Wärmeübertragung und Druckverlust in Tripelrohren berechnen – Modul RS3

Das Modul berechnet Wärmeübertragung und Druckverlust in Tripelrohren nach dem VDI-Wärmeatlas.

Modul RS3Regelwerk VDI WärmeatlasLesedauer 6 minDE / EN

Aufgabenstellung und Berechnungsziel

Das Modul berechnet Wärmeübertragung und Druckverlust in Tripelrohren nach dem VDI-Wärmeatlas. Ein Tripelrohr besteht aus drei konzentrischen Rohren, die ein Zentralrohr und zwei Ringspalte bilden; darin strömen bis zu drei Medien in wählbarer Stromführung (Gleich- oder Gegenstrom). Das Modul ermittelt die beiden Wärmeübergänge getrennt — Zentralrohr gegen Ringspalt 1 und Ringspalt 1 gegen Ringspalt 2 — und weist Wärmeübergangskoeffizienten, Austrittstemperaturen und Druckverluste aus.

Tripelrohr-Wärmeübertrager berechnen muss man vor allem dort, wo bei kleinen Volumenströmen hohe Strömungsgeschwindigkeiten und definierte Verweilzeiten gefordert sind: in der Lebensmitteltechnik (Erhitzen und Kühlen viskoser oder stückiger Produkte), bei Pilotanlagen, in der Kältetechnik und überall, wo ein Produktstrom im mittleren Ringspalt beidseitig beheizt oder gekühlt werden soll. Gegenüber dem einfachen Doppelrohr verdoppelt der zweite Ringspalt die wärmeübertragende Fläche pro Rohrlänge, macht die Auslegung aber komplexer, weil die Wärmeströme über beide Wände gekoppelt sind.

Regelwerk und Berechnungsbasis: VDI Wärmeatlas

So läuft die Berechnung ab

  1. Geometrie der drei Rohre festlegen: Für Zentralrohr, mittleres und äußeres Rohr werden Außendurchmesser, Wanddicke, Innendurchmesser und absolute Rauigkeit sowie die Wärmeleitfähigkeit der Rohrwerkstoffe eingegeben; dazu kommt die Rohrlänge. Daraus ergeben sich die Strömungsquerschnitte und hydraulischen Durchmesser der beiden Ringspalte.
  2. Medien und Betriebsdaten vorgeben: Für die beteiligten Medien werden Massen- oder Volumenströme, Eintrittstemperaturen und die Stoffwerte Dichte, spezifische Wärmekapazität, dynamische Viskosität und Wärmeleitfähigkeit hinterlegt; die Stromführung (Gleich- oder Gegenstrom) wird vereinbart. Optional kann ein Sollwärmestrom als Auslegungsziel gesetzt werden.
  3. Wärmeübergangskoeffizienten berechnen: Aus Reynolds- und Prandtl-Zahl werden mit den Nusselt-Korrelationen des VDI-Wärmeatlas die Wärmeübergangskoeffizienten im Zentralrohr und in beiden Ringspalten bestimmt; für die Ringspalte gehen Geometriebeiwerte und die Randbedingung ein, ob die innere, die äußere oder beide Wände am Wärmeaustausch beteiligt sind. Korrekturfaktoren für α erlauben die Anpassung an Erfahrungswerte.
  4. Gekoppelte Wärmedurchgänge lösen: Die Wärmedurchgänge Zentralrohr–Ringspalt 1 und Ringspalt 1–Ringspalt 2 werden getrennt aufgestellt und über die Energiebilanz des mittleren Mediums gekoppelt gelöst; daraus folgen die Austrittstemperaturen aller Ströme und die übertragenen Wärmeströme.
  5. Druckverluste ermitteln und Ergebnis bewerten: Mit den Rohrreibungszahlen aus Rauigkeit und Reynolds-Zahl werden die Druckverluste in Zentralrohr und Ringspalten berechnet. Abschließend wird geprüft, ob der Sollwärmestrom erreicht wird und die Geschwindigkeiten und Druckverluste im zulässigen Rahmen liegen.
Eingabegrößen24 / 34 Größen
GrößeSymbolEinheit
Innendurchmesser Abs. Rauigkeit Info: F3D1 K1m
Außendurchmesser WanddickeD2 s1m
Innendurchmesser Abs. Rauigkeit Info: F3D3 K2m
Außendurchmesser WanddickeD4 s2m
Innendurchmesser Abs. Rauigkeit Info: F3D5 K3m
Temperatur Eintrittϑe°C
Temperatur Eintrittϑe°C
Temperatur Austrittϑa°C
Temperatur am Austrittϑ6°C
Wärmeleitfähigkeitλ1W/(m·K)
Wärmeleitfähigkeitλ2W/(m·K)
MassenstromMkg/s
DichteρRS1 ρRkg/m³
WärmeleitfähigkeitλRS1 λRW/(m·K)
Dynamische ViskositätηRS1 ηRmPa·s
Spezifische WärmekapazitätcpRS1 cpRJ/(kg·K)
DichteρRS1 ρRkg/m³
WärmeleitfähigkeitλRS1 λRW/(m·K)
Dynamische ViskositätηRS1 ηRmPa·s
Spezifische WärmekapazitätcpRS1 cpRJ/(kg·K)
SollwärmestromQSollW
MassenstromMR+MRS2kg/s
Korrekturfaktor für αf-
Korrekturfaktor für αf-
Berechnungsergebnisse24 / 40 Größen
GrößeSymbolEinheit
Widerstandsbeiwertζ-
Widerstandsbeiwertζ-
Temperatur Eintrittϑe°C
Temperatur Eintrittϑe°C
Temperatur Austrittϑa°C
Temperatur am Austrittϑ6°C
MassenstromMkg/s
GeometriebeiwertCGeo-
Massenstromverhältnis Rohr/Ringspalt 2MR/MRS2-
Temperatur Austrittϑa°C
Temperatur Austrittϑa°C
Logarithmische TemperaturdifferenzΔϑlogK (diff)
Logarithmische TemperaturdifferenzΔϑlogK (diff)
ÜbertragerflächeA
ÜbertragerflächeA
WärmeübergangskoeffizientαW/(m²·K)
WärmeübergangskoeffizientαW/(m²·K)
WärmeübergangskoeffizientαW/(m²·K)
WärmedurchgangskoeffizientkW/(m²·K)
WärmedurchgangskoeffizientkW/(m²·K)
Reale WärmeleistungQistW
Reale WärmeleistungQistW
MassenstromMR+MRS2kg/s
MassenstromMkg/s

