Zylindrische Rohre, Rohrbiegungen und Rohrbögen unter Außendruck berechnen – Modul ER09

Rohrleitungen, die unter Vakuum betrieben werden, mit einem Begleitheizmantel versehen sind oder außen von einem höheren Druck umgeben sind, versagen nicht durch Zerreißen, sondern durch Einbeulen.

Modul ER09Regelwerk DIN EN 13480-3/9Lesedauer 7 minDE / EN

Aufgabenstellung und Berechnungsziel

Rohrleitungen, die unter Vakuum betrieben werden, mit einem Begleitheizmantel versehen sind oder außen von einem höheren Druck umgeben sind, versagen nicht durch Zerreißen, sondern durch Einbeulen. Dieses Modul führt den Stabilitätsnachweis für Rohrleitungsbauteile unter Außendruck nach DIN EN 13480-3, Abschnitt 9: zylindrische Rohre, Rohrbiegungen und Rohrbögen, Reduzierstücke (als Kegelschalen) sowie gewölbte Böden.

Der Nachweis gegen Beulen unterscheidet sich grundsätzlich von der Innendruckberechnung: Maßgebend sind nicht nur die zulässige Spannung des Werkstoffs, sondern vor allem der Elastizitätsmodul, die Schlankheit der Schale (Verhältnis von Durchmesser zu Wanddicke und unversteifter Länge) und Formabweichungen wie die Unrundheit. Bereits kleine Vorverformungen setzen den tatsächlichen Beuldruck deutlich herab, weshalb die Norm Grenzwerte für die Ovalität festlegt und mit gesonderten Sicherheitsbeiwerten gegen das elastische und das plastische Versagen arbeitet.

Typische Anwendungen im Anlagenbau sind Vakuumleitungen, Saugleitungen mit möglichem Unterdruck beim Entleeren, doppelwandige Leitungen mit druckbeaufschlagtem Ringraum und Kondensationsfälle, in denen ein Dampfsystem schlagartig unter Vakuum gerät. Wer ein Rohr unter Außendruck berechnen will, erhält mit diesem Modul den vollständigen Nachweis nach DIN EN 13480-3.

Regelwerk und Berechnungsbasis: DIN EN 13480-3/9: 2017-12

Berechnungsumfang

So läuft die Berechnung ab

  1. Bauteil und Geometrie festlegen: Zunächst wird das nachzuweisende Bauteil gewählt: gerades Rohr, Rohrbiegung oder Rohrbogen, Reduzierstück oder gewölbter Boden. Erfasst werden Durchmesser, Wanddicke abzüglich der Zuschläge, die unversteifte Länge zwischen wirksamen Versteifungen (Flansche, Böden, Ringe) sowie bei Bögen der Biegeradius und die tatsächliche Ovalität.
  2. Werkstoffkennwerte bei Berechnungstemperatur bestimmen: Für den Stabilitätsnachweis werden Elastizitätsmodul und Dehngrenze bei Berechnungstemperatur benötigt. Beide Kennwerte sinken mit der Temperatur, was den zulässigen Außendruck unmittelbar reduziert – bei austenitischen Stählen ist zusätzlich das abweichende Werkstoffverhalten zu berücksichtigen.
  3. Versagensgrenzen ermitteln: Das Modul berechnet die beiden maßgebenden Grenzen: den Druck, bei dem die Umfangsspannung die Fließgrenze erreicht (plastisches Versagen), und den theoretischen elastischen Beuldruck der Schale, der von E-Modul, Wanddicke-zu-Radius-Verhältnis, unversteifter Länge und der zugehörigen Umfangswellenzahl der Beulform abhängt.
  4. Zulässigen Außendruck ableiten: Aus dem Zusammenwirken beider Grenzen wird über die Beulkurve der Norm der ertragbare Druck ermittelt und mit den vorgeschriebenen Sicherheitsbeiwerten abgemindert. Bei Reduzierstücken erfolgt der Nachweis am äquivalenten Zylinder der Kegelschale, bei gewölbten Böden am Kugelschalenanteil.
  5. Formtoleranzen prüfen: Abschließend wird kontrolliert, ob die tatsächliche Unrundheit des Bauteils innerhalb der von der Norm vorausgesetzten Grenzen liegt. Größere Ovalität – etwa bei Bögen aus dem Biegeprozess – mindert den zulässigen Außendruck und muss im Nachweis explizit berücksichtigt werden.
Eingabegrößen24 / 75 Größen
GrößeSymbolEinheit
ElastizitätsgrenzeSN/mm²
FestigkeitskennwertRp0,2tN/mm²
ElastizitätsgrenzeSSN/mm²
FestigkeitskennwertRp0,2StN/mm²
Mittlerer Radius des zylindrischen Rohres oder RohrabschnittesRmmm
ElastizitätsmodulEtN/mm²
ElastizitätsmodulEtSN/mm²
Äquivalente Länge des Ansatzes der KegelschaleLIxmm
Analysewanddickeeamm
Querkontraktionszahlν
Axiale Länge zwischen wirksamen VersteifungenLmm
Mittlerer Abstand zwischen Versteifungen Bild 9.3.1-1Lcmm
Trägheitsmoment der kombinierten QuerschnittsflächeIcmm^4
Radius zu dem Teil des Kanals mit dem größten Abstand zum RohrRfmm
Geforderter AuslegungsaußendruckpMPa
QuerschnittsflächeAsmm²
Radius des Flächenschwerpunkts der QuerschnittsflächeRsmm
Querschnittsfläche plus mittragende RohrlängeAemm²
Radiale Höhehsmm
Analysewanddickeeawmm
Analysewanddickeeafmm
Radius des dem Rohr nächstliegenden Punkts des Kanals, der als Drehpunkt angenommen wirdrimm
Überstandbreite des Versteifungsflanscheswfmm
Wirksame Rohrlängelpsmm
Berechnungsergebnisse24 / 30 Größen
GrößeSymbolEinheit
Druck bei Erreichen der FIießgrenze des WerkstoffspyMPa
Theoretischer elastischer Beuldruck bei Versagen eines exakt zylindrischen RohrspmMPa
Berechneter unterer VersagensdruckprMPa
Verhältnis pm / pyVpm/py-
Verhältnis pr / pyVpr/py-
Mittlere elastische Dehnung in Umfangsrichtung bei Versagenεmm
Anzahl der Beulwellen in Umfangsrichtung des unversteiften Teils des Zylindersncyl
Widerstandsmoment des RohrsZ
Sicherheitsbeiwertk
Theoretischer elastischer Beuldruck des versteiften ZylinderspnMPa
Fertigungsbeiwert der Versteifungks
Druck, der FIießen in Umfangsrichtung verursachtpysMPa
Maximale Spannung in schweren VersteifungenσsMPa
Beulspannung, bei der seitliche Auslenkung der Versteifung auftrittσiMPa
Beiwert delta \u03b4δ-
Anzahl der Beulwellen in Umfangsrichtung des versteiften Zylindersn
Beiwert XC für sigmai XcXc
Parameter für Versteifungen \u03bbλ
Beiwert C für sigma_i C\u03c3iCσi
Verhältnis hs / ewVhs/ew-
Verhältnis wf / efVwf/ef-
Verhältnis hs/RmVhs/Rm-
Geometriebedingunghs/ew
Geometriebedingungwf/ef

