Zylinderschalen mit Kompensatoren unter Außendruck berechnen – Modul B6

Zylinderschalen unter äußerem Überdruck versagen nicht durch Überschreiten der Zugfestigkeit, sondern durch Stabilitätsverlust: Die Schale beult elastisch ein oder verformt sich plastisch.

Modul B6Regelwerk AD 2000 B6Lesedauer 6 minDE / EN

Aufgabenstellung und Berechnungsziel

Zylinderschalen unter äußerem Überdruck versagen nicht durch Überschreiten der Zugfestigkeit, sondern durch Stabilitätsverlust: Die Schale beult elastisch ein oder verformt sich plastisch. Betroffen sind Vakuumbehälter, ummantelte Apparate mit Heiz- oder Kühlmantel, die Mantelseite von Wärmetauschern sowie Rohre unter Außendruck. Wer den zulässigen Außendruck einer Zylinderschale berechnen will, findet die maßgebenden Regeln im AD 2000-Merkblatt B6.

Das Modul B6 ermittelt den zulässigen äußeren Überdruck gegen elastisches Einbeulen und gegen plastisches Verformen. Beim elastischen Nachweis wird die kritische Beulwellenzahl über dem Umfang gesucht und der kleinste kritische Druck mit dem Sicherheitsbeiwert gegen elastisches Einbeulen abgemindert; beim plastischen Nachweis geht neben K/S auch die Unrundheit der Schale ein. Für Rohre ist die vereinfachte Berechnung des Merkblatts enthalten.

Darüber hinaus können Versteifungsringe ausgelegt werden: Sie unterteilen die Schale in kürzere Beulfelder und erhöhen so den zulässigen Druck erheblich. Auch Zylinderschalen mit Kompensatoren oder beliebigen Versteifungen lassen sich behandeln – die wirksame Beullänge zwischen den versteifenden Elementen ist dabei die zentrale Größe.

Regelwerk und Berechnungsbasis: AD 2000 B6: 2020-01

Berechnungsumfang

So läuft die Berechnung ab

  1. Geometrie und Versteifungskonzept festlegen: Eingegeben werden Durchmesser, Wanddicke abzüglich der Zuschläge und die unversteifte Länge zwischen wirksamen Versteifungen (Böden, Flansche, Versteifungsringe, Kompensatorenden). Diese Beullänge bestimmt maßgeblich das Stabilitätsverhalten.
  2. Nachweis gegen elastisches Einbeulen: Für die möglichen Beulwellenzahlen über dem Umfang wird der kritische elastische Beuldruck berechnet; maßgebend ist die Wellenzahl mit dem kleinsten Wert. Der zulässige Druck ergibt sich durch Division mit dem Sicherheitsbeiwert gegen elastisches Einbeulen, wobei der E-Modul bei Berechnungstemperatur einzusetzen ist.
  3. Nachweis gegen plastisches Verformen: Parallel wird der zulässige Druck gegen plastisches Verformen aus Festigkeitskennwert, Sicherheitsbeiwert und Wanddicken-Durchmesser-Verhältnis ermittelt; die herstellungsbedingte Unrundheit der Schale geht abmindernd ein. Der kleinere der beiden zulässigen Drücke ist maßgebend.
  4. Vereinfachte Rechnung für Rohre: Für Rohre unter Außendruck – etwa die Rohre eines Wärmetauschers mit höherem Mantelraumdruck – wendet das Modul die vereinfachte Berechnung des Merkblatts an, die ohne Beulwellen-Iteration auskommt.
  5. Versteifungsringe dimensionieren: Reicht der zulässige Druck nicht aus, können Versteifungsringe ausgelegt werden: Das Modul bestimmt das erforderliche Trägheitsmoment des Rings mit mittragender Schalenbreite und prüft Tragfähigkeit und Abstand der Ringe. Anschließend wird die Schale mit der verkürzten Beullänge erneut nachgewiesen.
Eingabegrößen24 / 36 Größen
GrößeSymbolEinheit
Ausgeführte Wanddickesemm
Zuschlag für Wanddickenunterschreitungc1mm
Korrosions- / Abnutzungszuschlagc2mm
AußendurchmesserDamm
FestigkeitskennwertKN/mm²
Beullängelmm
Unrundheit (siehe 7.3.4)u%
Vorhandener äußerer Überdruckpavbar
ElastizitätsmodulEN/mm²
InnendurchmesserDimm
Querkontraktionszahlv
WerkstoffWk
BetriebstemperaturT°C
Breite der Ringversteifungbmm
Zweifache Einflusslängebmmm
Mittragende Schalenlänge bm + blmmm
Höhehmm
Innen oder außen liegenda=außen
Schwerpunktsabstand x-x von der Profilaußenkantee2mm
Lastfall(Betrieb/Prüfung)
Rohrgeometrie: NennweiteNwmm
Toleranzklasse für Außendurchmesser nach DIN EN ISO 11271127:
Sicherheitsbeiwert *)S
Sicherheitsbeiwert *)S
Berechnungsergebnisse19 Größen
GrößeSymbolEinheit
Zulässiger Druck elastisches Einbeulenp1bar
Zulässiger Druck plastisches Verformenp2bar
Sicherheitsbeiwert gegen elastisches EinbeulenSk
HilfswertZ
Anzahl der kritischen Beulwellenn
SchwerpunktdurchmesserDmmm
Querschnittsfläche von Versteifung und SchaleAmmm²
Gesamtes FlächenträgheitsmomentImmm^4
WiderstandsmomentWmmm³
Zweifache Einflusslängebmmm
Mittragende Schalenlänge bm + blmmm
Elastischer Beuldruck der Versteifungpebar
Vorhandene Spannung(K=Ka = KV) δN/mm²
Schwerpunktsabstand x-x von der Profilaußenkantee2mm
Zulässige SpannungK/SN/mm²
BedingungenFestigkeitsbedingung
Zulässiger Druck(9)
Zulässiger Druck (unversteift)unversteiften
Zulässige Spannung(10)