Häufige Fragen

Wann lohnt sich ein Tripelrohr gegenüber einem einfachen Doppelrohr?

Immer dann, wenn der Produktstrom im mittleren Ringspalt von beiden Seiten beheizt oder gekühlt werden soll: Die Übertragungsfläche pro Meter Rohr verdoppelt sich nahezu, der Ringspalt erzwingt eine dünne Produktschicht mit kurzen Leitungswegen und enger Verweilzeitverteilung. Das ist besonders bei viskosen, temperaturempfindlichen oder foulenden Medien vorteilhaft. Der Preis ist ein höherer Druckverlust im engen Spalt und eine aufwendigere Konstruktion mit zwei abzudichtenden Ringräumen.

Warum werden die beiden Wärmeübergänge getrennt ausgewiesen?

Weil das mittlere Medium gleichzeitig mit dem Zentralrohr und mit dem äußeren Ringspalt Wärme austauscht. Die beiden Wärmedurchgänge haben unterschiedliche Flächen, Wandwiderstände und treibende Temperaturdifferenzen und lassen sich nicht zu einem einzigen k-Wert zusammenfassen. Erst die getrennte Ausweisung zeigt, welche der beiden Wände die Übertragungsleistung begrenzt und wo eine Geometrieänderung ansetzen sollte.

Welche Nusselt-Korrelation gilt im Ringspalt?

Der VDI-Wärmeatlas stellt für konzentrische Ringspalte eigene Korrelationen bereit, die auf dem hydraulischen Durchmesser (Differenz aus Außen- und Innendurchmesser des Spalts) aufbauen und über das Durchmesserverhältnis berücksichtigen, ob die Wärme an der Innenwand, der Außenwand oder an beiden Wänden übertragen wird. Die einfache Rohrströmungs-Korrelation mit dem hydraulischen Durchmesser allein unterschätzt oder überschätzt den Wärmeübergang je nach Randbedingung.

Was sind typische Fehlerquellen bei der Tripelrohr-Auslegung?

Häufig werden die Strömungsquerschnitte der Ringspalte aus den falschen Durchmessern gebildet (Innendurchmesser des äußeren Rohrs gegen Außendurchmesser des inneren Rohrs), die Exzentrizität der Rohre unterschätzt, die zu ungleichmäßiger Spaltdurchströmung führt, oder die Stoffwerte nicht bei der mittleren Medientemperatur ausgewertet. Auch die Annahme, das mittlere Medium erwärme sich gleichmäßig über beide Wände, kann bei stark unterschiedlichen Temperaturniveaus der Nachbarströme fehlgehen — deshalb die gekoppelte Bilanzrechnung.

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