Spannungen und Momente in Rohrbögen und T-Stücken berechnen – Modul TEB2

Rohrbögen und T-Stücke sind die kritischen Komponenten jeder Rohrleitungs-Spannungsanalyse: Sie sind flexibler als das gerade Rohr, konzentrieren aber gleichzeitig die Spannungen aus Biege- und Torsionsmomenten.

Modul TEB2Regelwerk ASME B31.3Lesedauer 5 minDE / EN

Aufgabenstellung und Berechnungsziel

Rohrbögen und T-Stücke sind die kritischen Komponenten jeder Rohrleitungs-Spannungsanalyse: Sie sind flexibler als das gerade Rohr, konzentrieren aber gleichzeitig die Spannungen aus Biege- und Torsionsmomenten. Dieses Modul berechnet Spannungen und Momente in Rohrbögen und T-Stücken nach ASME B31.3 (Process Piping) und weist sie gegen die zulässige Spannung des Werkstoffs bei Berechnungstemperatur nach.

Grundlage sind die Nachweisgleichungen der B31.3 für die Lastfälle aus anhaltenden Lasten (Druck, Eigengewicht) und aus thermischer Verschiebungsbeanspruchung: Aus den Momenten in der Ebene und quer zur Ebene sowie dem Torsionsmoment werden mit den Spannungserhöhungsfaktoren (Stress Intensification Factors) der jeweiligen Komponente die maßgebenden Vergleichswerte gebildet. Die Faktoren unterscheiden sich je nach Bauart erheblich – geschmiedetes T-Stück nach B16.9, aufgeschweißter Stutzen, Stutzen mit Verstärkungsscheibe oder ausgehalstes (extruded) T-Stück. Eingaben sind unter anderem Berechnungsdruck und -temperatur, Werkstoff und die zulässige Spannung σzul.

Spannungen in Rohrbögen und T-Stücken nach ASME B31.3 berechnen muss man bei jeder Flexibilitätsanalyse verfahrenstechnischer Leitungen – etwa um Momentgrenzen aus einer Rohrstatik zu bewerten, Abzweigkonstruktionen zu vergleichen oder Nachweise für geänderte Betriebstemperaturen zu führen.

Regelwerk und Berechnungsbasis: ASME B31.3:2022

So läuft die Berechnung ab

  1. Komponente und Bauart festlegen: Zunächst wird die Komponente gewählt: Rohrbogen mit Radius und Wanddicke oder T-Stück in seiner Bauart (geschmiedet nach B16.9, aufgeschweißter Abzweig, mit Verstärkungsscheibe, ausgehalst). Die Bauart bestimmt Flexibilitätscharakteristik und Spannungserhöhungsfaktoren.
  2. Auslegungsdaten und Werkstoff erfassen: Berechnungsdruck und Berechnungstemperatur werden eingegeben; aus dem gewählten Werkstoff folgt die zulässige Spannung bei Temperatur. Für den Verschiebungslastfall wird zusätzlich die zulässige Spannungsschwingbreite aus den Werten bei kalter und warmer Temperatur gebildet.
  3. Momente ansetzen: Die aus der Rohrstatik bekannten Schnittgrößen – Biegemoment in der Ebene, Biegemoment quer zur Ebene und Torsionsmoment – werden getrennt für die Lastfälle anhaltende Lasten und thermische Verschiebung angesetzt.
  4. Spannungserhöhungsfaktoren auswerten: Aus der Flexibilitätscharakteristik der Komponente (Funktion von Wanddicke, Radius bzw. Abzweiggeometrie) werden die Spannungserhöhungsfaktoren für In-Plane- und Out-of-Plane-Biegung bestimmt; beim T-Stück gelten für Haupt- und Abzweigrohr unterschiedliche Werte und wirksame Widerstandsmomente.
  5. Nachweise führen: Die resultierenden Spannungen werden gegen die Grenzen der B31.3 geprüft: die Längsspannung aus anhaltenden Lasten gegen die zulässige Spannung bei Temperatur, die Spannungsschwingbreite aus der Verschiebungsbeanspruchung gegen die zulässige Schwingbreite. Das Modul weist die Auslastung je Lastfall und Ort (Bogen, Hauptrohr, Abzweig) aus.
Eingabegrößen24 / 29 Größen
GrößeSymbolEinheit
Torsionsspannung RohrσtN/mm²
Spannung RohrσeN/mm²
Biegespannung RohrσbN/mm²
BiegespannungσbaN/mm²
Torsionsmoment RohrMtN·mm
Rohr Moment in der SchnittebeneMiN·mm
Moment senkrecht zur SchnittebeneMoN·mm
Innendurchmesser Rohrdimm
Außendurchmesser Rohrdamm
Außendurchmesser AbzweigDbmm
mittlerer Rohrradiusr2mm
Biegeradius RohrR1mm
Aushalsradius Abzweigrx ≥1/8*Dbmm
Wanddicke RohrTmm
Wanddicke AbzweigTbmm
vorhandene Gesamtspannung Rohr s_vN/mm²
vorhandene Gesamtspannung Abzweig s_vbN/mm²
Wanddicke VerstärkungTrmm
TorsionsspannungσtaN/mm²
Spannung AbzweigσeaN/mm²
Abzweig Moment in der SchnittebeneMiaN·mm
Moment senkrecht zur SchnittebeneMoaN·mm
TorsionsmomentMtaN·mm
Innendurchmesser Abzweigdbmm

