Aufgabenstellung und Berechnungsziel
Das Modul berechnet Wärmeübertragung und Druckverlust in Tripelrohren nach dem VDI-Wärmeatlas. Ein Tripelrohr besteht aus drei konzentrischen Rohren, die ein Zentralrohr und zwei Ringspalte bilden; darin strömen bis zu drei Medien in wählbarer Stromführung (Gleich- oder Gegenstrom). Das Modul ermittelt die beiden Wärmeübergänge getrennt — Zentralrohr gegen Ringspalt 1 und Ringspalt 1 gegen Ringspalt 2 — und weist Wärmeübergangskoeffizienten, Austrittstemperaturen und Druckverluste aus.
Tripelrohr-Wärmeübertrager berechnen muss man vor allem dort, wo bei kleinen Volumenströmen hohe Strömungsgeschwindigkeiten und definierte Verweilzeiten gefordert sind: in der Lebensmitteltechnik (Erhitzen und Kühlen viskoser oder stückiger Produkte), bei Pilotanlagen, in der Kältetechnik und überall, wo ein Produktstrom im mittleren Ringspalt beidseitig beheizt oder gekühlt werden soll. Gegenüber dem einfachen Doppelrohr verdoppelt der zweite Ringspalt die wärmeübertragende Fläche pro Rohrlänge, macht die Auslegung aber komplexer, weil die Wärmeströme über beide Wände gekoppelt sind.
Regelwerk und Berechnungsbasis: VDI Wärmeatlas
So läuft die Berechnung ab
- Geometrie der drei Rohre festlegen: Für Zentralrohr, mittleres und äußeres Rohr werden Außendurchmesser, Wanddicke, Innendurchmesser und absolute Rauigkeit sowie die Wärmeleitfähigkeit der Rohrwerkstoffe eingegeben; dazu kommt die Rohrlänge. Daraus ergeben sich die Strömungsquerschnitte und hydraulischen Durchmesser der beiden Ringspalte.
- Medien und Betriebsdaten vorgeben: Für die beteiligten Medien werden Massen- oder Volumenströme, Eintrittstemperaturen und die Stoffwerte Dichte, spezifische Wärmekapazität, dynamische Viskosität und Wärmeleitfähigkeit hinterlegt; die Stromführung (Gleich- oder Gegenstrom) wird vereinbart. Optional kann ein Sollwärmestrom als Auslegungsziel gesetzt werden.
- Wärmeübergangskoeffizienten berechnen: Aus Reynolds- und Prandtl-Zahl werden mit den Nusselt-Korrelationen des VDI-Wärmeatlas die Wärmeübergangskoeffizienten im Zentralrohr und in beiden Ringspalten bestimmt; für die Ringspalte gehen Geometriebeiwerte und die Randbedingung ein, ob die innere, die äußere oder beide Wände am Wärmeaustausch beteiligt sind. Korrekturfaktoren für α erlauben die Anpassung an Erfahrungswerte.
- Gekoppelte Wärmedurchgänge lösen: Die Wärmedurchgänge Zentralrohr–Ringspalt 1 und Ringspalt 1–Ringspalt 2 werden getrennt aufgestellt und über die Energiebilanz des mittleren Mediums gekoppelt gelöst; daraus folgen die Austrittstemperaturen aller Ströme und die übertragenen Wärmeströme.
- Druckverluste ermitteln und Ergebnis bewerten: Mit den Rohrreibungszahlen aus Rauigkeit und Reynolds-Zahl werden die Druckverluste in Zentralrohr und Ringspalten berechnet. Abschließend wird geprüft, ob der Sollwärmestrom erreicht wird und die Geschwindigkeiten und Druckverluste im zulässigen Rahmen liegen.
