Tellerböden unter Innen- und Außendruck berechnen – Modul B4

Tellerböden sind flach gewölbte, abnehmbare Abschlüsse: eine Kugelkalotte, die über einen Flansch mit Dichtung und Schrauben auf das Behälterende gespannt wird.

Modul B4Regelwerk AD 2000 B4Lesedauer 5 minDE / EN

Aufgabenstellung und Berechnungsziel

Tellerböden sind flach gewölbte, abnehmbare Abschlüsse: eine Kugelkalotte, die über einen Flansch mit Dichtung und Schrauben auf das Behälterende gespannt wird. Sie kommen überall dort zum Einsatz, wo ein Behälter oder Apparat regelmäßig geöffnet werden muss – etwa als Deckel von Reaktoren, Filtern und Wärmetauschern. Wer einen Tellerboden berechnen will, arbeitet nach AD 2000-Merkblatt B4, das die Bauformen mit ihren unterschiedlichen Flanschausführungen abdeckt.

Das Modul B4 legt Tellerböden für Innen- und Außendruck aus und unterscheidet drei Bauarten: Tellerböden mit gleicher Wanddicke in Kugelschale und Flansch, Tellerböden mit losem Flansch und Tellerböden mit verstärktem Flansch. Neben der Kalotte wird der Flanschring nachgewiesen, in den die Schraubenkräfte und die Umlenkkraft der Kugelschale einleiten. Dichtungsart und Dichtungsmaterial gehen über die Dichtungskennwerte in die Schraubenkraftermittlung ein; auch Klammerschrauben-Ausführungen werden unterstützt.

Der Nachweis verbindet damit Schalen-, Flansch- und Schraubenberechnung in einem Bauteil – entsprechend wichtig ist er bei der Auslegung lösbarer Apparatedeckel und bei der Nachrechnung, wenn Dichtung, Druck oder Temperatur geändert werden.

Regelwerk und Berechnungsbasis: AD 2000 B4: 2000-10

So läuft die Berechnung ab

  1. Bauart und Lastfall festlegen: Zunächst wird die Bauart gewählt – gleiche Wanddicke in Kugelschale und Flansch, loser Flansch oder verstärkter Flansch – sowie die Berechnungsrichtung (Innen- oder Außendruck) und ob Klammerschrauben eingesetzt werden.
  2. Geometrie und Dichtung erfassen: Erfasst werden Kalottenradius, Durchmesser, Flanschabmessungen, Schraubenteilkreis und die Dichtungsdaten. Aus dem Dichtungsmaterial folgen die Kennwerte für Vorverformung und Betriebsdichtkraft, die die erforderlichen Schraubenkräfte im Einbau- und Betriebszustand bestimmen.
  3. Schraubenkräfte für Einbau-, Betriebs- und Prüfzustand ermitteln: Für die maßgebenden Zustände werden die Schraubenkräfte aus Druckkraft auf die Kalotte, Dichtkraftbedarf und gegebenenfalls der horizontalen Umlenkkomponente der Kugelschale berechnet; daraus folgt die erforderliche Schraubendimension.
  4. Kugelschale nachweisen: Die Kalotte wird als Kugelschale unter Innen- bzw. Außendruck nachgewiesen; bei Außendruck kommt der Stabilitätsaspekt (Durchschlagen der flachen Kalotte) hinzu.
  5. Flanschring nachweisen: Der Flansch wird für die Momente aus Schraubenkraft, Dichtkraft und Schalenumlenkkraft berechnet – je nach Bauart als mittragender, loser oder verstärkter Ring. Ergebnis sind die erforderlichen Flanschabmessungen bzw. der Spannungsnachweis des gewählten Querschnitts.
Eingabegrößen5 Größen
GrößeSymbolEinheit
BauartBauart
Berechnung aufDrucks
Klammerschrauben?Klammerschrauben?
DichtungsmaterialO-Ring
DichtungsmaterialO-Ring
Berechnungsergebnisse24 / 66 Größen
GrößeSymbolEinheit
Innendurchmesserdimm
Ausgeführte Wanddickesemm
Berechnungsdruckpbar
BerechnungstemperaturΗ°C
WerkstoffWk
FestigkeitskennwertKN/mm²
SicherheitsbeiwertS
Sicherheitsbeiwert gegen elastisches EinbeulenSK
ElastizitätsmodulEN/mm²
Zuschlag für Wanddickenunterschreitungc1mm
Korrosions- / Abnutzungszuschlagc2mm
Radius der WölbungRmm
Verschwächungsfaktorv
Erforderliche Wanddicke im Bereich der Abklinglängesmm
Berechnungsbeiwertβ
Berechnungsbeiwertβ1
BerechnungsbeiwertCA
BerechnungsbeiwertCB
Mittlerer DichtungsdurchmesserdDmm
HebelarmaDmm
Flanschbreitebmm
AbklinglängeXmm
Berechnungsbeiwertβ2
BerechnungsbeiwertCC

