Aufgabenstellung und Berechnungsziel
Das Modul S34 führt den allgemeinen Standsicherheitsnachweis für Behälter mit Tragpratzen nach AD 2000-Merkblatt S3/4. Tragpratzen sind an der Zylinderwand angeschweißte Konsolen, über die stehende Behälter auf Stahlbaukonstruktionen, Traversen oder Betonauflagern abgesetzt werden – eine der häufigsten Aufstellungsarten für Apparate mittlerer Größe im Anlagenbau. Die Pratzen leiten die Gewichtskräfte und Momente örtlich in die druckbeanspruchte Behälterwand ein.
Der Nachweis umfasst beide Seiten der Verbindung: Zum einen die Behälterwand, in der die Pratzenkraft örtliche Membran- und Biegespannungen erzeugt, die mit den Spannungen aus dem Berechnungsdruck in der Pratzenebene zu überlagern sind – diese Wandberechnung kann allgemein auch für die Einleitung von Zusatzkräften ohne Ausschnitte in der Behälterwand verwendet werden. Zum anderen die Pratze selbst: Auflagerblech, Stegblech und gegebenenfalls Verstärkungsblech werden bemessen, und für die Ankerschrauben wird der erforderliche Kerndurchmesser ermittelt.
Eingaben sind der Lastfall, Berechnungsdruck und -temperatur in der Pratzenebene, die Gesamtmomente und die maximale Gesamtgewichtskraft, die Anzahl der Pratzen sowie Werkstoff, Festigkeitskennwert, Sicherheitsbeiwerte und Zuschläge. Das Modul nach AD 2000 S3/4 gehört damit zum Standardumfang jeder Behälterberechnung mit Pratzenaufstellung.



Regelwerk und Berechnungsbasis: AD 2000 S3/4: 2001-09
So läuft die Berechnung ab
- Lastfall und Gesamtlasten festlegen: Für den gewählten Lastfall (Betrieb, Probe, Montage) werden Berechnungsdruck in der Pratzenebene, Berechnungstemperatur, die Gesamtmomente in der Pratzenebene und die maximale Gesamtgewichtskraft eingegeben.
- Lasten auf die Pratzen verteilen: Aus der Anzahl der Pratzen und den Gesamtlasten wird die maßgebende Einzelpratzenkraft bestimmt. Momente erzeugen eine ungleichmäßige Verteilung; maßgebend ist die höchstbelastete Pratze, wobei auch der Ausfall der Gleichlast (z. B. durch Montageungenauigkeit) konservativ abzudecken ist.
- Behälterwand an der Einleitungsstelle nachweisen: Die Pratzenkraft wirkt mit ihrem Hebelarm als Kraft-Moment-Kombination auf die Zylinderwand und erzeugt dort örtliche Membran- und Biegespannungen. Diese werden mit den Druckspannungen überlagert und mit der zulässigen Spannung verglichen; ein Verstärkungsblech vergrößert die wirksame Einleitungsfläche.
- Pratzenbauteile bemessen: Auflagerblech, Stegblech und Verstärkungsblech werden für die Pratzenkraft und das Versatzmoment nachgewiesen. Werkstoff, Festigkeitskennwert und die Sicherheitsbeiwerte für Betrieb, Probe und Lastfall bestimmen die zulässigen Spannungen; Zuschläge für Wanddickenunterschreitung und Korrosion mindern die tragenden Dicken.
- Ankerschrauben dimensionieren: Für die Verankerung wird der erforderliche Kerndurchmesser der Ankerschrauben aus den abhebenden bzw. horizontalen Kraftanteilen des ungünstigsten Lastfalls ermittelt.
