Elliptische Böden unter Innendruck berechnen – Modul UG32

Das Modul UG32 berechnet die erforderliche Wanddicke gewölbter Böden unter innerem Überdruck nach ASME BPVC Section VIII Division 1, Absatz UG-32 in Verbindung mit Appendix 1.

Modul UG32Regelwerk ASME BPVC VIII-1 UG-32 & Appendix-1Lesedauer 7 minDE / EN

Aufgabenstellung und Berechnungsziel

Das Modul UG32 berechnet die erforderliche Wanddicke gewölbter Böden unter innerem Überdruck nach ASME BPVC Section VIII Division 1, Absatz UG-32 in Verbindung mit Appendix 1. Abgedeckt sind elliptische Böden (insbesondere der 2:1-Halbellipsenboden), torisphärische Böden – für Klöpper- und Korbbogenböden gibt das Programm die Geometrieverhältnisse automatisch vor –, Halbkugelböden sowie Kegelschalen mit und ohne Krempe einschließlich der Kegelverbindungen am weiten und schmalen Ende.

In der Praxis braucht man diese Berechnung bei jedem Druckbehälter nach ASME-Code: Der Boden schließt den zylindrischen Mantel ab, und seine Wanddicke hängt von Bodenform, Berechnungsdruck, zulässiger Spannung des Werkstoffs bei Berechnungstemperatur und dem Schweißnahtfaktor E ab. Appendix 1 stellt ergänzende Formeln bereit, etwa für Ellipsenböden mit beliebigem Achsverhältnis (Faktor K) und torisphärische Böden mit beliebigem Verhältnis von Kalottenradius zu Krempenradius (Faktor M).

Das Modul weist die erforderliche Wanddicke ohne und mit Zuschlägen aus, prüft nach Absatz (c) zusätzlich den Kalottenbereich innerhalb von 0,8·D über den äquivalenten Kugeldurchmesser und berechnet umgekehrt den zulässigen Überdruck einer vorhandenen Wanddicke – mit und ohne hydrostatischen Anteil.

Regelwerk und Berechnungsbasis: ASME BPVC VIII-1 UG-32 & Appendix-1: 2025

Berechnungsumfang

So läuft die Berechnung ab

  1. Bodenform und Geometrie festlegen: Zunächst wird die Bodenform gewählt: elliptisch, torisphärisch (Klöpper oder Korbbogen mit programmseitig vorgegebener Geometrie), halbkugelförmig oder kegelig. Daraus ergeben sich Durchmesser, Kalottenradius L, Krempenradius r bzw. der halbe Öffnungswinkel des Kegels.
  2. Formfaktoren bestimmen: Aus den Geometrieverhältnissen werden die Faktoren berechnet: K für Ellipsenböden aus dem Achsverhältnis (K = 1 beim 2:1-Boden), M für torisphärische Böden aus dem Verhältnis L/r, sowie der Faktor K1 nach Tabelle UG-37 für den äquivalenten Kugeldurchmesser.
  3. Werkstoffkennwerte und Schweißnahtfaktor ansetzen: Die zulässige Spannung S des Bodenwerkstoffs bei Berechnungstemperatur wird aus ASME Section II Part D entnommen; der Schweißnahtfaktor E richtet sich nach Nahtart und Prüfumfang. Das Modul weist zum Vergleich auch das Ergebnis nach UG-32 mit E = 1 aus.
  4. Erforderliche Wanddicke berechnen: Mit der maßgebenden Formel – z. B. t = P·D/(2·S·E − 0,2·P) für den 2:1-Ellipsenboden oder t = P·L·M/(2·S·E − 0,2·P) für torisphärische Böden – wird die erforderliche Wanddicke ermittelt. Für den Kalottenbereich innerhalb 0,8·D erfolgt der Zusatznachweis nach Absatz (c) über den äquivalenten Kugelaußendurchmesser.
  5. Zuschläge addieren und zulässigen Druck ausweisen: Korrosions- und Wanddickenzuschläge werden addiert, um die erforderliche Ausführungswanddicke zu erhalten. Umgekehrt berechnet das Modul für eine gewählte Wanddicke den zulässigen Überdruck mit und ohne hydrostatischen Anteil der Füllung.
Eingabegrößen24 / 93 Größen
GrößeSymbolEinheit
Berechnungsdruckp0MPa(p)
BerechnungstemperaturT0°C
Wanddicke ohne Zuschläget0mm
Innendurchmesser des BordsDmm
Außendurchmesser des zylindrischen BordsD0mm
ErsatzradiusLmm
Halber Öffnungswinkelα°
Innerer Krempenradiusrmm
Größter Innendurchmesser KegelDimm
WerkstoffBoden
Zulässige SpannungSMPa
Schweißnahtfaktor (oder Qualitätsfaktor Stahlguss)E
Erforderliche Wanddicketmm
Zulässiger ÜberdruckPMPa(p)
Innenhöhe der Kalotte (kleine Halbachse= h0-t0)hmm
Ausgeführte Wanddicketemm
Zuschlag (Wanddicke)c1mm
Zuschlag (Korrosion)c2mm
VerhältnisL/r
FaktorM
Axiale Zusatzlast bezogen auf Umfang (bei Druck negativ)f1N/mm
Axiale Zusatzlast bezogen auf Umfang (bei Druck negativ)f2N/mm
mit Zuschlägent1mm
Zuschlag (Wanddicke)c1mm
Berechnungsergebnisse24 / 30 Größen
GrößeSymbolEinheit
Halber Öffnungswinkelα°
Erforderliche Wanddicketmm
Zulässiger ÜberdruckPMPa(p)
Ausgeführte Wanddicketemm
VerhältnisD/2h
FaktorK
mit Zuschlägent1mm
mit Zuschlägent2mm
Faktork
VerhältnisP0/SsE1
WinkelΔ°
Wirksame LastQLN/mm
Wirksame LastQSN/mm
Erforderliche VerstärkungsflächeArLmm²
Erforderliche VerstärkungsflächeArSmm²
Erforderliche Wanddicke Zylinder (UG-27)tmm
Erforderliche Wanddicke Kegel (UG-32)trmm
mit Zuschlägen(te ≥t+) t+mm
Anrechenbarer QuerschnittAeLmm²
Anrechenbarer QuerschnittAeSmm²
Erforderlicher Querschnitt der VerstärkungArmm²
Faktor K1 nach Tabelle UG-37K1
Text für geometrische BedingungenBedingungen
Text für FestigkeitFestigkeit

