf denselben Bezugsquerschnitt umgerechnet – mit der Rohrreibung zum Gesamtdruckverlust addiert.
Eingabegrößen24 / 88 Größen
GrößeSymbolEinheit
Dichte des Fluidsρkg/m³
Fluidgeschwindigkeitwim/s
Widerstandsbeiwertζ '-
RohrabstandSm
Widerstandsbeiwert Gefäß (Bild 4)ζEg-
DruckverlustΔpPa
Widerstandsbeiwert verengte Rohrleit.ζE-
DruckverlustΔpvPa
DruckverlustΔpvPa
Widerstandsbeiwert Rohrbündel vorstehender EinlaufζEv-
Verengter Durchmesserdim
Erweiterter Durchmesserdkm
Reynolds-ZahlRei-
DruckverlustΔpsPa
Widerstandsbeiwert Rohrbündel scharfer EinlaufζEs-
Faktorb-
WiderstandsbeiwertζEg0-
Geschwindigkeit (erweitert)w2m/s
DruckverlustΔpPa
DruckverlustΔpPa
Öffnungswinkel der Erweiterungα°
NormteilkennungN 1 / 2 / 3-
WirkdruckpWPa
Durchmesser Messblendedm
Berechnungsergebnisse2 Größen
GrößeSymbolEinheit
Widerstandsbeiwertζ-
DruckverlustΔpPa

Berechnungsoptionen

Typ der Umlenkung

90° Krümmer · Kniestücke · Zusammengesetztes Kniestück · 90° Rohrbogen

Form

1 · 2 · 4 · 8

Rauigkeit

rau · glatt

Bauform

Plötzliche Verengung · Stetige Querschnittsverengung · Plötzliche Querschnittserweiterung · Stetige Querschnittserweiterung · Blenden · T-Stücke · Umlenkungen · Ventile und Schieber

Gelöstes Beispiel

In einer Wasserleitung erweitert sich der Querschnitt plötzlich von DN 50 auf DN 80 (Innendurchmesser 50 mm bzw. 80 mm). Die Geschwindigkeit im engen Rohr beträgt 2,0 m/s, das Wasser hat 20 °C. Gesucht sind Widerstandsbeiwert und Druckverlust der plötzlichen Erweiterung nach Borda-Carnot.

Gegebene Werte

Durchmesser eng, d150 mm
Durchmesser weit, d280 mm
Geschwindigkeit im engen Rohr, w12,0 m/s
Dichte Wasser (20 °C), ρ998 kg/m³

Lösungsweg

1

Flächenverhältnis und Geschwindigkeit im weiten Rohr

A1/A2 = (d1/d2)2 = (50/80)2 = 0,391

Kontinuität: w2 = w1 · A1/A2 = 2,0 · 0,391 = 0,781 m/s

2

Widerstandsbeiwert nach Borda-Carnot

Bezogen auf den Staudruck der Zulaufgeschwindigkeit w1:

ζ = (1 − A1/A2)2 = (1 − 0,391)2 = 0,371

3

Druckverlust berechnen

Δpv = ζ · ρ/2 · w12 = 0,371 · 499 kg/m³ · 4,0 m²/s² ≈ 741 Pa

Kontrolle über die Stoßverlust-Form: Δpv = ρ/2 · (w1 − w2)2 = 499 · (2,0 − 0,781)2 ≈ 741 Pa – identisch.

Der Verlust entspricht rund 37 % des Zulauf-Staudrucks; ein Diffusor gleicher Querschnitte würde den größten Teil davon als Druckrückgewinn erhalten.

Ergebnis

Widerstandsbeiwert ζ (bezogen auf w1)0,371
Druckverlust Δpvca. 741 Pa ≈ 7,4 mbar

Alle Werte sind beispielhaft. Maßgeblich sind das jeweils gültige Regelwerk und die projektspezifischen Randbedingungen.

Häufige Fragen

Auf welche Geschwindigkeit bezieht sich der Widerstandsbeiwert ζ?

Das ist die häufigste Fehlerquelle: ζ ist nur zusammen mit seinem Bezugsquerschnitt definiert. Bei Verengungen und Blenden wird meist auf die Geschwindigkeit im engeren Querschnitt bezogen, bei Krümmern und Armaturen auf die Rohrgeschwindigkeit. Wer einen ζ-Wert aus einer Quelle übernimmt, muss den Bezug prüfen und gegebenenfalls mit dem Quadrat des Flächenverhältnisses umrechnen – sonst entstehen Fehler um Faktoren.

Warum erzeugt eine plötzliche Erweiterung mehr Verlust als eine stetige?

Bei der plötzlichen Erweiterung löst die Strömung an der Kante ab und der Strahl vermischt sich verlustbehaftet mit dem umgebenden Totwasser (Carnot'scher Stoßverlust); die kinetische Energie der Übergeschwindigkeit wird großteils dissipiert statt in Druck zurückgewonnen. Ein Diffusor mit kleinem Öffnungswinkel (etwa 6 bis 8 Grad) verzögert die Strömung dagegen anliegend und gewinnt einen Großteil des Staudrucks als Druckanstieg zurück.

Worin unterscheiden sich Wirkdruck und bleibender Druckverlust bei einer Normblende?

Der Wirkdruck ist die Druckdifferenz zwischen den genormten Entnahmestellen unmittelbar vor und hinter der Blende – die Messgröße der Durchflussmessung. Stromabwärts gewinnt die Strömung durch Verzögerung einen Teil davon zurück; nur der Rest ist der bleibende Druckverlust, der die Pumpe oder das Gebläse belastet. Venturidüsen haben bei gleichem Wirkdruck einen wesentlich kleineren bleibenden Verlust als Blenden – deshalb wählt man sie bei energetisch kritischen Messstellen.

Kann ich Widerstandsbeiwerte einfach addieren, wenn Einbauten dicht hintereinander liegen?

Nur mit Vorbehalt. Die tabellierten ζ-Werte gelten für ungestörte Zu- und Abströmung. Liegen Krümmer, T-Stücke oder Armaturen dichter als etwa 5 bis 10 Rohrdurchmesser hintereinander, beeinflussen sich ihre Strömungsfelder; der Gesamtverlust kann höher oder niedriger ausfallen als die Summe. Für die Auslegung ist die einfache Addition meist ausreichend, bei Messstrecken sind dagegen die genormten Einlaufstrecken zwingend einzuhalten.

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