Rohrböden und Schrauben (Geteilte Bauweise) berechnen – Modul BV29

Das Modul BV29 berechnet Rohrböden, Deckel und die zugehörigen Schraubenverbindungen von Rohrbündelwärmeübertragern nach TGL 32903/29.

Modul BV29Regelwerk TGL 32903/29Lesedauer 6 minDE / EN

Aufgabenstellung und Berechnungsziel

Das Modul BV29 berechnet Rohrböden, Deckel und die zugehörigen Schraubenverbindungen von Rohrbündelwärmeübertragern nach TGL 32903/29. Abgedeckt sind die geteilte Bauweise mit separatem Rohrboden und Deckel ebenso wie Kammern in ungeteilter Bauweise; ergänzend lässt sich der Elastizitätsbeiwert nach ST RGW 3649-82 bestimmen, der das Zusammenwirken von Rohrboden, Rohrbündel und Mantel beschreibt.

Die TGL 32903-Reihe ist das Druckbehälter-Regelwerk der ehemaligen DDR und wird heute vor allem für die Nachrechnung und Bewertung von Bestandsanlagen benötigt, die ursprünglich nach TGL ausgelegt wurden. Wer einen Rohrboden nach TGL 32903/29 berechnen oder eine Altanlage im Rahmen wiederkehrender Prüfungen nachweisen will, findet hier die normkonforme Umsetzung der Original-Berechnungsblätter. Für Neuauslegungen greifen heute in der Regel EN 13445, AD 2000 oder ASME Section VIII.

Typische Anwendungsfälle sind Umbauten, Ertüchtigungen und Lebensdauerbewertungen von Wärmeübertragern in Bestandsanlagen der chemischen Industrie und Energietechnik, bei denen die Originalauslegung nachvollzogen werden muss.

Regelwerk und Berechnungsbasis: TGL 32903/29

Berechnungsumfang

So läuft die Berechnung ab

  1. Bauform festlegen: Zunächst wird die Bauform gewählt: geteilte Bauweise mit Rohrboden und aufgeschraubtem Deckel oder ungeteilte Kammer. Die Bauform bestimmt, welche Berechnungsblätter der TGL 32903/29 zur Anwendung kommen und wie Dichtungs- und Schraubenkräfte angesetzt werden.
  2. Belastungen und Randbedingungen erfassen: Berechnungsdruck, Temperatur sowie die Dichtungsgeometrie werden vorgegeben. Bei geteilter Bauweise entstehen aus der Verschraubung zusätzliche Randmomente auf den Rohrboden, die in den Nachweis eingehen.
  3. Elastizitätsbeiwert bestimmen: Nach ST RGW 3649-82 wird der Elastizitätsbeiwert ermittelt, der die stützende Wirkung des eingewalzten oder eingeschweißten Rohrbündels auf den Rohrboden erfasst. Er reduziert die effektive Biegebeanspruchung der gelochten Platte.
  4. Rohrboden- und Deckeldicke nachweisen: Aus Druck, Randbedingungen, Schwächungsbeiwert des Lochfeldes und zulässiger Spannung ergibt sich die erforderliche Wanddicke von Rohrboden und Deckel, die der vorhandenen Dicke gegenübergestellt wird.
  5. Schraubenverbindung nachweisen: Für die Verschraubung werden die Schraubenkräfte in den Lastfällen Einbau, Betrieb und Prüfung ermittelt und die erforderlichen Schraubenquerschnitte mit den vorhandenen verglichen.
Eingabegrößen24 / 107 Größen
GrößeSymbolEinheit
Nahtdicke für die RohreinschweißungaTmm
Breite der äußeren Kammerabschnitteb0mm
Breite der äußeren KammerabschnittebKmm
Breite der innenliegenden Kammerabschnittebimm
Breite des i+1-ten Kammerabschnittesbi+1mm
Breite der Dichtungbpmm
Berechnungsbreite der DichtungbPRmm
Summe aller Zuschläge zur Wanddicke (Kammer)cmm
Tiefe der Dichtungsrillen in der gelochten Rückwandcpmm
Art der Befestigung (Schrauben = 1 Bolzen = 2)Befestigung
Effektiver Durchmesser der Bohrungen im RohrbodendEmm
Durchmesser der Bohrungen im i-ten Leitblech/Trennwanddnimm
Berechnungsdurchmesser der Gewindebohrung für diedPRmm
Außendurchmesser des RohresdTmm
Hebelarm für Biegemomente1mm
Dicke der DichtunghPmm
Beiwert für gelenkig gelagerte Plattef1
Beiwert für gelenkig gelagerte Plattef4
Beiwert für eingespannte Plattef2
Beiwert für an Längsseite eingespannter Plattef3
Länge der Einwalzungl0mm
Länge der Schraube / BolzenlBmm
Abstand zwischen den Bohrungen im i-ten Leitblechlnimm
Einschraublänge der Verschluss-Schraubelpmm
Berechnungsergebnisse24 / 79 Größen
GrößeSymbolEinheit
Nahtdicke für die RohreinschweißungaTmm
Breite der Dichtungbpmm
Berechnungsbreite der DichtungbPRmm
Summe aller Zuschläge zur Wanddicke (Kammer)cmm
Effektiver Durchmesser der Bohrungen im RohrbodendEmm
Außendurchmesser des RohresdTmm
Hebelarm für Biegemomente1mm
Hebelarme für Biegemomentee1 e2mm
Länge der Einwalzungl0mm
Dichtungsfaktor nach TGL 32903/13m
Anzahl der Schrauben (Bolzen)n
BerechnungsdruckpMPa
PrüfdruckpnpMPa
Teilung der Bohrungen für die Rohre in Längsrichtungt1mm
Teilung der Bohrungen für die Rohre in Querrichtungt2mm
Infolge der Festigkeit der RohreqTMPa
Bedingt durch BefestigungqSMPa
Erforderliche Dicke des Rohrbodens im berohrten Gebiets1mm
Erforderliche Dicke des Rohrbodens im Bereich der Dichtungs2mm
Erforderliche Dicke des Rohrbodens außerhalb des Dichtungsbereichss3mm
RohrwanddickesTmm
Anzahl der Rohrreihen in Querrichtungz
BeiwertezM zF
BeiwertezM zF

