Flachgewölbte Böden unter innerem Überdruck berechnen – Modul FGB

Das Modul FGB berechnet flachgewölbte Böden unter innerem Überdruck. Flachgewölbte Böden — flache Kugelkalotten mit kleiner Wölbungshöhe und Krempe — sind eine wirtschaftliche Alternative zu Klöpper- oder Korbbogenböden, wenn Apparate im unteren…

Modul FGBRegelwerk Harvey J., Theory and Design of Pressure Vessels and Schwaigerer S., FestigkeitsberechnungLesedauer 5 minDE / EN

Aufgabenstellung und Berechnungsziel

Das Modul FGB berechnet flachgewölbte Böden unter innerem Überdruck. Flachgewölbte Böden — flache Kugelkalotten mit kleiner Wölbungshöhe und Krempe — sind eine wirtschaftliche Alternative zu Klöpper- oder Korbbogenböden, wenn Apparate im unteren Druckbereich betrieben werden und Bauhöhe oder Fertigungskosten begrenzt sind, etwa bei drucklosen bis gering überdruckbeaufschlagten Behältern, Deckeln und Apparategehäusen.

Die gängigen Druckbehälterregelwerke decken diese Geometrie nicht ab: Weder das AD 2000-Regelwerk noch der ASME Code enthalten Berechnungsregeln für flachgewölbte Böden außerhalb der genormten Bodenformen. Der Festigkeitsnachweis wird deshalb nach der Fachliteratur geführt — nach S. Schwaigerer, „Festigkeitsberechnung im Dampfkessel-, Behälter- und Rohrleitungsbau“, und J. F. Harvey, „Theory and Design of Pressure Vessels“. Das Modul setzt diese Nachweiskonzepte um und macht die Sondergeometrie damit rechenbar und dokumentierbar.

Zu beachten ist der Charakter des Nachweises: Bei flacher Wölbung entstehen neben den Membranspannungen der Kalotte erhebliche Biege- und Randstörspannungen im Übergang zur Krempe bzw. zum Zylinder, die das Tragverhalten dominieren und die Anwendung auf den unteren Druckbereich begrenzen.

Regelwerk und Berechnungsbasis: Harvey J., Theory and Design of Pressure Vessels and Schwaigerer S., Festigkeitsberechnung

So läuft die Berechnung ab

  1. Geometrie des Bodens festlegen: Wölbungsradius der Kalotte, Krempenradius, Bodendurchmesser und Wanddicke beschreiben den flachgewölbten Boden. Das Verhältnis von Wölbungshöhe zu Durchmesser entscheidet, wie stark das Tragverhalten von der reinen Membranschale abweicht.
  2. Belastung und Werkstoffkennwerte ansetzen: Der innere Überdruck sowie die zulässige Spannung des Werkstoffs bei Berechnungstemperatur werden vorgegeben; gegebenenfalls sind Zuschläge für Korrosion und Wanddickenunterschreitung zu berücksichtigen.
  3. Membranspannungen der Kalotte ermitteln: Für den Kugelkalottenbereich werden die Membranspannungen aus Druck, Wölbungsradius und Wanddicke bestimmt. Wegen des großen Wölbungsradius flacher Böden fallen sie höher aus als bei stärker gewölbten Normböden gleicher Nennweite.
  4. Randstör- und Biegespannungen am Übergang nachweisen: Im Übergang Kalotte–Krempe–Zylinder entstehen Biege- und Randstörspannungen, die nach den Ansätzen von Schwaigerer bzw. Harvey erfasst werden. Die Überlagerung aus Membran- und Biegeanteilen wird gegen die zulässigen Werte des gewählten Nachweiskonzepts geprüft.
  5. Ergebnis bewerten: Die vorhandene Wanddicke wird der erforderlichen gegenübergestellt bzw. die Spannungsausnutzung ausgewiesen. Liegt die Beanspruchung im Krempenbereich zu hoch, sind größere Krempenradien, höhere Wanddicke oder eine stärkere Wölbung die üblichen konstruktiven Stellhebel.
Eingabegrößen19 Größen
GrößeSymbolEinheit
AußendurchmesserDamm
BerechnungsdruckpMPa
FestigkeitskennwertKN/mm²
SicherheitsbeiwertS
Schweißfaktorv
Zuschlag für Wanddickenunterschreitungc1mm
Korrosions- / Abnutzungszuschlagc2mm
Abklinglängexmm
Ausgeführte Wanddickesemm
Bordhöhehmm
E-Modul bei BerechnungstemperaturEN/mm²
Erforderliche Bordhöheh'mm
BerechnungstemperaturT°C
Zulässiger unverstärkter Ausschnitt innerhalb 0.6·DaDamm
WerkstoffNr.
Innerer KalottendurchmesserDimm
Wölbungshöhebmm
Außenradius des zylindrischen Bordsamm
Verhältnisa/b
Berechnungsergebnisse5 Größen
GrößeSymbolEinheit
Vorhandene Spannung am Polσ0N/mm²
Vorhandene Spannung am Äquator, longitudinalσ1N/mm²
Vorhandene Spannung am Äquator, radialσ2N/mm²
Zulässige SpannungfN/mm²
Zulässige BeulspannungfbN/mm²

Häufige Fragen

Warum kann ich einen flachgewölbten Boden nicht einfach nach AD 2000 B3 berechnen?

AD 2000-Merkblatt B3 gilt für genormte gewölbte Böden (Klöpper- und Korbbogenform) mit festgelegten Verhältnissen von Wölbungs- und Krempenradius zum Durchmesser. Flachgewölbte Böden verletzen diese Geometriegrenzen — ihr großer Wölbungsradius und die kleine Wölbungshöhe erzeugen ein anderes Tragverhalten mit dominanten Randbiegespannungen. Deshalb muss der Nachweis über die allgemeine Schalen- und Randstörtheorie nach Schwaigerer bzw. Harvey geführt werden, wie es das Modul umsetzt.

Bis zu welchen Drücken ist ein flachgewölbter Boden sinnvoll?

Eine feste Grenze gibt es nicht, aber die Wirtschaftlichkeit endet früh: Da die Membranspannung mit dem großen Wölbungsradius wächst und die Randbiegung zusätzlich begrenzt, steigen die erforderlichen Wanddicken mit dem Druck schnell an. Flachgewölbte Böden sind daher eine Lösung für den unteren Druckbereich; bei höheren Drücken sind Klöpper-, Korbbogen- oder Halbkugelböden die technisch und wirtschaftlich bessere Wahl.

Ist ein nach Fachliteratur geführter Nachweis für die Konformitätsbewertung akzeptabel?

Die Druckgeräterichtlinie verlangt die Einhaltung der grundlegenden Sicherheitsanforderungen, nicht zwingend eine harmonisierte Norm. Ein Nachweis nach anerkannter Fachliteratur (Schwaigerer, Harvey) kann als Auslegung nach dem Stand der Technik akzeptiert werden, ist aber mit der benannten Stelle bzw. dem Sachverständigen abzustimmen und nachvollziehbar zu dokumentieren — genau hierfür liefert das Modul die geschlossene Berechnungsdokumentation.

Was ist bei außenliegendem Überdruck oder Vakuum?

Das Modul behandelt den inneren Überdruck. Bei äußerem Überdruck wird die flache Kalotte zusätzlich beulgefährdet, weil die Druckmembrankräfte die Schale stauchen; dieser Stabilitätsnachweis ist ein eigenes Problem und nicht Gegenstand von FGB. Vakuumbeanspruchte flachgewölbte Böden erfordern eine gesonderte Betrachtung.

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