Aufgabenstellung und Berechnungsziel
Das Modul WRCK berechnet die örtlichen Zusatzspannungen in Kugelschalen, die durch äußere Stutzenlasten entstehen – also durch Kräfte und Momente, die über einen Stutzen oder ein angeschweißtes Rundanschlussstück in die Schale eingeleitet werden. Grundlage ist das WRC Bulletin 107 bzw. dessen überarbeitete Fassung WRC 537, das auf den Arbeiten von Bijlaard zur lokalen Lasteinleitung in Schalen beruht. Wer Stutzenlasten auf Kugelböden oder Kugelbehälter berechnen muss, findet hier das im Apparatebau international etablierte Nachweisverfahren.
In der Praxis tritt diese Aufgabe immer dann auf, wenn angeschlossene Rohrleitungen Kräfte und Momente auf einen Behälterstutzen übertragen: Wärmedehnungen der Leitung, Eigengewicht, Windlasten oder Reaktionskräfte erzeugen an der Durchdringungsstelle Membran- und Biegespannungen, die weit über die reinen Innendruckspannungen hinausgehen können. Das Modul ermittelt aus den einwirkenden Radialkräften, Querkräften und Momenten die Spannungskomponenten an der Verbindungsstelle Stutzen/Kugelschale in den maßgebenden Umfangspositionen.
Als Ergänzung zum reinen WRC-107-Verfahren überlagert das Programm auf Wunsch die Innendruckspannungen unter Berücksichtigung der zugehörigen Spannungserhöhungsfaktoren, so dass eine vollständige Spannungsbewertung an der Ausschnittstelle möglich ist. Die Kurvenwerte der WRC-Diagramme können bei Bedarf auch außerhalb des dargestellten Parameterbereichs interpoliert bzw. extrapoliert werden – eine Option, die der Anwender bewusst aktivieren muss.

Regelwerk und Berechnungsbasis: WRC 107 / WRC 537
So läuft die Berechnung ab
- Geometrie und Lasten erfassen: Zunächst werden die Kugelschalengeometrie (Radius, Wanddicke) und die Stutzenabmessungen eingegeben. Anschließend werden die äußeren Stutzenlasten definiert: Radialkraft, Querkräfte sowie Biege- und Torsionsmomente, wie sie typischerweise aus einer Rohrleitungsberechnung an der Anschlussstelle übergeben werden.
- Dimensionslose Parameter bilden: Aus dem Verhältnis von Stutzen- zu Schalenabmessungen und der Wanddicke bildet das Verfahren die dimensionslosen Schalenparameter, mit denen die Kurvenscharen des WRC Bulletin 107/537 ausgewertet werden. Liegen die Parameter außerhalb des Diagrammbereichs, kann die Interpolation außerhalb der Kurven zugeschaltet werden; das Ergebnis ist dann als Näherung zu kennzeichnen.
- Spannungskomponenten aus den WRC-Kurven ermitteln: Für jede Lastkomponente werden aus den Bijlaard-Kurven die Membran- und Biegespannungsanteile in meridionaler und Umfangsrichtung an der Innen- und Außenfaser der Schale bestimmt. Die Auswertung erfolgt an den maßgebenden Umfangspositionen des Stutzenanschlusses.
- Überlagerung mit den Innendruckspannungen: Die aus den Stutzenlasten resultierenden Spannungen werden vorzeichenrichtig mit den Innendruckspannungen der Kugelschale überlagert. Dabei berücksichtigt das Modul die Spannungserhöhung am Ausschnitt über entsprechende Spannungserhöhungsfaktoren, was über den Umfang des ursprünglichen Bulletins hinausgeht.
- Spannungsbewertung: Die überlagerten Spannungen werden zu Vergleichsspannungen zusammengefasst und den zulässigen Werten gegenübergestellt, wie sie für örtliche Membran- und Sekundärspannungen im jeweiligen Regelwerkskontext (z. B. ASME-Kategorisierung in Pm, Pl und Q) üblich sind. Überschreitungen zeigen an, dass Stutzenverstärkung, Wanddicke oder die zulässigen Rohrleitungslasten angepasst werden müssen.
