Wärmeübertragungsnetzwerke berechnen – Modul CD

Das Modul unterstützt die Analyse und Strukturierung von Wärmeübertragungsnetzwerken nach der Pinch-Methode auf Grundlage des VDI-Wärmeatlas (12.

Modul CDRegelwerk VDI-Wärmeatlas, 12. Auflage 2019Lesedauer 7 minDE / EN

Aufgabenstellung und Berechnungsziel

Das Modul unterstützt die Analyse und Strukturierung von Wärmeübertragungsnetzwerken nach der Pinch-Methode auf Grundlage des VDI-Wärmeatlas (12. Auflage 2019). Ausgehend von den heißen und kalten Produktströmen eines Prozesses sowie den zusätzlichen Betriebsmitteln (Heiz- und Kühlmedien) ermittelt es die energetischen Zielwerte des Netzwerks: die mindestens erforderliche Heizleistung, die mindestens erforderliche Kühlleistung, die minimal notwendige Anzahl an Wärmeübertragern und die mindestens erforderliche Übertragerfläche.

In der Praxis braucht man eine solche Wärmeintegrations-Analyse immer dann, wenn in einer verfahrenstechnischen Anlage mehrere Ströme gleichzeitig aufgeheizt und abgekühlt werden müssen – etwa in Raffinerien, Chemieanlagen oder Wärmerückgewinnungssystemen. Wer ein Wärmeübertragernetzwerk berechnen und optimieren will, erhält mit den Pinch-Zielwerten belastbare Untergrenzen für Energiebedarf und Apparateaufwand, bevor auch nur ein einzelner Wärmetauscher ausgelegt ist.

Zentraler Entwurfsparameter ist der Pinch, die minimal zulässige Temperaturdifferenz zwischen heißen und kalten Strömen. Er entscheidet über den Kompromiss zwischen Energieeinsparung (kleiner Pinch, große Flächen) und Investitionskosten (großer Pinch, kleine Flächen).

Regelwerk und Berechnungsbasis: VDI-Wärmeatlas, 12. Auflage 2019

So läuft die Berechnung ab

  1. Stromdaten erfassen: Alle heißen und kalten Produktströme des Prozesses werden mit ihren Wärmekapazitätsströmen sowie Ein- und Austrittstemperaturen aufgenommen. Das Modul verwaltet dazu die Anzahl der kalten und heißen Produktströme im Netz sowie die aktuell vorhandene Anzahl an Stoffströmen.
  2. Pinch festlegen: Die minimal zulässige Temperaturdifferenz (Pinch) wird als Entwurfsparameter vorgegeben. Sie bestimmt, wie nahe sich heiße und kalte Ströme im Netzwerk thermisch kommen dürfen, und legt damit die Lage des Pinch-Punktes fest.
  3. Energiezielwerte bestimmen: Aus den zusammengesetzten Wärmekapazitätsstrom-Temperatur-Kurven (Composite Curves) bzw. der Problemtabelle ergeben sich die mindest erforderliche Heizleistung und die mindest erforderliche Kühlleistung des Prozesses – also der Bedarf an externen Betriebsmitteln, der auch bei vollständiger Wärmeintegration nicht unterschritten werden kann.
  4. Minimale Apparateanzahl ermitteln: Nach der graphentheoretischen Regel ergibt sich die maximal erforderliche bzw. minimal notwendige Anzahl an Wärmeübertragern aus der Zahl der beteiligten Ströme einschließlich der Betriebsmittel. Das Modul weist diese Zahl der Anzahl der Wärmeübertrager im tatsächlichen Netz gegenüber.
  5. Flächenziel abschätzen: Aus den Composite Curves und den Wärmeübergangskoeffizienten der Ströme wird die mindest erforderliche Übertragerfläche des Gesamtnetzwerks abgeschätzt. Sie dient als Vergleichsmaßstab für konkrete Netzwerkentwürfe und als Basis für Kostenschätzungen.
Eingabegrößen24 / 83 Größen
GrößeSymbolEinheit
Anzahl Wärmeübertrager im NetznA-
Anzahl der kalten Produktströme im NetznC-
Anzahl der heißen Produktströme im NetznH-
Anzahl der zusätzlichen BetriebsmittelnB-
Maximal erforderliche Anzahl Wärmeübertragern-
Aktuell vorhandene Anzahl StoffströmenAS-
Bezeichnung 1. StoffstromStoffstrom-
Bezeichnung 2. StoffstromStoffstrom-
Bezeichnung 3. StoffstromStoffstrom-
Bezeichnung 4. StoffstromStoffstrom-
Bezeichnung 5. StoffstromStoffstrom-
Bezeichnung 6. StoffstromStoffstrom-
Bezeichnung 7. StoffstromStoffstrom-
Bezeichnung 8. StoffstromStoffstrom-
Bezeichnung 9. StoffstromStoffstrom-
Bezeichnung 10. StoffstromStoffstrom-
Eintrittstemperatur 1. StoffstromStoffstrom°C
Eintrittstemperatur 2. StoffstromStoffstrom°C
Eintrittstemperatur 3. StoffstromStoffstrom°C
Eintrittstemperatur 4. StoffstromStoffstrom°C
Eintrittstemperatur 5. StoffstromStoffstrom°C
Eintrittstemperatur 6. StoffstromStoffstrom°C
Eintrittstemperatur 7. StoffstromStoffstrom°C
Eintrittstemperatur 8. StoffstromStoffstrom°C
Berechnungsergebnisse24 / 34 Größen
GrößeSymbolEinheit
Maximal erforderliche Anzahl Wärmeübertragern-
Bezeichnung 1. StoffstromStoffstrom-
Bezeichnung 2. StoffstromStoffstrom-
Bezeichnung 3. StoffstromStoffstrom-
Bezeichnung 4. StoffstromStoffstrom-
Bezeichnung 5. StoffstromStoffstrom-
Bezeichnung 6. StoffstromStoffstrom-
Bezeichnung 7. StoffstromStoffstrom-
Bezeichnung 8. StoffstromStoffstrom-
Bezeichnung 9. StoffstromStoffstrom-
Bezeichnung 10. StoffstromStoffstrom-
Enthalphidifferenz 1. StoffstromStoffstromW
Enthalphidifferenz 2. StoffstromStoffstromW
Enthalphidifferenz 3. StoffstromStoffstromW
Enthalphidifferenz 4. StoffstromStoffstromW
Enthalphidifferenz 5. StoffstromStoffstromW
Enthalphidifferenz 6. StoffstromStoffstromW
Enthalphidifferenz 7. StoffstromStoffstromW
Enthalphidifferenz 8. StoffstromStoffstromW
Enthalphidifferenz 9. StoffstromStoffstromW
Enthalphidifferenz 10. StoffstromStoffstromW
Temperaturdifferenz 1.Stoffstrom1.Stoffstrom°C
Temperaturdifferenz 2.Stoffstrom2.Stoffstrom°C
Temperaturdifferenz 3.Stoffstrom3.Stoffstrom°C