Berechnungsoptionen

Innen oder außen liegend

außenliegend · innenliegend

Lastfall

Betrieb · Prüfung

Toleranzklasse für Außendurchmesser nach DIN EN ISO 1127

Keine · 1 · 2 · 3 · 4

Mantel mit Halbrohren?

Nein · Ja

Häufige Fragen

Warum werden zwei getrennte Nachweise gegen Einbeulen und plastisches Verformen geführt?

Dünnwandige, lange Schalen versagen elastisch durch Stabilitätsverlust weit unterhalb der Fließgrenze; dickwandige, kurze Schalen erreichen zuerst die plastische Grenztragfähigkeit. Da vorab nicht feststeht, welcher Mechanismus maßgebend ist, verlangt AD 2000 B6 beide Nachweise – der kleinere zulässige Druck bestimmt die Auslegung.

Welche Elemente gelten als wirksame Versteifung für die Beullänge?

Gewölbte Böden, Flansche, Rohrböden und ausreichend steife Versteifungsringe begrenzen das Beulfeld; die Beullänge ist der Abstand zwischen solchen Elementen. Ein Kompensator versteift dagegen nicht – er verlängert das Beulfeld bis zur nächsten wirksamen Versteifung, weshalb Schalen mit Kompensator gesondert zu betrachten sind.

Welchen Einfluss hat die Unrundheit der Schale?

Eine unrunde Schale trägt den Außendruck mit zusätzlichen Biegespannungen, wodurch der zulässige Druck gegen plastisches Verformen sinkt. AD 2000 B6 setzt standardmäßig eine herstellungsbedingte Unrundheit an; ist die tatsächliche Unrundheit größer als der angesetzte Wert, muss mit dem realen Wert gerechnet werden.

Was bedeutet die Anzahl der kritischen Beulwellen?

Beim elastischen Einbeulen legt sich die Schale in eine ganzzahlige Anzahl von Wellen über den Umfang. Kurze, versteifte Schalen beulen mit vielen Wellen, lange unversteifte mit wenigen (minimal zwei). Das Modul sucht die Wellenzahl mit dem kleinsten kritischen Druck – sie ist ein Plausibilitätsindikator: Ändert sich die Beullänge, sollte sich auch die kritische Wellenzahl ändern.

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