Berechnungsoptionen

Bauform

4.1/2 Nachw. v. Rohrböden u. Schrauben · 4.3 Berechnung des Deckels · 5. Berechnung der Kammern in ungeteilter Bauweise · Elastizitätsbeiwert nach ST RGW 3649-82

Häufige Fragen

Darf ich einen neuen Wärmeübertrager noch nach TGL 32903/29 auslegen?

Für Neuauslegungen im Geltungsbereich der Druckgeräterichtlinie ist die TGL keine harmonisierte Grundlage mehr; hier sind EN 13445, AD 2000 oder ASME Section VIII üblich. Die TGL-Berechnung bleibt jedoch das Mittel der Wahl, wenn Bestandsapparate nachgerechnet, bewertet oder umgebaut werden, die ursprünglich nach TGL ausgelegt und dokumentiert wurden — nur so lässt sich die Originalauslegung konsistent nachvollziehen.

Was unterscheidet die geteilte von der ungeteilten Bauweise?

Bei der geteilten Bauweise sind Rohrboden und Kammerdeckel separate, miteinander verschraubte Bauteile mit Dichtung. Dadurch lässt sich die Kammer zur Reinigung öffnen, es entstehen aber zusätzliche Schrauben- und Dichtungskräfte sowie Randmomente am Rohrboden. Bei der ungeteilten Bauweise ist die Kammer fest mit dem Rohrboden verbunden, was die Berechnung vereinfacht, aber die Zugänglichkeit einschränkt.

Welche Rolle spielt der Elastizitätsbeiwert nach ST RGW 3649-82?

Der Elastizitätsbeiwert beschreibt, wie stark das Rohrbündel den Rohrboden elastisch stützt. Ein steifes Bündel wirkt wie eine flächige Bettung und entlastet die Platte, sodass geringere Bodendicken nachweisbar sind. Wird er vernachlässigt, rechnet man konservativ mit der frei tragenden gelochten Platte und erhält deutlich größere erforderliche Dicken.

Verwandte Berechnungen