Unversteifte Zylinderschalen unter Außendruck berechnen – Modul SUEP

Behälter unter Vakuum, doppelwandige Apparate mit beheiztem Ringraum und Kolonnen mit Außendruckbeanspruchung versagen nicht durch Bersten, sondern durch Einbeulen der Schale.

Modul SUEPRegelwerk DIN EN 13445-3/8 & DIN EN 14025Lesedauer 7 minDE / EN

Aufgabenstellung und Berechnungsziel

Behälter unter Vakuum, doppelwandige Apparate mit beheiztem Ringraum und Kolonnen mit Außendruckbeanspruchung versagen nicht durch Bersten, sondern durch Einbeulen der Schale. Dieses Modul führt den Stabilitätsnachweis nach DIN EN 13445-3, Abschnitt 8, ergänzt um die Anforderungen der DIN EN 14025 für Gefahrguttanks: unversteifte Zylinderschalen, Zylinder mit leichten und schweren Versteifungen, Kegelschalen, Kegel-Zylinder-Verbindungen und Kugelschalen unter Außendruck.

Der Nachweis kombiniert zwei Versagensgrenzen: den Grenzdruck, bei dem die Umfangsspannung die Fließgrenze erreicht, und den theoretischen elastischen Beuldruck, der von Elastizitätsmodul, Wanddicke, Radius, unversteifter Länge und der Umfangswellenzahl der Beulform abhängt. Über die Beulkurve der Norm – die den Einfluss von Imperfektionen abbildet – und den Sicherheitsbeiwert nach Abschnitt 8.4.4 ergibt sich daraus der zulässige Außendruck. Da reale Schalen nie ideal rund sind, prüft das Modul zusätzlich die zulässige Unrundheit.

Wer eine Zylinderschale unter Außendruck nach EN 13445 berechnen will – etwa für die Vakuumauslegung eines Behälters oder die Dimensionierung von Versteifungsringen –, erhält mit diesem Modul den vollständigen Beulnachweis einschließlich aller Zwischengrößen von der Umfangsdehnung bis zur Beulwellenzahl.

Regelwerk und Berechnungsbasis: DIN EN 13445-3/8: 2021-12 & DIN EN 14025: 2018-09

Berechnungsumfang

So läuft die Berechnung ab

  1. Geometrie und Zuschläge festlegen: Erfasst werden Schalenform (Zylinder, Kegel, Kugel, Kegel-Zylinder-Verbindung), Durchmesser, Nennwanddicke und die unversteifte Länge zwischen wirksamen Auflagern (Böden, Flansche, Versteifungsringe). Von der Nennwanddicke werden Wanddickenunterschreitung, Korrosionszuschlag und Umformverlust abgezogen – der Beulnachweis wird mit der so reduzierten Wanddicke geführt, da er außerordentlich wanddickenempfindlich ist.
  2. Werkstoffkennwerte bereitstellen: Benötigt werden Elastizitätsmodul, Querkontraktionszahl und die 0,2%-Dehngrenze bei Betriebstemperatur; bei austenitischen Stählen gelten wegen des früh einsetzenden nichtlinearen Werkstoffverhaltens abweichende Ansätze für die zulässige Elastizitätsgrenze. Alle Kennwerte werden bei Berechnungstemperatur angesetzt.
  3. Grenzdruck für Fließen ermitteln: Zunächst wird der Druck Py berechnet, bei dem die mittlere Umfangsspannung der Schale die maßgebende Elastizitätsgrenze erreicht. Er charakterisiert das plastische Versagen kurzer, dickwandiger Schalen und dient als Bezugsgröße für die Beulkurve.
  4. Theoretischen Beuldruck berechnen: Der elastische Beuldruck Pm wird für die ungünstigste Umfangswellenzahl der Beulform bestimmt – das Modul variiert die Wellenzahl und weist die maßgebende aus. Eingangsgrößen sind E-Modul, Wanddicke-zu-Radius-Verhältnis und unversteifte Länge; bei Kegeln wird ein äquivalenter Zylinder angesetzt, bei Kugelschalen die Kugelbeulformel.
  5. Zulässigen Druck über die Beulkurve ableiten: Aus dem Verhältnis Pm/Py liefert die Beulkurve der Norm (über die Umfangsdehnung beim Beulen) den ertragbaren Druck Pr, der reale Vorbeulen und Eigenspannungen berücksichtigt. Division durch den Sicherheitsbeiwert nach Abschnitt 8.4.4 ergibt den zulässigen Außendruck, der dem vorhandenen Außendruck gegenübergestellt wird.
  6. Unrundheit und Versteifungen prüfen: Abschließend wird kontrolliert, ob die Unrundheit der gefertigten Schale innerhalb der zulässigen Toleranz liegt, die dem Nachweis zugrunde liegt. Reicht der zulässige Druck nicht aus, können leichte oder schwere Versteifungsringe eingeführt werden, die die unversteifte Länge verkürzen; deren erforderliche Steifigkeit weist das Modul ebenfalls nach.
Eingabegrößen24 / 189 Größen
GrößeSymbolEinheit
Lastfallcase
Berechnungstemperaturt°C
BerechnungsdruckPMPa
Eingesetzter Werkstoffcylinder
Wanddickenunterschreitungδemm
Korrosionszuschlagc2mm
Wanddickenverlust bei Umformungδmmm
Summe der Zuschläge∑(δ)mm
Kennwert nach Werkstoffnorm (Re, Rp1, Rm)RKN/mm²
Krümmungsabweichung über 30%?2=nein)
Nennwanddickeenmm
basierend auf max. Bogenlänge des MessbereichsBogmm
QuerschnittsflächeAemm²
Querschnitt FlanschAfmm²
Modifizierter Versteifungsquerschnitt(8.5.3-17) Ammm²
Querschnittsfläche der VersteifungASmm²
Querschnitt StegAwmm²
radiale Höhe des Profilsdmm
maximaler KrümmungsradiusRKmaxmm
Dicke des Profil-Flanschesefmm
Berechnungsdicke des Stegsewmm
äußere Wölbungshöhe des Bodens 1h'mm
äußere Wölbungshöhe des Bodens 2h''mm
FlächenmomentIemm^4
Berechnungsergebnisse20 Größen
GrößeSymbolEinheit
Lastfallcase
BerechnungsdruckPMPa
Die Festigkeitsbedingung istPzul
Modifizierter Versteifungsquerschnitt(8.5.3-17) Ammm²
Umfangswellenzahlncyl
Theoretischer elastischer BeuldruckpmMPa
Grenzdruck für Fließen in Umfangsrichtung(8.5.3-15) pyMPa
Grenzdruck für Fließen in UmfangsrichtungpysMPa
Dehnung bei Versagenε
Max. Spannung in der SteifeσsMPa
Parameterπ · R/L Z
Verhältniswertpm/py
Verhältniswertpr/py
Berechnungswanddickeeamm
Faktor(8.5.3-19) δ
Faktor(8.5.3-40) dquer
zulässiger Druck(pr/S) pallMPa
Bedingung (8.5.3-41) ist:0 < σs < σes =
BedingungP = < = pr/S
zulässige Unrundheit(8.5.1-1)--