Gelöstes Beispiel

In einem Prozess sind 3 heiße und 4 kalte Produktströme wärmetechnisch zu verschalten. Als zusätzliche Betriebsmittel stehen ein Heizmedium (Dampf) und ein Kühlmedium (Kühlwasser) zur Verfügung. Gesucht ist die minimal erforderliche Anzahl an Wärmeübertragern für ein zusammenhängendes Netzwerk ohne Wärmekreisläufe.

Gegebene Werte

Anzahl heiße Produktströme3
Anzahl kalte Produktströme4
Anzahl zusätzliche Betriebsmittel2 (1 Heiz-, 1 Kühlmedium)

Lösungsweg

1

Gesamtzahl der Ströme bilden

In die Zählung gehen alle Ströme ein, die Wärme aufnehmen oder abgeben – Prozessströme und Betriebsmittel:

S = 3 + 4 + 2 = 9

2

Minimale Übertrageranzahl nach der Euler-Regel

Für ein zusammenhängendes Netzwerk ohne unabhängige Wärmekreisläufe gilt:

Nmin = S − 1 = 9 − 1 = 8

Es sind also mindestens 8 Wärmeübertrager (einschließlich Aufheizer und Kühler) erforderlich. Reale Entwürfe, die den Pinch strikt beachten, können darüber liegen, weil die Regel dann je Teilbereich oberhalb und unterhalb des Pinch anzuwenden ist.

Ergebnis

Minimale Anzahl Wärmeübertrager N_min8

Alle Werte sind beispielhaft. Maßgeblich sind das jeweils gültige Regelwerk und die projektspezifischen Randbedingungen.

Häufige Fragen

Was bedeutet der Pinch-Punkt physikalisch?

Der Pinch ist die Stelle, an der sich die zusammengesetzten Kurven der heißen und kalten Ströme am nächsten kommen – dort herrscht genau die minimal zulässige Temperaturdifferenz. Er teilt den Prozess in einen Wärmesenken-Bereich oberhalb und einen Wärmequellen-Bereich unterhalb des Pinch. Die drei Pinch-Regeln lauten: keine Wärmeübertragung über den Pinch hinweg, keine externe Kühlung oberhalb und keine externe Heizung unterhalb des Pinch. Jede Verletzung erhöht Heiz- und Kühlbedarf gleichzeitig um denselben Betrag.

Wie wähle ich die minimal zulässige Temperaturdifferenz sinnvoll?

Die Wahl ist ein wirtschaftlicher Kompromiss: Ein kleiner Pinch (z. B. 5–10 K) maximiert die Wärmerückgewinnung, führt aber zu großen Übertragerflächen; ein großer Pinch (z. B. 20–40 K) reduziert die Investition, erhöht aber den Betriebsmittelbedarf. Übliche Startwerte liegen bei 10–20 K für Flüssig/Flüssig-Systeme, bei Gasströmen oder verschmutzenden Medien eher höher. Idealerweise wird der Wert über eine Kosten-Zielwert-Rechnung (Supertargeting) variiert.

Warum ist die minimale Anzahl an Wärmeübertragern gleich der Stromanzahl minus eins?

Das folgt aus der Euler-Beziehung für zusammenhängende Netzwerke: Verbindet man S Ströme (Prozessströme plus Betriebsmittel) ohne unabhängige Wärmekreisläufe (Loops), braucht man mindestens S − 1 Übertrager. Wird die Zählung getrennt für die Bereiche oberhalb und unterhalb des Pinch durchgeführt, kann die Summe größer ausfallen, weil einzelne Ströme in beiden Bereichen auftreten.

Ersetzt die Zielwert-Rechnung die Auslegung der einzelnen Wärmetauscher?

Nein. Die Pinch-Analyse liefert Untergrenzen für Energiebedarf, Apparatezahl und Fläche des Gesamtnetzwerks, aber keine konstruktive Auslegung. Die einzelnen Apparate müssen anschließend mit den einschlägigen Methoden des VDI-Wärmeatlas (Wärmedurchgang, Druckverlust, Bauform) dimensioniert werden. Reale Netzwerke liegen wegen Betriebs-, Regelungs- und Layoutanforderungen meist über den theoretischen Minima.

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