Häufige Fragen

Was sind Spannungserhöhungsfaktoren (SIF) und warum braucht man sie?

Der SIF gibt an, um wie viel die tatsächlich ermüdungswirksame Spannung in einer Komponente über der Balken-Biegespannung des geraden Rohres bei gleichem Moment liegt. Bögen ovalisieren unter Biegung, T-Stücke konzentrieren die Last am Abzweigübergang – beides erhöht die lokale Beanspruchung deutlich. Die B31.3 stellt hierfür geometrieabhängige Formeln bereit; sie stammen aus Ermüdungsversuchen nach Markl und sind auf die Nahtqualität typischer Rohrleitungsbauteile kalibriert.

Warum wird zwischen In-Plane- und Out-of-Plane-Momenten unterschieden?

Ein Bogen reagiert auf ein Moment in seiner Krümmungsebene anders als auf ein Moment quer dazu: Die Ovalisierungsmuster und damit die Spannungsspitzen unterscheiden sich, weshalb beide Richtungen eigene Faktoren erhalten. Beim T-Stück gilt dasselbe für den Abzweig. Wer pauschal den größeren Faktor auf das resultierende Moment anwendet, rechnet zwar konservativ, verschenkt aber oft erhebliche Reserven.

Erhöht oder verringert der Innendruck die Spannungen im Bogen?

Beides ist möglich: Der Innendruck versteift dünnwandige Bögen großer Nennweite gegen Ovalisierung und reduziert damit Flexibilität und Spannungserhöhung – die B31.3 erlaubt hierfür eine druckabhängige Korrektur der Faktoren. Gleichzeitig erzeugt der Druck selbst Längs- und Umfangsspannungen, die im Lastfall der anhaltenden Lasten zu überlagern sind. Beide Effekte getrennt zu behandeln ist wesentlich für ein korrektes Ergebnis.

Kann ich die SIF-Werte eines geschmiedeten T-Stücks auch für einen aufgeschweißten Stutzen verwenden?

Nein. Ein geschmiedetes T-Stück nach B16.9 hat ausgerundete Übergänge und deutlich günstigere Faktoren als ein unverstärkter aufgeschweißter Abzweig, dessen scharfer Nahtübergang die höchsten Werte liefert; Verstärkungsscheiben und ausgehalste Abzweige liegen dazwischen. Die Bauart muss daher exakt der Ausführung entsprechen – die Verwechslung gehört zu den häufigsten Fehlern in Flexibilitätsanalysen.

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