Eingabegrößen
| Größe | Symbol | Einheit |
|---|---|---|
| Lastfall | Lastfall | – |
| Berechnungsdruck in der Pratzenebene | p | bar |
| Berechnungstemperatur | T | °C |
| Gesamtmomente in der Pratzenebene | M | N·mm |
| Maximale Gesamtgewichtskraft | Gd | N |
| Minimale Gesamtgewichtskraft | Gz | N |
| Anzahl der Pratzen | n | – |
| Aufgebrachte Vorspannkraft aller Schrauben | Fv | N |
| Bemerkung | Bemerkung | – |
| Zylinderwanddicke | se | mm |
| Zylinderaußendurchmesser | Da | mm |
| Exzentrizität der Pratzenkraft | ap | mm |
| Dicke des Verstärkungsbleches | sv | mm |
| Höhe des Verstärkungsbleches | hv | mm |
| Breite des Verstärkungsbleches | bv | mm |
| Dicke des Auflagerbleches | sa | mm |
| Tiefe des Auflagebleches | ta | mm |
| Breite des Auflagebleches | ba | mm |
| Abstand der Stege | ab | mm |
| Anzahl der Stege | ns | – |
| Dicke des Stegbleches | ss | mm |
| Länge des Ersatzstegbleches | ls | mm |
| Breite des Ersatzstegbleches | bs | mm |
| Exzentrizität der Stegkraft | as | mm |
Berechnungsergebnisse
| Größe | Symbol | Einheit |
|---|---|---|
| Lastfall | Lastfall | – |
| Bemerkung | Bemerkung | – |
Berechnungsoptionen
Lastfall
Betrieb · Prüfung · Einbau · Sonderfall
Häufige Fragen
Wodurch entsteht das Moment an der Pratze, obwohl nur Gewicht wirkt?
Die Auflagerkraft greift am Auflagerblech mit einem Abstand (Hebelarm) zur Behälterwand an. Dieser Versatz erzeugt ein Biegemoment, das über das Stegblech als Kraftpaar in die Wand eingeleitet wird – oben Zug, unten Druck. Je weiter das Auflager von der Wand entfernt liegt, desto größer werden Moment und örtliche Wandbeanspruchung. Kurze Hebelarme und ausreichend hohe Stegbleche entschärfen den Nachweis.
Wann braucht die Pratze ein Verstärkungsblech an der Behälterwand?
Wenn die örtlichen Biegespannungen in der Wand aus der Pratzenkraft in Überlagerung mit den Druckspannungen die zulässigen Werte überschreiten – typisch bei dünnwandigen Behältern, großen Füllgewichten oder wenigen Pratzen. Das Verstärkungsblech verteilt die Lasteinleitung auf eine größere Fläche. Es sollte an die Wandkrümmung angepasst und umlaufend verschweißt sein; die Ecken werden ausgerundet, um Spannungskonzentrationen zu vermeiden.
Kann die Wandberechnung von S3/4 auch für andere Anbauteile genutzt werden?
Ja. Die Berechnung der Behälterwand unter einer örtlich eingeleiteten Kraft-Moment-Kombination gilt allgemein für Zusatzkräfte ohne Ausschnitt in der Wand – etwa für Konsolen von Podesten, Rohrhalterungen oder Anschlagpunkte. Sobald die Einleitung über einen Stutzen mit Ausschnitt erfolgt, sind stattdessen die Nachweise für Stutzenlasten (AD 2000 S3/0 in Verbindung mit B9) zu führen.
Wie viele Pratzen sind sinnvoll, und dürfen alle als gleich tragend angesetzt werden?
Üblich sind zwei bis vier, gelegentlich acht Pratzen. Statisch überbestimmte Anordnungen tragen nur dann gleichmäßig, wenn Auflagerhöhen exakt fluchten; Montagetoleranzen können einzelne Pratzen deutlich höher belasten. Das Regelwerk trägt dem durch die Betrachtung der höchstbelasteten Pratze Rechnung – bei der Eingabe der Pratzenzahl sollte die tatsächlich gesicherte Lastverteilung (z. B. durch Ausgleichsscheiben beim Ausrichten) berücksichtigt werden.