Eingabegrößen
| Größe | Symbol | Einheit |
|---|---|---|
| Radialkraft Moment | P M1 | N |
| Scherkraft Moment | V1 M2 | N |
| Scherkraft Torsionsmoment | V2 Mt | N |
| Radialkraft Moment | P M1 | N·m |
| Scherkraft Moment | V1 M2 | N·m |
| Scherkraft Torsionsmoment | V2 Mt | N·m |
| Außendurchmesser Außendurchmesser Bei gewölbten Boden ist Außendurchmesser Kugel gleich Außendurchmesser Kalotte | Kugelaussendurchmesser | mm |
| Wanddicke mit Zus. Wanddicke mit Zus. | T t | mm |
| Außendurchmesser Außendurchmesser Bei gewölbten Boden ist Außendurchmesser Kugel gleich Außendurchmesser Kalotte | Stutzenaussendurchmesser | mm |
| Wanddicke mit Zus. Wanddicke mit Zus. | T t | mm |
| Rundungsradius Mantel/Stutzen | r | mm |
| (Membran) | γ Kn | – |
| (Biegung) | ρ Kb | – |
| (Membran) | γ Kn | – |
| (Biegung) | ρ Kb | – |
| Spannung n. Y durch Radialkraft in A | A | N/mm² |
| Spannung n. Y durch Radialkraft in B | B | N/mm² |
| Spannung n. Y durch Radialkraft in C | C | N/mm² |
| Spannung n. Y durch Radialkraft in D | D | N/mm² |
| Membran Span. n. Y durch P in A oben | oben | N/mm² |
| Membran Span. n. Y durch P in B oben | oben | N/mm² |
| Membran Span. n. Y durch P in C oben | oben | N/mm² |
| Membran Span. n. Y durch P in D oben | oben | N/mm² |
| Membran Span. n. Y durch P in A unten | unten | N/mm² |
Häufige Fragen
Worin unterscheiden sich WRC 107 und WRC 537?
WRC 537 ist die 2010 erschienene, redaktionell und rechnerisch überarbeitete Neufassung von WRC 107. Die zugrunde liegende Bijlaard-Methodik ist identisch; WRC 537 korrigiert bekannte Fehler in den Kurven, stellt die Kurvenwerte als auswertbare Gleichungen bereit und präzisiert die Vorzeichenkonventionen. Für neue Berechnungen sollte WRC 537 als Referenz genannt werden, die Ergebnisse sind mit einer korrekten WRC-107-Auswertung praktisch deckungsgleich.
Für welche Geometrieverhältnisse gilt das Verfahren?
Die Kurven des Bulletins sind nur für bestimmte Bereiche der dimensionslosen Parameter aufbereitet, insbesondere für hinreichend kleine Verhältnisse von Stutzendurchmesser zu Kugelradius und für dünnwandige Schalen. Große Ausschnitte (etwa d/D deutlich über 0,5) und sehr dickwandige Schalen liegen außerhalb des abgesicherten Bereichs; dort sind FEM-Analysen oder andere Verfahren angezeigt. Die im Modul mögliche Interpolation außerhalb der Diagramme ist eine Ingenieursnäherung und sollte im Ergebnis dokumentiert und kritisch bewertet werden.
Woher kommen die Stutzenlasten, die ich eingeben muss?
Üblicherweise aus einer Rohrleitungs-Flexibilitätsberechnung (z. B. nach EN 13480 oder ASME B31.3), die an jedem Anschlusspunkt Kräfte und Momente liefert. Alternativ geben Behälterhersteller zulässige Stutzenlasten vor, die dann mit WRCK nachgewiesen werden. Wichtig ist die konsistente Vorzeichen- und Koordinatenkonvention zwischen Rohrleitungsprogramm und WRC-Auswertung – hier entstehen in der Praxis die häufigsten Fehler.
Ersetzt die WRC-Berechnung den Ausschnittsnachweis für Innendruck?
Nein. Der Ausschnitts- bzw. Verstärkungsnachweis für Innendruck nach dem jeweiligen Behälterregelwerk (AD 2000 B 9, EN 13445-3 oder ASME VIII) bleibt separat erforderlich. WRCK behandelt die zusätzlichen örtlichen Spannungen aus äußeren Lasten und deren Überlagerung mit den Druckspannungen; beide Nachweise ergänzen sich.