Eingabegrößen
| Größe | Symbol | Einheit |
|---|---|---|
| Innendurchmesser Abs. Rauigkeit Info: F3 | D1 K1 | m |
| Außendurchmesser Wanddicke | D2 s1 | m |
| Innendurchmesser Abs. Rauigkeit Info: F3 | D3 K2 | m |
| Außendurchmesser Wanddicke | D4 s2 | m |
| Innendurchmesser Abs. Rauigkeit Info: F3 | D5 K3 | m |
| Temperatur Eintritt | ϑe | °C |
| Temperatur Eintritt | ϑe | °C |
| Temperatur Austritt | ϑa | °C |
| Temperatur am Austritt | ϑ6 | °C |
| Wärmeleitfähigkeit | λ1 | W/(m·K) |
| Wärmeleitfähigkeit | λ2 | W/(m·K) |
| Massenstrom | M | kg/s |
| Dichte | ρRS1 ρR | kg/m³ |
| Wärmeleitfähigkeit | λRS1 λR | W/(m·K) |
| Dynamische Viskosität | ηRS1 ηR | mPa·s |
| Spezifische Wärmekapazität | cpRS1 cpR | J/(kg·K) |
| Dichte | ρRS1 ρR | kg/m³ |
| Wärmeleitfähigkeit | λRS1 λR | W/(m·K) |
| Dynamische Viskosität | ηRS1 ηR | mPa·s |
| Spezifische Wärmekapazität | cpRS1 cpR | J/(kg·K) |
| Sollwärmestrom | QSoll | W |
| Massenstrom | MR+MRS2 | kg/s |
| Korrekturfaktor für α | f | - |
| Korrekturfaktor für α | f | - |
Berechnungsergebnisse
| Größe | Symbol | Einheit |
|---|---|---|
| Widerstandsbeiwert | ζ | - |
| Widerstandsbeiwert | ζ | - |
| Temperatur Eintritt | ϑe | °C |
| Temperatur Eintritt | ϑe | °C |
| Temperatur Austritt | ϑa | °C |
| Temperatur am Austritt | ϑ6 | °C |
| Massenstrom | M | kg/s |
| Geometriebeiwert | CGeo | - |
| Massenstromverhältnis Rohr/Ringspalt 2 | MR/MRS2 | - |
| Temperatur Austritt | ϑa | °C |
| Temperatur Austritt | ϑa | °C |
| Logarithmische Temperaturdifferenz | Δϑlog | K (diff) |
| Logarithmische Temperaturdifferenz | Δϑlog | K (diff) |
| Übertragerfläche | A | m² |
| Übertragerfläche | A | m² |
| Wärmeübergangskoeffizient | α | W/(m²·K) |
| Wärmeübergangskoeffizient | α | W/(m²·K) |
| Wärmeübergangskoeffizient | α | W/(m²·K) |
| Wärmedurchgangskoeffizient | k | W/(m²·K) |
| Wärmedurchgangskoeffizient | k | W/(m²·K) |
| Reale Wärmeleistung | Qist | W |
| Reale Wärmeleistung | Qist | W |
| Massenstrom | MR+MRS2 | kg/s |
| Massenstrom | M | kg/s |
Häufige Fragen
Wann lohnt sich ein Tripelrohr gegenüber einem einfachen Doppelrohr?
Immer dann, wenn der Produktstrom im mittleren Ringspalt von beiden Seiten beheizt oder gekühlt werden soll: Die Übertragungsfläche pro Meter Rohr verdoppelt sich nahezu, der Ringspalt erzwingt eine dünne Produktschicht mit kurzen Leitungswegen und enger Verweilzeitverteilung. Das ist besonders bei viskosen, temperaturempfindlichen oder foulenden Medien vorteilhaft. Der Preis ist ein höherer Druckverlust im engen Spalt und eine aufwendigere Konstruktion mit zwei abzudichtenden Ringräumen.
Warum werden die beiden Wärmeübergänge getrennt ausgewiesen?
Weil das mittlere Medium gleichzeitig mit dem Zentralrohr und mit dem äußeren Ringspalt Wärme austauscht. Die beiden Wärmedurchgänge haben unterschiedliche Flächen, Wandwiderstände und treibende Temperaturdifferenzen und lassen sich nicht zu einem einzigen k-Wert zusammenfassen. Erst die getrennte Ausweisung zeigt, welche der beiden Wände die Übertragungsleistung begrenzt und wo eine Geometrieänderung ansetzen sollte.
Welche Nusselt-Korrelation gilt im Ringspalt?
Der VDI-Wärmeatlas stellt für konzentrische Ringspalte eigene Korrelationen bereit, die auf dem hydraulischen Durchmesser (Differenz aus Außen- und Innendurchmesser des Spalts) aufbauen und über das Durchmesserverhältnis berücksichtigen, ob die Wärme an der Innenwand, der Außenwand oder an beiden Wänden übertragen wird. Die einfache Rohrströmungs-Korrelation mit dem hydraulischen Durchmesser allein unterschätzt oder überschätzt den Wärmeübergang je nach Randbedingung.
Was sind typische Fehlerquellen bei der Tripelrohr-Auslegung?
Häufig werden die Strömungsquerschnitte der Ringspalte aus den falschen Durchmessern gebildet (Innendurchmesser des äußeren Rohrs gegen Außendurchmesser des inneren Rohrs), die Exzentrizität der Rohre unterschätzt, die zu ungleichmäßiger Spaltdurchströmung führt, oder die Stoffwerte nicht bei der mittleren Medientemperatur ausgewertet. Auch die Annahme, das mittlere Medium erwärme sich gleichmäßig über beide Wände, kann bei stark unterschiedlichen Temperaturniveaus der Nachbarströme fehlgehen — deshalb die gekoppelte Bilanzrechnung.