Durchgesteckte Stutzen mit Verstärkung berechnen – Modul UG37

Das Modul UG37 führt den Ausschnittsverstärkungs-Nachweis für Stutzen nach ASME BPVC Section VIII Division 1, Absatz UG-37 – die klassische Flächenersatzmethode (area replacement).

Modul UG37Regelwerk ASME BPVC VIII-1 UG-37Lesedauer 7 minDE / EN

Aufgabenstellung und Berechnungsziel

Das Modul UG37 führt den Ausschnittsverstärkungs-Nachweis für Stutzen nach ASME BPVC Section VIII Division 1, Absatz UG-37 – die klassische Flächenersatzmethode (area replacement). Berechnet werden durchgesteckte und aufgesetzte Stutzen jeweils mit oder ohne Verstärkungsscheibe, in Zylinderschalen, Kugeln, gewölbten und ebenen Böden. Über UG-42 lassen sich zusätzlich benachbarte Stutzen nachweisen, wobei die Werte der Einzelstutzen übernommen werden.

Der Grundgedanke: Jeder Ausschnitt entfernt tragenden Querschnitt aus der druckbeanspruchten Wand. Die entfernte Fläche A = d·tr·F muss in den Grenzlängen um den Ausschnitt wieder verfügbar sein – als Wanddickenreserve des Mantels (A1), Reserve der Stutzenwand außen und innen (A2, A3), Schweißnahtquerschnitte (A41–A43) und Verstärkungsscheibe (A5). Der Korrekturfaktor F nach Fig. UG-37 berücksichtigt die Lage der Nachweisebene zur Umfangsrichtung, die Festigkeitsverhältnisse fr die unterschiedlichen Werkstoffe von Stutzen, Scheibe und Grundkörper.

Das Modul weist erforderliche und vorhandene Flächen samt Auslastung aus, berechnet den zulässigen Druck des verstärkten Ausschnitts, prüft die Grenzlängen nach UG-40 sowie die erforderlichen Kehl- und Wurzelnahtdicken der Stutzenanschweißung. Wer eine Stutzenverstärkung nach ASME berechnen muss, erhält damit den vollständigen Nachweis in einem Rechengang.

Regelwerk und Berechnungsbasis: ASME BPVC VIII-1 UG-37: 2025

Berechnungsumfang

So läuft die Berechnung ab

  1. Erforderliche Wanddicken des ungestörten Bauteils bestimmen: Zunächst werden die rechnerisch erforderlichen Wanddicken tᵣ des Grundkörpers (nach UG-27 bzw. UG-32) und tᵣₙ des Stutzens ermittelt – jeweils mit E = 1, da die Flächenmethode nahtlose Verhältnisse am Ausschnitt voraussetzt.
  2. Erforderliche Verstärkungsfläche berechnen: Die erforderliche Fläche folgt aus A = d·tᵣ·F, mit dem Ausschnittsdurchmesser d im korrodierten Zustand und dem Korrekturfaktor F nach Fig. UG-37 (F = 1 in der Ebene quer zur Behälterachse, bis 0,5 in Längsrichtung bei Zylindern).
  3. Grenzlängen festlegen: Die mittragenden Bereiche werden begrenzt: parallel zur Wand auf den größeren Wert aus d und Rₙ + t + tₙ je Seite, senkrecht dazu auf 2,5·t bzw. 2,5·tₙ (zuzüglich Scheibendicke) nach UG-40. Nur Material innerhalb dieser Grenzen zählt als Verstärkung.
  4. Vorhandene Flächen aufsummieren: Mantelreserve A₁, Stutzenreserven A₂ und A₃, Schweißnahtflächen A₄ und ggf. die Verstärkungsscheibe A₅ werden – mit den Festigkeitsverhältnissen fᵣ bei abweichenden Werkstoffen – zur vorhandenen Fläche ∑A addiert und mit der erforderlichen Fläche verglichen; daraus ergibt sich die Auslastung.
  5. Schweißnähte und Lastpfade prüfen: Die erforderlichen Kehlnaht- und Wurzelnahtdicken der Stutzenanbindung werden nach UG-41/UW-16 geprüft, einschließlich der Lastpfadbetrachtung, welche Kraft über welche Nahtkombination übertragen wird.
  6. Benachbarte Stutzen nach UG-42 bewerten: Liegen zwei Ausschnitte näher als das Zweifache ihres mittleren Durchmessers, wird der Steg zwischen ihnen nachgewiesen: Die verfügbare Gesamtfläche ∑Aab und die erforderliche Stegfläche werden verglichen; keine Fläche darf doppelt angesetzt werden.
Eingabegrößen24 / 154 Größen
GrößeSymbolEinheit
Berechnungsdruckp0MPa(p)
BerechnungstemperaturT0°C
Faktor (Innendruck=1;Außendruck=2)Γ
Wanddicke ohne Zuschlägetmm
Erforderliche Wanddicke ohne Zuschlägetrmm
WerkstoffMantel
Zulässige SpannungSvMPa
Schweißnahtfaktor (oder Qualitätsfaktor Stahlguss)E1
Korrekturfaktor (Fig.UG-37 Innendruck)F
Stutzen
Ausgeführte Wanddicke mit Zuschlägentn1mm
Zuschlag (Wanddicke)c1mm
Zuschlag (Korrosion)c2mm
Wanddicke ohne Zuschlägetnmm
Außendurchmesserdamm
Innendurchmesser korrodiert = da-2·tndmm
Innerer Überstandhmm
Erforderliche Wanddicke Stutzentrnmm
Kehlnahtdicke Stutzen/Mantel außenleg1mm
Kehlnahtdicke Verst./Grundk. außenleg2mm
WerkstoffStutzen
SicherheitsfaktorS
Zulässige SpannungKn/S SnMPa
Dicke ohne Zuschlägetemm
Berechnungsergebnisse1 Größen
GrößeSymbolEinheit
Stegfläche > erf. Gesamtfläche / 2anw

