Außenmantelkrempen berechnen – Modul AKR

Doppelmantelbehälter – etwa Rührwerksbehälter mit Heiz- oder Kühlmantel – benötigen am oberen und unteren Ende des Außenmantels einen sauberen Übergang zum Innenbehälter.

Modul AKRRegelwerk AD 2000Lesedauer 5 minDE / EN

Aufgabenstellung und Berechnungsziel

Doppelmantelbehälter – etwa Rührwerksbehälter mit Heiz- oder Kühlmantel – benötigen am oberen und unteren Ende des Außenmantels einen sauberen Übergang zum Innenbehälter. Diese Übergänge werden als Außenmantelkrempen ausgeführt: bogenförmig eingezogene oder geklöppelte Blechzonen, die den Ringraum abschließen und die Mantelkräfte in die Behälterwand einleiten. Wer eine Außenmantelkrempe berechnen will, muss die dort auftretenden Biege- und Membranspannungen bewerten, denn der Krempenbereich ist durch die Umlenkung der Kräfte deutlich höher beansprucht als der ungestörte Mantel.

Das Modul AKR ermittelt die Spannungen in der Außenmantelkrempe und am Übergang zum Druckbehälter auf Basis des AD 2000-Regelwerks und vergleicht sie mit den zulässigen Spannungen σzul, die sich aus Werkstoffkennwert, Sicherheitsbeiwert und Ausnutzungsgrad der Schweißnaht (z. B. v = 0,7 bei einseitig angeschweißter Krempe) ergeben. Eingezogene und geklöppelte Krempen werden dabei ebenso unterschieden wie obere und untere Abschlusskrempe.

Gebraucht wird der Nachweis im Apparatebau bei jedem doppelwandigen Behälter mit Mantelheizung oder -kühlung, insbesondere wenn der Ringraum unter Druck steht: Der Mantelinnendruck wirkt auf den Innenbehälter als Außendruck, und die Krempe muss beide Lastfälle sicher übertragen.

Regelwerk und Berechnungsbasis: AD 2000

So läuft die Berechnung ab

  1. Geometrie von Krempe und Übergang erfassen: Zunächst werden die geometrischen Verhältnisse festgelegt: Durchmesser von Innenbehälter und Außenmantel, Wanddicken, Krempenradius und die Bauform der Krempe (eingezogen oder geklöppelt), getrennt für die obere und die untere Abschlusskrempe. Die grafische Darstellung im Modul ordnet jede Eingabegröße der Geometrie zu.
  2. Belastung und Anschlussart festlegen: Maßgebend ist der Druck im Ringraum des Doppelmantels sowie die Art der Schweißverbindung zwischen Krempe und Behälterwand. Bei einseitig angeschweißter Krempe wird der Verschwächungsbeiwert auf v = 0,7 reduziert, was die zulässige Beanspruchung entsprechend absenkt.
  3. Zulässige Spannungen bestimmen: Aus dem Festigkeitskennwert des Werkstoffs bei Berechnungstemperatur und dem Sicherheitsbeiwert werden die zulässigen Spannungen σ<sub>zul</sub> für die einzelnen Nachweisstellen gebildet – im Krempenbogen, im anschließenden Mantel und am Übergang zur Behälterwand.
  4. Spannungen berechnen und vergleichen: Das Modul ermittelt die im Krempenbereich und am Behälterübergang auftretenden Spannungen und stellt sie den zulässigen Werten gegenüber. Überschreitungen zeigen an, dass Wanddicke oder Krempenradius anzupassen sind.
  5. Beide Abschlusskrempen bewerten: Da obere und untere Krempe unterschiedliche Geometrien und Anschlussverhältnisse haben können, wird der Nachweis für beide Abschlüsse getrennt geführt und dokumentiert.
Eingabegrößen21 Größen
GrößeSymbolEinheit
Aussendurchmesser - Mantel D_a1Da1mm
Ausschnittsdurchmesser im Mantel D_i3Di3mm
Abstand s. Bild e_2e2mm
Aussendurchmesser Behälter D_a2Da2mm
mittlerer Manteldurchmesser D_m1Dm1mm
ausgeführte Mantelwandstärke s_1es1emm
Innendurchmesser D_i1Di1mm
mittlerer Behälterdurchmesser D_m2Dm2mm
ausgeführte Behälterwandstärke s_2es2emm
Behälterinnendurchmesser D_i2Di2mm
mittlerer Mantelabstand e_1e1mm
ausgeführte Mantelkrempenwandstärke s_keskemm
Berechnugstemperatur im Mantel Delta_1δ1°C
Festigkeitskennwert Behälter K_2K2N/mm²
Berechnungstemperatur Behälter Delta_2δ2°C
Druck im Mantelraum p_1p1bar
Festigkeitskennwert Mantel K_1K1N/mm²
Druck im Behälter p_2p2bar
v = 0.7 für einseitig angeschweißt :v
Werkstoff 11
Werkstoff 22
Berechnungsergebnisse10 Größen
GrößeSymbolEinheit
Biegespannung im Mantel Sig_b1σb1 σz1 σv1N/mm²
Zugspannung im Mantel Sig_z1σb1 σz1 σv1N/mm²
Vergleichsspannung im Mantel Sig_v1σb1 σz1 σv1N/mm²
σzul1S1
Biegespannugn im Behälter Sig_b2σb2 σz2 σv2N/mm²
Zugspannung im Behälter Sig_z2σb2 σz2 σv2N/mm²
Vergleichsspannung im Behälter Sig_v2σb2 σz2 σv2N/mm²
σzul1S1
σzul1S1N/mm²
σzul1S1N/mm²

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen einer eingezogenen und einer geklöppelten Krempe?

Bei der eingezogenen Krempe wird das Ende des Außenmantels nach innen zum Behälter hin eingezogen und dort angeschweißt; der Bogen entsteht durch Einziehen des Mantelbleches. Die geklöppelte Krempe wird dagegen wie ein Bodenkrempenbereich kalt oder warm umgeformt (geklöppelt) und besitzt einen definierten Krempenradius. Beide Bauformen unterscheiden sich in der Spannungsverteilung und werden im Nachweis unterschiedlich behandelt.

Warum wird der Krempenbereich höher beansprucht als der zylindrische Mantel?

In der Krempe wird die Meridiankraft des Außenmantels auf kleinem Radius umgelenkt und in die Behälterwand eingeleitet. Neben den Membranspannungen entstehen dadurch erhebliche Biegespannungen, ähnlich wie im Krempenbereich gewölbter Böden. Der ungestörte Zylinder trägt dagegen fast reine Membranspannungen – deshalb ist der Krempennachweis gesondert zu führen.

Welche Rolle spielt der Druck im Ringraum für den Innenbehälter?

Der Druck im Heiz- oder Kühlmantel wirkt auf den Innenbehälter als äußerer Überdruck. Neben dem Krempennachweis ist deshalb für den Innenbehälter regelmäßig ein Stabilitätsnachweis gegen elastisches Einbeulen (AD 2000 B6) erforderlich – insbesondere im ungünstigsten Lastfall „Mantel unter Druck, Behälter drucklos bzw. unter Vakuum“.

Wann ist v = 0,7 anzusetzen?

Wenn die Krempe nur einseitig an die Behälterwand angeschweißt ist und die Naht nicht voll durchgeschweißt bzw. nicht von beiden Seiten prüfbar ausgeführt wird. Der reduzierte Beiwert berücksichtigt die geringere Tragfähigkeit und Prüfbarkeit solcher Anschlüsse; bei beidseitig geschweißten, voll durchgeschweißten Nähten darf ein höherer Wert angesetzt werden.

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