T-Stücke mit senkrechtem Abzweig berechnen – Modul TST

Das Modul TST berechnet T-Stücke mit senkrechtem Abzweig unter Innendruck nach AD 2000-Merkblatt B9 und DIN 2413 – also innendruckbeaufschlagte zylindrische Grundkörper, in die ein Stutzen rechtwinklig einbindet, wahlweise mit Zwickel oder zusätzlicher Verstärkung.

Modul TSTRegelwerk AD2000 B9 & DIN 2413Lesedauer 5 minDE / EN

Aufgabenstellung und Berechnungsziel

Das Modul TST berechnet T-Stücke mit senkrechtem Abzweig unter Innendruck nach AD 2000-Merkblatt B9 und DIN 2413 – also innendruckbeaufschlagte zylindrische Grundkörper, in die ein Stutzen rechtwinklig einbindet, wahlweise mit Zwickel oder zusätzlicher Verstärkung. Solche Abzweige finden sich in Rohrleitungssystemen, an Sammlern und Verteilern sowie an Behälterstutzen im Apparatebau.

Die Ausschnittsverstärkung ist der kritische Nachweis jedes Abzweigs: Die Öffnung im Grundkörper schwächt den tragenden Querschnitt, und die Membranspannungen konzentrieren sich am Ausschnittsrand. Nach dem in AD 2000 B9 verankerten Prinzip der beitragenden Flächen müssen die mittragenden Wandquerschnitte von Grundkörper und Stutzen die durch den Druck belastete Fläche kompensieren. Das Modul führt diesen Nachweis für Grundkörper und Abzweig und ermittelt die erforderlichen Mindestwanddicken beider Bauteile.

Wer ein T-Stück nach AD 2000 berechnen will, gibt Berechnungsüberdruck und Berechnungstemperatur, die Werkstoffe mit Festigkeitskennwerten und Sicherheitsbeiwerten für Grundkörper und Stutzen sowie die Geometrie (Durchmesser, ausgeführte Wanddicken, Übergangsradius) vor; Zuschläge für Wanddickenunterschreitung und Korrosion werden getrennt für beide Bauteile berücksichtigt.

Regelwerk und Berechnungsbasis: AD2000 B9 & DIN 2413

So läuft die Berechnung ab

  1. Berechnungsdaten und Werkstoffe festlegen: Berechnungsüberdruck und Berechnungstemperatur werden vorgegeben. Für Grundkörper und Stutzen werden getrennt die Werkstoffe mit ihren Festigkeitskennwerten K bei Berechnungstemperatur und den Sicherheitsbeiwerten S gewählt; daraus folgen die zulässigen Spannungen beider Bauteile.
  2. Geometrie des T-Stücks erfassen: Eingegeben werden Außendurchmesser und ausgeführte Wanddicke von Grundkörper und Stutzen sowie der Radius des Stutzenübergangs. Das Modul bildet daraus die korrodierten Innendurchmesser, mit denen die Nachweise geführt werden.
  3. Zuschläge berücksichtigen: Die Zuschläge c1 für Wanddickenunterschreitung und c2 für Korrosion/Abnutzung werden für Grundkörper und Stutzen getrennt angesetzt und von den ausgeführten Wanddicken abgezogen, bevor die rechnerischen Wanddicken in den Verschwächungsnachweis eingehen.
  4. Verschwächungsnachweis am Abzweig: Nach AD 2000 B9 wird die Ausschnittsverstärkung geprüft: Die mittragenden Querschnittsflächen von Grundkörperwand und Stutzenwand innerhalb der mittragenden Längen müssen die drucktragende Fläche am Ausschnitt kompensieren. Bei unterschiedlichen Werkstoffen wird die geringere Festigkeit des Stutzens entsprechend gewichtet; optional wird eine zusätzliche Verstärkung (Scheibe/Zwickel) einbezogen.
  5. Mindestwanddicken ausweisen: Als Ergebnis liefert das Modul die erforderlichen Mindestwanddicken (ohne Zuschläge) für Grundkörper und Stutzen und stellt sie den ausgeführten Wanddicken gegenüber. Ist die ausgeführte Wanddicke abzüglich Zuschlägen größer als die Mindestwanddicke, ist der Nachweis erfüllt.
Eingabegrößen24 / 40 Größen
GrößeSymbolEinheit
Berechnungsüberdruckpbar
BerechnungsüberdruckpN/mm²
BerechnungstemperaturT°C
Außendurchmesser GrundkörperDa ≤ 1.2∙D1mm
Innendurchmesser Grundkörper (korrodiert)D1mm
Ausgeführte Wanddicke Grundkörpersgmm
Außendurchmesser Stutzendamm
Innendurchmesser Stutzen (korrodiert)d2mm
Ausgeführte Wanddicke Stutzenssmm
Werkstoff GrundkörperGrundkörper
Festigkeitskennwert GrundkörperK1N/mm²
Sicherheitsbeiwert GrundkörperS
Werkstoff StutzenStutzen
Festigkeitskennwert StutzenK2 ≤ K1N/mm²
Radius des StutzenübergangsR ≤ s1mm
Zuschlag für Wanddickenunterschreitung Grundkörperc1mm
Korrosions- / Abnutzungszuschlag Grundkörperc2mm
Schweißfaktorv
Mittragende Grundkörperlängea1'mm
Mittragende Stutzenlängea2'mm
Druckbelastete FlächeApmm²
Tragende Querschnittsfläche(Aσ = Aσ1 + Aσ2 + AσV) Aσmm²
Mindestwanddicke Grundkörper (Ohne Zuschläge)s1mm
Mindestwanddicke Stutzen (Ohne Zuschläge)s2mm