Berechnungsoptionen

Faktor (Innendruck=1;Außendruck=2)

Innendruck · Außendruck

Zugangsöffnung

Nein · Ja

Form des Grundkörpers

zylindrisch · kugelförmig · Sonstige

Option

Durchgesteckter Stutzen mit Verstärkung · Durchgesteckter Stutzen ohne Verstärkung · Aufgesetzter Stutzen mit Verstärkung · Aufgesetzter Stutzen ohne Verstärkung · Benachbarte Stutzen nach UG-42

Gelöstes Beispiel

Ein durchgesteckter Stutzen ohne Verstärkungsscheibe in einer Zylinderschale ist nach ASME BPVC VIII-1, UG-37 nachzuweisen. Stutzen und Mantel bestehen aus demselben Werkstoff (fᵣ = 1), die Nachweisebene liegt quer zur Behälterachse (F = 1). Die Schweißnahtflächen werden im Beispiel konservativ vernachlässigt.

Gegebene Werte

Innenradius Mantel R600 mm
Wanddicke Mantel t14 mm
Innendurchmesser Stutzen d200 mm
Wanddicke Stutzen tn10 mm
Berechnungsdruck P1,6 MPa (16 bar)
Zulässige Spannung S138 N/mm²
FaktorenE = 1; F = 1; fr1 = fr2 = 1

Lösungsweg

1

Erforderliche Wanddicken nach UG-27 (E = 1)

Mantel: tr = P·R/(S·E − 0,6·P) = 1,6 · 600 / (138 − 0,96) = 7,01 mm

Stutzen: trn = P·Rn/(S·E − 0,6·P) = 1,6 · 100 / 137,04 = 1,17 mm

2

Erforderliche Verstärkungsfläche

A = d · tr · F = 200 · 7,01 · 1 = 1 401 mm²

3

Vorhandene Fläche A1 (Mantelreserve)

A1 = Größtwert aus d·(E1·t − F·tr) = 200 · (14 − 7,01) = 1 399 mm²
und 2·(t + tn)·(E1·t − F·tr) = 2 · 24 · 6,99 = 336 mm²

A1 = 1 399 mm²

4

Vorhandene Fläche A2 (Stutzenreserve außen)

A2 = Kleinstwert aus 5·t·(tn − trn) = 5 · 14 · 8,83 = 618 mm²
und 5·tn·(tn − trn) = 5 · 10 · 8,83 = 442 mm²

A2 = 442 mm²

5

Nachweis

∑A = A1 + A2 = 1 399 + 442 = 1 841 mm² ≥ A = 1 401 mm²

Auslastung: 1 401 / 1 841 = 76 % — der Ausschnitt ist ohne Verstärkungsscheibe ausreichend verstärkt; die real vorhandenen Schweißnahtflächen erhöhen die Reserve zusätzlich.

Ergebnis

Erforderliche Fläche A1 401 mm²
Vorhandene Fläche ∑A (ohne Nähte)1 841 mm²
Auslastungca. 76 %

Alle Werte sind beispielhaft. Maßgeblich sind das jeweils gültige Regelwerk und die projektspezifischen Randbedingungen.

Häufige Fragen

Wann darf auf einen rechnerischen Verstärkungsnachweis verzichtet werden?

UG-36(c)(3) nimmt kleine Öffnungen aus: In Wänden bis 10 mm Dicke sind Ausschnitte bis DN 89 (3½ Zoll), in dickeren Wänden bis DN 60 (2⅜ Zoll) ohne Einzelnachweis zulässig, sofern Mindestabstände zwischen unverstärkten Öffnungen eingehalten werden. Achtung: Für Gruppen solcher Öffnungen und bei schnellen Druckwechseln gelten Einschränkungen.

Warum wird die erforderliche Wanddicke im Nachweis mit E = 1 gerechnet?

Die Flächenmethode vergleicht lokal entnommenen und lokal verfügbaren Querschnitt. Der Schweißnahtfaktor E der Mantellängsnaht hat damit nichts zu tun, solange der Ausschnitt nicht in der Naht liegt; deshalb wird tᵣ mit E = 1 bestimmt. Durchdringt der Stutzen eine geschweißte Naht mit E < 1, ist das gesondert zu berücksichtigen.

Was bewirkt das Festigkeitsverhältnis fᵣ bei unterschiedlichen Werkstoffen?

Hat der Stutzen oder die Verstärkungsscheibe eine niedrigere zulässige Spannung als der Grundkörper, zählt seine Fläche nur anteilig (fᵣ = Sₙ/Sᵥ ≤ 1). Ein höherfester Stutzenwerkstoff bringt dagegen keinen Bonus – fᵣ wird auf 1 begrenzt. Ein häufiger Fehler ist, Scheiben aus niederfestem Material mit voller Fläche anzusetzen.

Reicht der UG-37-Nachweis auch für Stutzen mit hohen Rohrleitungslasten?

Nein. Die Flächenersatzmethode deckt nur die Druckbeanspruchung ab. Äußere Kräfte und Momente aus der angeschlossenen Rohrleitung erfordern einen zusätzlichen Nachweis der lokalen Membran- und Biegespannungen, etwa nach WRC 107/537 bzw. WRC 297 oder per FEM. Gerade bei großen Stutzen in dünnwandigen Behältern wird dieser Nachweis oft maßgebend.

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