Wärmeübertragung bei erzwungener Konvektion: Querdurchströmte Rohrreihen und Rohrbündel berechnen – Modul GF

Dieses Modul berechnet den Wärmeübergang bei erzwungener Konvektion an querdurchströmten Rohrreihen und Rohrbündeln nach dem VDI-Wärmeatlas (12.

Modul GFRegelwerk VDI-Wärmeatlas, 12. Auflage 2019Lesedauer 7 minDE / EN

Aufgabenstellung und Berechnungsziel

Dieses Modul berechnet den Wärmeübergang bei erzwungener Konvektion an querdurchströmten Rohrreihen und Rohrbündeln nach dem VDI-Wärmeatlas (12. Auflage 2019, Abschnitt G7). Das quer angeströmte Rohrbündel ist die Kerngeometrie des Rohrbündel-Wärmeübertragers: Auf der Mantelseite strömt das Medium – gelenkt durch Umlenkbleche – überwiegend quer zu den Rohren, ebenso in Luftkühlern, Economisern und Rauchgas-Wärmeübertragern. Neben Kreisrohren werden auch ovale Rohrquerschnitte unterstützt.

Die Berechnung baut auf der Korrelation für den querumströmten Einzelzylinder auf und erweitert sie um die Bündeleffekte: Die Reynolds-Zahl wird mit der Geschwindigkeit im Hohlraum zwischen den Rohren gebildet (Hohlraumanteil ψ aus dem Querteilungsverhältnis), und ein Anordnungsfaktor erfasst, ob die Rohre fluchtend oder versetzt stehen. Versetzte Anordnungen führen das Fluid gezielt auf die nachfolgenden Rohrreihen und erreichen dadurch höhere Wärmeübergangskoeffizienten als fluchtende. Für Bündel mit weniger als zehn Rohrreihen wird zusätzlich ein Rohrreihenfaktor angesetzt.

Wer den mantelseitigen Wärmeübergang eines Rohrbündels berechnen will, erhält mit diesem Modul Nusselt-Zahl und Wärmeübergangskoeffizient des Bündels – die Basis jeder thermischen Auslegung von Rohrbündelapparaten nach dem VDI-Wärmeatlas.

Regelwerk und Berechnungsbasis: VDI-Wärmeatlas, 12. Auflage 2019

So läuft die Berechnung ab

  1. Rohrquerschnitt und Bündelgeometrie festlegen: Gewählt werden Rohrquerschnitt (kreisförmig oder oval) und Rohranordnung (fluchtend oder versetzt) mit dem Querteilungsverhältnis a = s₁/d und dem Längsteilungsverhältnis b = s₂/d aus den Rohrteilungen und dem Rohrdurchmesser.
  2. Hohlraumanteil und wirksame Reynolds-Zahl bilden: Aus dem Querteilungsverhältnis folgt der Hohlraumanteil ψ des Bündels (für b ≥ 1: ψ = 1 − π/(4a)). Die Reynolds-Zahl wird mit der Anströmgeschwindigkeit, der Überströmlänge l = (π/2)·d des Einzelrohres und der um 1/ψ erhöhten Geschwindigkeit im Bündel gebildet.
  3. Nusselt-Zahl des Einzelrohres berechnen: Mit der wirksamen Reynolds-Zahl und der Prandtl-Zahl wird die mittlere Nusselt-Zahl des querumströmten Einzelzylinders nach Gnielinski berechnet – als quadratische Überlagerung des laminaren und des turbulenten Grenzschichtanteils.
  4. Anordnungsfaktor des Bündels anwenden: Der Rohranordnungsfaktor f_A hebt die Einzelrohr-Nusselt-Zahl auf den Bündelwert an. Er hängt bei versetzter Anordnung im Wesentlichen vom Längsteilungsverhältnis, bei fluchtender Anordnung von beiden Teilungsverhältnissen ab.
  5. Rohrreihenkorrektur und Wärmeübergangskoeffizient: Bei Bündeln mit weniger als zehn Rohrreihen wird die Nusselt-Zahl mit einem Faktor für die Rohrreihenzahl abgemindert, da sich das turbulente Anströmprofil erst nach einigen Reihen ausbildet. Aus der Bündel-Nusselt-Zahl, der Wärmeleitfähigkeit und der Überströmlänge folgt der mittlere Wärmeübergangskoeffizient des Bündels.
Eingabegrößen24 / 42 Größen
GrößeSymbolEinheit
Anzahl der Rohrreihenn-
Außendurchmesser der Rohreda → l = π/2·dam
Querteilungs1 → a = s1/dam
Längsteilungs2 → b = s2/dam
Versetzungsteilungs3 → c = s3/dam
Freier StrömungsquerschnittF
Winkel (Kanal/Rohrachse)Θ°
Außendurchmesser der Rohreda → l = π/2·dam
Querteilungs1 → a = s1/da-
Längsteilungs2 → b = s2/da-
Versetzungsteilungs3 → c = s3/da-
Mittlerer DruckpPa
EintrittstemperaturϑE°C
AustrittstemperaturϑA°C
Mittlere Temperatur (ϑEA)/2ϑm°C
Dichteρkg/m³
Spezifische WärmekapazitätcpJ/(kg·K)
WärmeleitfähigkeitλW/(m·K)
Dynamische ViskositätηmPa·s
Kinematische Viskositätνm²/s
Prandtl-ZahlPr-
Mittlere WandtemperaturϑW°C
Prandtl-Zahl bei WandtemperaturPrW-
Fluid flüssig / gasförmig?<2>

Berechnungsoptionen

Fluid flüssig / gasförmig?

flüssig · 2

Rohrquerschnitt

Kreisrohr · Ovalrohr

Rohrquerschnitt

Einzelne Rohrreihe · Rohrbündel

Gelöstes Beispiel

Ein versetzt angeordnetes Rohrbündel (Rohraußendurchmesser d = 25 mm, Querteilungsverhältnis a = 2,0, Längsteilungsverhältnis b = 1,5, mehr als zehn Rohrreihen) wird quer mit Luft von 20 °C und der Anströmgeschwindigkeit w = 2 m/s angeströmt. Gesucht ist der mittlere Wärmeübergangskoeffizient des Bündels (Wandkorrektur vernachlässigt).