Gelöstes Beispiel

Für einen stehenden Druckbehälter ist die erforderliche Wanddicke eines 2:1-Halbellipsenbodens unter innerem Überdruck nach ASME BPVC VIII-1, UG-32 zu bestimmen. Die zulässige Spannung des Werkstoffs bei Berechnungstemperatur beträgt 138 N/mm², der Boden ist nahtlos (E = 1,0).

Gegebene Werte

Innendurchmesser D1 600 mm
Berechnungsdruck P1,0 MPa (10 bar)
Zulässige Spannung S138 N/mm²
Schweißnahtfaktor E1,0
Korrosionszuschlag c1,0 mm
Bodenform2:1-Halbellipsenboden (K = 1)

Lösungsweg

1

Formel nach UG-32(d) ansetzen

Für den 2:1-Halbellipsenboden gilt:

t = P · D / (2 · S · E − 0,2 · P)

2

Erforderliche Wanddicke berechnen

t = 1,0 · 1 600 / (2 · 138 · 1,0 − 0,2 · 1,0)
t = 1 600 / 275,8 = 5,80 mm

3

Zuschläge addieren

terf = 5,80 + 1,0 = 6,80 mm

Gewählt wird die nächste verfügbare Blechdicke, z. B. 8 mm; damit sind auch Fertigungstoleranzen und die Ausdünnung beim Umformen abgedeckt, die der Hersteller nachzuweisen hat.

Ergebnis

Erforderliche Wanddicke ohne Zuschläge5,80 mm
Erforderliche Wanddicke mit Korrosionszuschlag6,80 mm

Alle Werte sind beispielhaft. Maßgeblich sind das jeweils gültige Regelwerk und die projektspezifischen Randbedingungen.

Häufige Fragen

Kann ich Klöpper- und Korbbogenböden direkt nach ASME berechnen?

Ja, über Appendix 1-4. Der Klöpperboden (L = D, r = 0,1·D) und der Korbbogenboden (L = 0,8·D, r = 0,154·D) sind torisphärische Böden, deren Faktor M aus dem Verhältnis L/r bestimmt wird. Die in UG-32 angegebene Kurzformel mit M = 1,77-Äquivalent gilt dagegen nur für den Standard-Torusboden mit L = D und r = 0,06·L – sie darf nicht unbesehen auf Klöppergeometrie übertragen werden.

Worin unterscheidet sich der ASME-Ansatz vom Klöpperboden nach AD 2000 B 3?

ASME bemisst gewölbte Böden über die Membranformel mit Formfaktor (K bzw. M) und deckt die Krempenbeanspruchung pauschal darüber ab. AD 2000 B 3 verwendet dagegen einen separaten Berechnungsbeiwert β für die Krempe und prüft zusätzlich elastisches Einbeulen der Krempe unter Innendruck. Die Ergebnisse können insbesondere bei dünnwandigen großen Böden voneinander abweichen; maßgebend ist das für den Behälter vereinbarte Regelwerk.

Wozu dient der Nachweis nach Absatz (c) im Kalottenbereich?

Torisphärische und elliptische Böden dürfen im zentralen Kalottenbereich (innerhalb 0,8·D) alternativ als Kugelschale mit dem äquivalenten Kugelradius nachgewiesen werden. Das ist relevant, wenn der Boden aus Kalotte und Krempe mit unterschiedlichen Wanddicken gefertigt wird oder wenn Ausschnitte in der Kalotte über UG-37 verstärkt werden müssen – dort geht der äquivalente Kugeldurchmesser in die Ausschnittsberechnung ein.

Welche Rolle spielt der hydrostatische Anteil beim zulässigen Überdruck?

Bei stehenden Behältern mit Flüssigkeitsfüllung wirkt am tiefsten Punkt zusätzlich zum Betriebsüberdruck der hydrostatische Druck der Flüssigkeitssäule. Das Modul weist deshalb den zulässigen Überdruck einmal einschließlich und einmal ohne hydrostatischen Anteil aus – so ist direkt erkennbar, wie viel vom Druckbudget die Füllung verbraucht.

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