Berechnungsoptionen

Krümmungsabweichung über 30%?

Ja · Nein

Austenitischer Stahl?

Ja · Nein

Austenitischer Stahl?

Ja · Nein

Austenitischer Stahl?

Ja · Nein

T-Profil nach Bild 8.6-1,

Ja · Nein

a) Versteifung mit rechteckigem Profil?

Ja · Nein

c) Schwere Versteifung mit Rechteckprofil?

Ja · Nein

Leichte oder schwere Versteifung?

Leichte Versteifung · Schwere Versteifung

Häufige Fragen

Warum ist die zulässige Unrundheit beim Außendrucknachweis so wichtig?

Die Beulkurve der EN 13445-3 setzt eine begrenzte Formabweichung voraus – üblicherweise 0,5 % Unrundheit. Eine ovalere Schale erfährt unter Außendruck zusätzliche Umfangsbiegespannungen, die das Einbeulen deutlich früher auslösen; der reale Versagensdruck kann dann erheblich unter dem rechnerischen liegen. Deshalb gehört zur Berechnung immer die Kontrolle der gefertigten Geometrie, und das Modul weist die zulässige Unrundheit explizit aus.

Was unterscheidet leichte und schwere Versteifungen?

Leichte Versteifungsringe unterteilen den Mantel in kürzere Beulfelder und müssen dafür ausreichende Biegesteifigkeit besitzen; sie können aber gemeinsam mit der Schale in einer Gesamtbeulform versagen und werden entsprechend nachgewiesen. Schwere Versteifungen (z. B. Böden, Rohrböden, massive Ringe) gelten als unverschieblich-runde Auflager und begrenzen die Beulform vollständig. Die Einstufung entscheidet, welche unversteifte Länge und welcher Nachweis anzusetzen ist.

Warum werden austenitische Stähle beim Beulnachweis gesondert behandelt?

Austenitische Stähle wie 1.4571 haben keine ausgeprägte Streckgrenze und weichen schon deutlich unterhalb der 0,2%-Dehngrenze vom linear-elastischen Verhalten ab. Da der Beuldruck im elastisch-plastischen Übergangsbereich empfindlich vom Tangentenmodul abhängt, setzt die Norm für diese Werkstoffe eine reduzierte zulässige Elastizitätsgrenze an. Das Modul fragt die Werkstoffklasse deshalb explizit ab.

Muss ein Behälter, der nur beim Entleeren Unterdruck erfahren kann, auf volles Vakuum ausgelegt werden?

Wenn der Unterdruck nicht sicher verhindert wird – etwa durch eine ausreichend dimensionierte Belüftung – ist die Auslegung auf den maximal möglichen Außendruck erforderlich, im Grenzfall volles Vakuum (1 bar). Häufige Ursachen sind Kondensation von Dampf nach dem Abstellen, Abpumpen bei geschlossener Belüftung oder Temperatursturz. Die Entscheidung ist Teil der sicherheitstechnischen Bewertung; der Beulnachweis selbst erfolgt dann mit diesem Modul.

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