Gegebene Werte

Rohraußendurchmesser d25 mm
Querteilungsverhältnis a2,0
Längsteilungsverhältnis b1,5 (versetzt)
Anströmgeschwindigkeit w2 m/s
Kinematische Viskosität Luft (20 °C) ν15,32 · 10⁻⁶ m²/s
Wärmeleitfähigkeit λ0,0259 W/(m·K)
Prandtl-Zahl Pr0,71

Lösungsweg

1

Hohlraumanteil und wirksame Reynolds-Zahl

ψ = 1 − π/(4a) = 1 − π/8 ≈ 0,607 (gültig für b ≥ 1)

Überströmlänge l = (π/2) · d = 0,0393 m

Reψ = w · l / (ψ · ν) = 2 · 0,0393 / (0,607 · 15,32 · 10⁻⁶) ≈ 8 440

2

Nusselt-Zahl des Einzelrohres

Nulam = 0,664 · Reψ1/2 · Pr1/3 ≈ 54,4

Nuturb = 0,037 · Reψ0,8 · Pr / [1 + 2,443 · Reψ−0,1 · (Pr2/3 − 1)] ≈ 45,6

Nul,0 = 0,3 + (54,4² + 45,6²)1/271,3

3

Anordnungsfaktor für die versetzte Anordnung

fA = 1 + 2/(3b) = 1 + 2/(3 · 1,5) ≈ 1,444

NuBündel = fA · Nul,0 = 1,444 · 71,3 ≈ 103,0

Rohrreihenfaktor = 1 (mehr als zehn Reihen).

4

Wärmeübergangskoeffizient

α = NuBündel · λ / l = 103,0 · 0,0259 / 0,0393 ≈ 67,9 W/(m²·K)

Ergebnis

Hohlraumanteil ψ0,607
Reynolds-Zahl Re_ψ8 440
Nusselt-Zahl Einzelrohr71,3
Anordnungsfaktor f_A1,444
Nusselt-Zahl Bündel103,0
Wärmeübergangskoeffizient α≈ 67,9 W/(m²·K)

Alle Werte sind beispielhaft. Maßgeblich sind das jeweils gültige Regelwerk und die projektspezifischen Randbedingungen.

Häufige Fragen

Warum liefert die versetzte Rohranordnung einen besseren Wärmeübergang als die fluchtende?

Bei fluchtender Anordnung liegen die hinteren Rohre teilweise im Windschatten (Nachlauf) der vorderen, wo die Geschwindigkeit klein ist. Bei versetzter Anordnung wird die Strömung dagegen auf die Staupunkte der nächsten Reihe gelenkt, jedes Rohr wird voll angeströmt. Dem höheren Wärmeübergang steht ein höherer Druckverlust gegenüber – die Wahl der Anordnung ist immer eine Abwägung zwischen Übertragungsleistung und Pumpen- bzw. Gebläseleistung.

Mit welcher Geschwindigkeit wird die Reynolds-Zahl gebildet?

Grundlage ist die Anströmgeschwindigkeit auf den freien Querschnitt vor dem Bündel (Leerrohrgeschwindigkeit). Sie wird durch den Hohlraumanteil ψ dividiert und ergibt so die mittlere Geschwindigkeit im Lückenraum zwischen den Rohren. Ein häufiger Fehler ist, stattdessen die Geschwindigkeit im engsten Querschnitt anzusetzen – die VDI-Korrelation ist ausdrücklich auf die Hohlraumgeschwindigkeit w/ψ kalibriert.

Wann muss der Rohrreihenfaktor berücksichtigt werden?

Die Standardkorrelation gilt für Bündel mit zehn oder mehr Rohrreihen in Strömungsrichtung, bei denen sich ein bündeltypischer Turbulenzgrad eingestellt hat. Bei weniger Reihen ist der mittlere Wärmeübergang geringer, weil die ersten Reihen noch die turbulenzarme Anströmung sehen; der Korrekturfaktor gewichtet dafür die erste Reihe mit dem Einzelrohrwert. Bei nur ein bis zwei Reihen (z. B. Rohrregister) ist der Effekt am größten.

Kann mit diesem Modul direkt der Mantelraum eines Rohrbündel-Wärmeübertragers berechnet werden?

Das Modul liefert den Wärmeübergang des ideal quer angeströmten Bündels. Im realen Mantelraum mit Umlenkblechen kommen Fenster-Längsströmung, Leckströme durch die Spalte an Umlenkblechen und Bypass zwischen Bündel und Mantel hinzu, die den Wärmeübergang mindern. Diese Effekte werden im Zellenmodell des VDI-Wärmeatlas (Abschnitt G8) über Korrekturfaktoren auf Basis der hier berechneten Bündel-Nusselt-Zahl erfasst.

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