Häufige Fragen

Worin unterscheidet sich die Berechnung nach AD 2000 B9 von der nach DIN 2413?

AD 2000 B9 ist das Merkblatt für Ausschnitte in Druckbehälterwandungen und arbeitet mit dem Verschwächungs- bzw. Flächenvergleichsverfahren, während DIN 2413 die Berechnung von Rohrleitungen aus Stahl unter Innendruck regelt und für Abzweige eigene Regeln enthält. Das Modul verbindet beide Regelwerke: Rohrleitungs-T-Stücke werden mit den Randbedingungen der DIN 2413, Behälterabzweige mit denen der AD 2000 geführt. Die zugrunde liegende Mechanik – Kompensation der Ausschnittsschwächung durch mittragende Wandquerschnitte – ist identisch.

Bis zu welchem Durchmesserverhältnis darf ein senkrechter Abzweig so berechnet werden?

Das Verfahren der beitragenden Flächen gilt für Abzweige, deren Durchmesserverhältnis di/DI die Grenzen des Regelwerks einhält; bei sehr großen Abzweigen (Durchmesserverhältnis nahe 1, klassisches Hosenrohr) versagt die Flächenkompensation, weil kaum noch mittragender Grundkörperquerschnitt verbleibt. Solche Konstruktionen erfordern zusätzliche Nachweise über Zwickelverstärkungen oder eine Analyse nach dem Ersatzmodell – das Modul deckt den Zwickelfall gesondert ab.

Warum werden Zuschläge und Sicherheitsbeiwerte für Grundkörper und Stutzen getrennt eingegeben?

Grundkörper und Stutzen bestehen häufig aus unterschiedlichen Werkstoffen mit verschiedenen Toleranzfeldern (z. B. nahtloses Rohr mit 12,5 % Minustoleranz gegen Blech mit fester Untergrenze). Auch die Korrosionsbeanspruchung kann unterschiedlich sein. Für den Verschwächungsnachweis zählt der jeweils tatsächlich tragende, korrodierte Querschnitt jedes Bauteils – deshalb werden c1, c2, K und S bauteilweise geführt. Hat der Stutzenwerkstoff eine geringere zulässige Spannung als der Grundkörper, darf seine Fläche nur anteilig angerechnet werden.

Welche Rolle spielt der Radius des Stutzenübergangs?

Der Übergangsradius entschärft die Kerbwirkung an der Einbindung des Abzweigs. Zu kleine Radien erhöhen die örtlichen Spannungsspitzen und sind besonders bei schwellender Beanspruchung (Wechseldruck) kritisch; die Regelwerke fordern Mindestradien in Abhängigkeit von den Wanddicken. Für den Ermüdungsnachweis nach AD 2000 S1/S2 geht die Übergangsgeometrie direkt in die Spannungsformzahl ein.

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