Berechnungsoptionen

Versteifung aus Stahlguss

Nein · Ja

Umformungsverfahren der Versteifung

Warmgeformte Versteifung · Kaltumgeformte Versteifung

Form des Querschnitts der Versteifung

Rechteckig · Nicht-rechteckig · Heiz- / Kühlkanal

Ausführung der Versteifung nach Bild

0 · 1 · 2 · Heiz- / Kühlkanal

Versteifungstyp

Innere Versteifung · Äußere Versteifung · Keine Versteifung

Art des Bodens

Halbkugelförmiger Boden · Klöpperboden · Elliptischer Boden · Korbbogenboden

Bauform

9.3 Zylindrische Rohre, Rohrbiegungen und Rohrbögen · 9.4 Reduzierstücke (kegelförmige Rohre) · 9.5 Gewölbte Böden

Häufige Fragen

Warum genügt es nicht, den Außendruck einfach wie einen negativen Innendruck zu behandeln?

Unter Innendruck begrenzt die Festigkeit des Werkstoffs die Tragfähigkeit, unter Außendruck dagegen die Stabilität der Schale. Ein dünnwandiges Rohr kann weit unterhalb der Fließgrenze elastisch einbeulen; maßgebend sind dann E-Modul, Geometrie und Vorverformungen statt der zulässigen Spannung. Deshalb verlangt die DIN EN 13480-3 einen eigenen Nachweis nach Abschnitt 9 mit eigenen Sicherheitsbeiwerten.

Welche Rolle spielt die unversteifte Länge und wie kann ich sie verkürzen?

Je länger der unversteifte Schuss, desto niedriger der elastische Beuldruck, weil sich langwellige Beulformen mit kleiner Umfangswellenzahl ausbilden können. Wirksame Versteifungen sind Flansche, Böden und angeschweißte Versteifungsringe mit ausreichender Biegesteifigkeit. Durch Versteifungsringe in regelmäßigen Abständen lässt sich der zulässige Außendruck ohne Wanddickenerhöhung deutlich steigern.

Warum ist die Unrundheit beim Außendrucknachweis so kritisch?

Eine ovale Schale trägt den Außendruck nicht mehr als reine Ringdruckmembran, sondern erfährt zusätzliche Biegespannungen, die das Einbeulen einleiten. Schon wenige Prozent Ovalität können den ertragbaren Druck erheblich reduzieren. Die Norm setzt daher eine maximale Unrundheit voraus; besonders bei induktiv oder kalt gebogenen Rohrbögen ist die tatsächliche Ovalität zu messen und im Nachweis anzusetzen.

Muss eine Leitung, die nur im Störfall unter Vakuum geraten kann, für Außendruck ausgelegt werden?

Ja, wenn der Unterdruck nicht sicher verhindert wird. Typische Fälle sind das Entleeren geschlossener Systeme, kondensierender Dampf nach dem Abstellen oder Ausfall einer Belüftungseinrichtung. Üblich ist die Auslegung auf volles Vakuum (1 bar Außendruck), sofern keine zuverlässige Vakuumbrecher-Einrichtung vorhanden ist – die Entscheidung ist Teil der sicherheitstechnischen Betrachtung der Anlage.

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