Berechnungsoptionen

Bauart

Gleiche Wanddicke und durchgehende Dichtung · Gleiche Wanddicke und innenliegende Dichtung · Loser Flansch und durchgehende Dichtung · Loser Flansch und innenliegende Dichtung · Verstärkter Flansch; Übergang unbearbeitet · Verstärkter Flansch; Übergang bearbeitet

Berechnung auf

Innerer Überdruck · Äußeren Überdruck

Klammerschrauben?

Mit Klammerschrauben · Ohne Klammerschrauben

Dichtungsmaterial

Weichstoff · Metall-Weichstoff · Metall · O-Ring

Dichtungsmaterial

Weichstoff · Metall-Weichstoff · Metall

Häufige Fragen

Wann wählt man einen Tellerboden mit losem Flansch?

Der lose Flansch liegt nur über einen Bord bzw. eine Bördelung an der Kalotte an und kann sich unabhängig von ihr verdrehen. Das erleichtert das Ausrichten der Schraubenlöcher und erlaubt es, für den Flansch einen anderen (günstigeren) Werkstoff zu verwenden als für das mediumberührte Schalenteil – etwa bei Edelstahlkalotte mit Flanschring aus unlegiertem Stahl. Nachteil ist die zusätzliche Fügestelle und die etwas weichere Verbindung.

Warum entsteht am Tellerboden eine horizontale Kraftkomponente?

Die flach gewölbte Kugelschale trägt den Druck über Membrankräfte, die schräg am Flanschring angreifen. Neben der axialen Komponente, die die Schrauben aufnehmen, entsteht eine radiale Umlenkkomponente, die den Flanschring aufzuweiten oder einzuschnüren versucht. Je flacher die Kalotte, desto größer diese Ringbeanspruchung – sie ist ein wesentlicher Unterschied zur ebenen Deckelplatte und macht den Flanschnachweis nach B4 erforderlich.

Welchen Einfluss hat das Dichtungsmaterial auf die Auslegung?

Die Dichtungskennwerte bestimmen, welche Flächenpressung zum Vorverformen beim Anziehen und welche Restpressung im Betrieb nötig ist. Weiche Dichtungen brauchen geringere Kräfte, begrenzen aber Druck und Temperatur; kammprofilierte oder metallische Dichtungen erfordern deutlich höhere Schraubenkräfte, die Flansch und Schrauben aufnehmen müssen. Ein Dichtungswechsel an einem bestehenden Deckel erfordert deshalb eine Nachrechnung.

Was ist bei Klammerschrauben zu beachten?

Klammer- bzw. Bügelschraubverbindungen greifen nicht durch Bohrungen, sondern über Klammern am Flanschrand an. Das erlaubt schnelles Öffnen, verändert aber die Krafteinleitung: Die Klammerauflage beansprucht den Flanschrand örtlich, und die wirksame Hebelverhältnisse im Flanschmoment verschieben sich. Das Modul berücksichtigt diese Ausführung über die entsprechende Option.

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